Zur Anwerbung ausländischer Experten hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) eine Art Begrüßungsgeld vorgeschlagen. „Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen“, sagte Brüderle dem „Handelsblatt“ (Freitag). „Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda.“ Er kündigte eine Initiative an.
Zuvor hatte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) für die verstärkte Anwerbung ausländischer Fachkräfte ausgesprochen und dazu eine Absenkung der Einkommensgrenze von mindestens 64 000 Euro im Jahr für Zuwanderer ins Gespräch gebracht.
Die Vorstöße beider Politiker fallen zusammen mit dem zehnten Jahrestag der Einführung der „Greencard“: Am 1. August 2000 erhielt der erste ausländische IT-Spezialist mit einer Greencard eine Arbeitserlaubnis hierzulande. Inzwischen sind damit rund 33 000 Computerexperten nach Deutschland gekommen. Erwartet worden waren wesentlich mehr.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD, Anette Kramme, warf Brüderle und Schavan falsche Prioritäten vor. Zwar müsse Deutschland für ausländische Experten attraktiver werden. „In erster Linie aber müssen wir unsere eigene Jugend besser ausbilden und Arbeitnehmer aller Altersklassen nachqualifizieren.“ Sie sprach sich für eine Bildungsprämie statt einer Lockprämie aus.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach von einem „Signal in die falsche Richtung“. Man könne nicht ausländische Arbeitskräfte mit einer Prämie ins Land locken wollen, während man in Deutschland Arbeitslose durch Qualifizierung in Beschäftigung bringen könne.
Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums verwies auf den Koalitionsvertrag. Danach wollen Union und FDP „die Attraktivität Deutschlands für Hochqualifizierte steigern und die Zuwanderung nach Deutschland steuern“. Dies soll an den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarktes ausgerichtet werden, nach Kriterien wie Bedarf, Qualifizierung und Integrationsfähigkeit. Die Bundesregierung arbeite an einer Gesamtlösung, sagte der Sprecher.
Genau dies forderte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Wenn Deutschland im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter erfolgreich sein will, benötigen wir ein Gesamtkonzept für eine gezielte, arbeitsmarktorientierte Zuwanderung“, sagte ein Sprecher. Die BDA setzt auf ein Punktesystem, mit dem Zuwanderer je nach Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen ins Land geholt werden könnten.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte Brüderles Vorschlag. Es handele sich dabei um ein besonders dreistes Ablenkungsmanöver, sagte die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane der „Saarbrücker Zeitung“ (Samstag).
Dagegen begrüßte der IT-Branchenverband Bitkom die Initiativen aus der Bundesregierung. „Die derzeit gültigen Gesetze sind für den Zuzug von Hochqualifizierten immer noch zu restriktiv. Die Senkung der Einkommensgrenzen ist ein wichtiger Schritt“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Wichtig sei auch, dass Ehepartner automatisch eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Deutschland erhielten.
Für eine Absenkung der Einkommensgrenze bei Zuwanderern hatte sich unlängst FDP-Generalsekretär Christian Lindner ausgesprochen. Selbst bei einheimischen Hochschulabsolventen liege das Einstiegsgehalt im naturwissenschaftlich-technischen Bereich oft unter 40 000 Euro. Die Einkommensschwelle solle deshalb bald an das tatsächliche Lohnniveau angepasst werden, sagte Lindner.
dpa
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Kommentare
@ Christ W. Stuart ctheiss – 04.08.10
Nicht alle Deutsche ohne Arbeit sind strohdumm.Wir haben genug Potential (vgl. "zum Löschen vorgemerkelt") - man muss nur bereit sein, ihm eine Chance zu geben.
Da erzählen uns Politiker aller Couleur, dass es nichts Wichtigeres gibt als Bildung und dass möglichst jeder Mensch einen Arbeitsplatz erhalten muss. Dann wird entweder der Rotstift angesetzt oder die Mittel werden nicht zielführend verbraten.
Und nun soll Geld, das offiziell nicht da ist, dafür ausgegeben werden, ausländische Fachkräfte ins Land zu holen, weil wir zu wenig davon haben - wie pervers ist das denn!
... Christ W. Stuart – 02.08.10
Warum kommt man in der Regierung erst jetzt darauf, keine Einwanderung in die Sozialsysteme zu fördern, sondern das zu tun, was andere Länder seit Jahrzehnten erfolgreich vormachen, die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, etc. Einwanderung nur für Fachkräfte, die das Land voran bringen und sich integrieren wollen.Das Problem: wie wollen Sie strohdumme Menschen ohne Schulabschluß zu Fachkräften ausbilden? Etwas mehr Realitätssinn bitte.
HAZ -Meinungsmache Kieler Sprotte – 31.07.10
Ist die HAZ jetzt schon auf Frau Özkans "Berichtersatattungskurs" bzw. Meinungsvorgabekurs gepolt? Oder warum wurde mein Kommentar gelöscht?Brüderle, ein Schwammkopf Kieler Sprotte – 31.07.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungen@Dr. Atari zum Löschen vorgemerkelt – 31.07.10
Ich bin einer davon.Seit 7 Jahren kämpfe ich für die Erhaltung meiner Facharbeiterqualifikationen.
Aber denkste. Gabs bis heute nicht.
Aber 4-5 Bewerbungstrainings,ASCm 1€ Jobs und Fachfremde "Umschulungen"
An den Gesprächen und den Bewerbungsunterlagen liegts sicher nicht. Eher an den fehlenden Nachweisen, für zeitgemässe Datenbanken, Programiersprachen....
Aber diese Schulungen hätten vor 7 Jahren schon so um die 10-16 T€ gekostet.
Also gab es Sie einfach nicht.
Aber zeit gleich wurden z.b. Kunsttöpfern 3 Monatige HTML Anfängerkurse "spendiert", damit die sich anschliessend als Webdesigner bewerben durften(Tatsächliche selbst erlebt, während eines kurzen Zwischenspiels als "Personalmanagers".
Axo mitlerweile gelte ich selbstredent als Ungelernt und werde in den selben Topf geworfen wie die jenigen die nichtmal einen Schulabschluss besitzen.
Und ich bin bei leibe kein Einzelfall. oder wir haben c.a. 4,5 Millionen solcher "Einzelfälle".
Die Politik hat uns unser Leben und unsere Zukunft genommen,
danke Herr Hartz und Herr Schröder!
Und Die Politik will uns auch noch die Schuld dadran geben,
danke Frau Merkel , Herr WuLff und Herr Westerwelle.
4,5 Million mal DANK.
Abwrackprämie für Brüderle notwendig Opa Harry – 31.07.10
Die Grenzen zum Schwachsinn sind mittlerweile fließend. Daher wäre der Abgang von Herrn Brüderle in den Vorruhestand für Deutschland ein Segen. Er kann sich dann ganz seinen so geliebten Weinflaschen widmen.Lockruf des Staates wolfsmond – 31.07.10
Wie wäre es mit einer Lockprämie für bisher resistente Hartz 4-Bezieher?Wieso eigentlich nicht Talby – 31.07.10
Ich bin sicher kein Freund von Brüderle und seiner Partei, aber in der Denkrichtung muß ich ihm ausnahmsweise mal recht geben - auch wenn ich das Konzept der Kopfpauschale für etwas unausgegoren halte.Deutschland hat als Standort für die Fertigung weitgehend ausgedient, weil diese in anderen Ländern erheblich billiger zu bekommen ist - wissen wir alle. Dadurch verlagert sich die Arbeitskraftnachfrage im Inland zu den höheren Qualifizierungen, denn dort ist Deutschland nach wie vor wettbewerbsfähig und wird es voraussichtlich auch für einige Zeit bleiben. Es ist aber völlig illusorisch, anzunehmen, daß man einfach nur beschließen muß, die Menschen besser zu schulen. Erstens hat der Mensch kognitive Grenzen - man kann aus einem Maurer nicht beliebig einen Polier und aus einem Polier nicht beliebig einen Bauing. machen; dies muß man einfach akzeptieren. Zweitens bietet unser Bildungssystem - aller Panikmache zum Thema Bildung zum Trotz - immer noch ein reichhaltiges Ausbildungsangebot. Wenn ein Einzelner sein Ausbildungs- oder Studienziel nicht erreicht, dann liegt es oft genug am Individuum selbst und nicht am Bildungssystem. Ich weiß, daß manche Leute nun aufschreien mögen, aber das ändert auch nichts an den Tatsachen. Es haben nicht immer die Anderen schuld!
Die Zuwanderung von Akademikern und Fachkräften ist sehr sinnvoll. Vor ein paar Jahren hat jemand ausgerechnet (ich glaube, es war die VDI), daß jeder Arbeitsplatz in Forschung und Entwicklung statistisch gesehen drei bis vier weitere Folgearbeitsplätze für weniger hoch qualifizierte Arbeitnehmer, vor allem im Dienstleistungssektor, schafft, zum großen Teil im Inland! Wir sind einfach nur gut beraten, Stellen für Hochqualifizierte auch mit Zuwanderern zu besetzen, und ich würde 'nen Teufel tun, mich dem zu verschließen!
Fachkräfte Lindener – 31.07.10
Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht. Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter: www.haz.de/nutzungsbedingungenDie Grenze zum politischen Schwachsinn erscheint mir inzwischen fließend zu sein... Volker Rockel – 31.07.10
Objektiv gesehen, ist die Abstrusität dieses Vorschlags im Grunde genommen nicht mehr zu überbieten und steht für einen Grad politischer Inkompetenz in dieser Bundesregierung, der rational für mich als Bürger kaum noch begreifbar ist!Es gibt derzeit rund 7 bis 8 Millionen Menschen in Deutschland, die arbeitslos und/oder unfreiwillig geringfügig- oder teilzeitbeschäftigt sind, aber zwingend eine Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung bräuchten, um sich ihren Lebensunterhalt und ihren zukünftige Rentenanspruch sichern zu können!
Und jetzt kommt also unser sogenannter "Wirtschaftsminister" und spricht vom "drohenden Fachkräftemangel und von Lockprämien für ausländische Fachkräfte"!? (Wäre übrigens mal schön, wenn er mal definieren würde, was denn seiner Ansicht nach, überhaupt eine "Fachkraft" ist! Offenbar haben mit dieser "Begrifflichkeit" einige der schwarz/gelben Politiker ein erhebliches Problem!?)
Das in Deutschland darüber hinaus statistisch jährlich 1 % der Arbeitsplätze durch Rationalisierung verloren gehen, scheint in der Politik auch nicht zu interessieren!- Müßte es aber; denn dieser Effekt führt absehbar - trotz der negativen demographischen Entwicklung - zu einem noch größeren Angebot an Arbeitskräften, dem kein adäquates Arbeitsplatzangebot mehr gegenüber gestellt werden kann!
Klar ist man aus Sicht der Arbeitgeber an "ausländischen Fachkräften" interessiert!- Die sind nicht nur "billiger", sondern drücken auch das Lohnniveau deutscher Fachkräfte!
Und hier gibt es einen ganz klaren (logische) Ansatz einer Strategie: Im Fachkräftebereich - das gilt übrigens auch für alle Dienstleistungen die in einer Abhängigkeit zu handwerklichen Fähigkeiten stehen - ist nur bedingt eine Rationalisierung möglich!- D.h., dass "Kostensenkungspotential" kann nur dadurch ausgeschöpft werden, indem man Arbeitsleistung "billiger macht"!
Solange im Arbeitsmarkt sich Angebot und Nachfrage aber angleichen, gibt es keine Möglichkeitender Arbeitgeber auf die Höhe des Entlohnungsniveau gezielt Einfluss zu nehmen!- D.h. man muss ein Überangebot an Fachkräften im Arbeitsmarkt erzeugen, um das Lohnniveau erfolgreich drücken zu können!- Und genau das wird derzeit strategisch versucht und offensichtlich gibt es Politiker in dieser Regierung, die diese Interessen vorbehaltlos und einseitig unterstützen!
Ich stelle für mich persönlich fest: Uns ist als Bürgern ist ja schon einiges an fehlender politischer Kompetenz in den letzten Jahren zugemutet worden!- Wäre es jetzt nicht wieder mal an der Zeit, auf zweifelsfrei vorhandene Kompetenz in der Politik zu setzen!
PS: Definition "Fachkraft" nach Wikipedia "Eine Fachkraft ist allgemein eine Person, die eine gewerbliche, kaufmännische oder sonstige Berufsausbildung erfolgreich absolviert hat. Personen mit akademischem Grad werden seltener als Fachkraft bezeichnet."
Jetzt fällt mir gerade auch noch (dummer Zufall) der Amtseid der Mitglieder unserer Bundesregierung ein: "Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
Brüderle ich – 30.07.10
Wo leben wir eigentlich? Haben wir nicht genug arbeitslose studierte bzw. sehr gut ausgebildete Menschen in unserem Land??? Erst greift er die Rentner an und nun den Rest der Bevölkerung, die gern arbeiten möchten, aber keinen Job bekommen.Der Herr Brüderle soll seinen Hut nehmen u. von der kleinen Rente leben, die die Mehrheit der Rentner in unserem Land bekommt!!
6,5 Mio Arberitslose Harz4 Bezieher – 30.07.10
davon 25000 arbeitslose Ingenieure, 100 000de Akademiker, hochqualifizierte Fachkräfte...aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt und in Harz4 gebracht, werden hier zwangsverwaltet und der Mann will Wanderarbeiter ins Land holen. Ein Schulsystem, daß wie in den USA reichlich Analphabeten produziert. Fahr endlich nach Hause.Zu weit gedacht Dr. Atari – 30.07.10
„In erster Linie aber müssen wir unsere eigene Jugend besser ausbilden und Arbeitnehmer aller Altersklassen nachqualifizieren.“ sagte eine Politikerin. RECHT HAT SIE! Erstmal um die kümmern, die hier sind. gibt genug arbeitslose informatiker. hätte auch gerne gewusst, wieviele der 33.000 ausländischen Experten inzwischen ALG1 und Hartz4 beziehen.