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Gegen Rentenkürzungen

Brüderle stellt Rentengarantie infrage

Von Gabi Stief

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will die gesetzliche Rentengarantie, die 20 Millionen Ruheständler in diesem Jahr vor einer Rentenkürzung bewahrte, wieder abschaffen. „Es wird nicht dauerhaft funktionieren, die Rentenentwicklung von der Lohnentwicklung abzukoppeln, denn die Renten müssen zunächst erwirtschaftet werden“, sagte Brüderle der „Rheinischen Post“.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

© dpa

Die Bundesregierung sprach dagegen von der persönlichen Überzeugung eines Ministers. „Die Abschaffung der Rentengarantie steht nicht im Koalitionsvertrag und damit auch nicht auf der Agenda der Bundesregierung“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin.

Die sogenannte Rentengarantie wurde im vergangenen Sommer erst von der Großen Koalition eingeführt, um eine Kürzung der Renten infolge sinkender Durchschnittslöhne auszuschließen. Damals betonte die von Union und SPD geführte Bundesregierung noch, dass es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handele. Doch es trat ein, was kaum jemand erwartet hatte: Im Zuge der Krise und Kurzarbeit sanken die Bruttolöhne erstmals seit 60 Jahren. Bereits im ersten Jahr ihres Bestehens wirkte die Rentengarantie: Statt einer rechnerischen Verringerung der Bruttorenten von rund zwei Prozent (West) und rund 0,5 Prozent (Ost) kam es in diesem Jahr zu einer Nullrunde.

Brüderle betonte in dem Interview, dass er die Rentengarantie für einen „Krisenmechanismus“ halte, der mit dem Ende der Wirtschaftsflaute „auf den Prüfstand“ gehört. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums erklärte gestern, es gehe dem Minister um eine „Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft“.

Nicht nur die Bundesregierung ging auf Distanz zu Brüderles Äußerungen. Der CDU-Abgeordnete Peter Weiß nannte die von Brüderle angestoßene Debatte auf „Handelsblatt Online“ „überflüssig wie ein Kropf“. Scharfe Kritik kam aus den Reihen der Opposition sowie von Gewerkschaften und Verbänden. SPD-Vize Olaf Scholz, der die Rentengarantie als Arbeitsminister auf den Weg gebracht hatte, sagte, die Rentengarantie sei vernünftig und finanzierbar. Rentner brauchten die Gewissheit, dass ihre Rente zumindest nicht sinke, da sie an ihrem Einkommen nicht mehr viel ändern könnten. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Brüderle vor, die Rentner „in wenigen Stunden“ verunsichert zu haben.

Die Linke wertete den Vorstoß als Teil des „Sommertheaters“. Eine Abschaffung der Rentengarantie bedeute Rentenkürzungen und damit mehr Altersarmut, erklärte der Rentenexperte der Linksfraktion, Matthias Birkwald.

Der Sozialverband VdK kündigte „erheblichen Widerstand“ gegen eine mögliche Abschaffung der Rentengarantie an. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher sagte, die Rentner hätten schon durch drei Nullrunden in Folge und zwei Minirentenerhöhungen zwischen 2004 und 2009 erhebliche Kaufkraftverluste hinnehmen müssen.

Regierungssprecher Wilhelm erinnerte gestern daran, dass laut Gesetz nicht umgesetzte Rentenminderungen in den nächsten Jahren mit möglichen Rentensteigerungen verrechnet werden sollen. Dies betrifft nicht nur die Rentengarantie. Bereits 2007 wurde eine gesetzliche Schutzklausel erweitert, um die Wirkung bestimmter Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel abzuschwächen. Laut Rentenversicherung hat sich im Osten über die Jahre ein Nachholbedarf von 1,83 Prozent, im Westen von 3,81 Prozent aufgestaut.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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  • Leserverdummung Benno – 27.07.10
    Zitat: „Laut Rentenversicherung hat sich im Osten über die Jahre ein Nachholbedarf von 1,83 Prozent, im Westen von 3,81 Prozent aufgestaut.“

    Frau Stief beteiligt sich aktiv an der Leserverdummung – ganz im Sinne von Merkel und Co. Was aus dem Munde des Regierungssprechers und zukünftigen CSU-Intendanten des Bayerischen Rundfunks Wilhelm mit dem Begriff „Nachholbedarf“ so schön positiv, in Richtung „mehr Rente“ klingt heißt in Wahrheit „Kürzungsbedarf“, also in Zukunft weniger Rente.
  • Nur gut Rubber Duck – 26.07.10
    das die Pension von Herrn Brüderle gesichert ist.

    Wieso fällt mir bei öffentlichen Äußerungen dieses Herrn Bundesminister nur immer das alte Lied ein: " trink, trink Brüderle trink, lass doch die Sorgen zu haus..." ???
  • brüderle paulchen – 26.07.10
    Na Brüderle, dann fangen wir doch wie unter Brüdern üblich mal mit den Politikerpensionen an. Ich glaub da kann man ohne wirkliche Belastung der betroffenen Brüderles manches Millärdchen sparen!
  • rentengarantie sturmwind 3 – 26.07.10
    Herr Brüderle hat sicherlich wieder 10 Gläser Wein zuviel getrunken und befindet sich im, wie die FDP insgesamt, ohne Hirn. Wenn die Lügenpartei FDP an den Renten rütteln will, dann soll sie mal. Die nächsten Wahlen überstehen die "Macher" der FDP nicht. Sie verschwinden in der Versenkung.Möglicherweise unter 2%.
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