Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Chaos um Flüchtlinge in Ungarn
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Chaos um Flüchtlinge in Ungarn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 03.09.2015
Die ungarische Polizei hat sich erneut vom Budapester Ostbahnhof zurückgezogen. Daraufhin strömten am Donnerstagmorgen Hunderte Flüchtlinge auf die Bahnsteige und versuchten, an Bord von Zügen zu gelangen.  Quelle: dpa
Anzeige

Flüchtlingschaos in Budapest: Die ungarische Polizei hat sich am Donnerstag erneut vom Ostbahnhof zurückgezogen, der seit Dienstag für Migranten gesperrt war. Hunderte Flüchtlinge, die seit Tagen vor dem Gebäude auf Einlass gewartet hatten, strömten daraufhin auf die Bahnsteige, es spielten sich tumultartige Szenen ab. Am Mittag fuhr ein erster Zug mit Flüchtlingen in Richtung österreichische Grenze ab, ein zweiter sollte folgen.

Orban: "Deutsches Problem"

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban bezeichnete den Zustrom von Flüchtlingen als "deutsches Problem". Nach einem Gespräch mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz erklärte er in Brüssel, es dürfe kein Flüchtling ausreisen, ohne dass er vorher registriert worden sei. Ungarn halte sich lediglich an europäische Regeln und tue das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarte.

"Das Problem ist kein europäisches Problem. Das Problem ist ein deutsches Problem", betonte Orban. Die Migranten wollten nicht in Ländern wie Ungarn, Polen oder Estland bleiben. "Alle würden gerne nach Deutschland gehen." Migranten warnte der rechtsnationale Regierungschef ausdrücklich vor einer Einreise nach Ungarn. "Bitte kommen Sie nicht. Es ist riskant zu kommen. Wir können nicht garantieren, dass Sie akzeptiert werden."

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warf dem ungarischen Regierungschef vor, in der Migrationspolitik die falschen Schwerpunkte zu setzen. "Ich bin nicht der Meinung von Viktor Orban", sagte der SPD-Politiker. Es möge zutreffen, dass nicht alle Menschen in Ungarn bleiben wollten. Ziel müsse deswegen aber eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge sein.

Unklare Lage in Budapest

Das weitere Schicksal der Flüchtlinge vom Budapester Ostbahnhof war zunächst unklar. Am Mittag fuhr der erste Zug mit Migranten an Bord ab, als Ziel wurde die ungarische Grenzstadt Sopron genannt. Auf dem Bahnsteig warteten noch viele hundert Flüchtlinge auf eine Weiterreise Richtung Westen.

Die ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärte am Vormittag, es gebe bis auf weiteres keine direkten Züge von Budapest nach Westeuropa. Am Vormittag fuhren auch keine Züge von Österreich direkt in die ungarische Hauptstadt. Es werde generell von Bahnreisen nach Ungarn abgeraten, teilte die österreichische Bundesbahn (ÖBB) mit.

Doch die Freude der Flüchtlinge währte nur kurz: Kurz nach seiner Abfahrt aus Budapest ist ein Zug mit bis zu 300 Flüchtlingen einem Medienbericht zufolge in der Nähe eines der größten Aufnahmelager Ungarns wieder gestoppt worden. Wie die amtliche ungarische Nachrichtenagentur MTI meldete, wurden die Menschen von der Polizei angewiesen, den Zug in Bicske rund 40 Kilometer westlich von Budapest zu verlassen. Von dort seien sie mit Bussen in das nahegelegene Flüchtlingscamp gebracht worden.

Ein zweiter Zug mit rund hundert Flüchtlingen an Bord fuhr inzwischen vom Keleti-Bahnhof ab, als Ziel war Györ nahe Österreich ausgewiesen. Auch dutzende Sicherheitskräfte fuhren mit, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Im Bahnhof harrten gegen Mittag noch rund tausend Flüchtlinge aus.

dpa/afp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Mehr als hundert Flüchtlinge haben am Mittwochmorgen bei Protesten vor dem Budapester Ostbahnhof die Weiterreise nach Österreich und Deutschland gefordert. Die Behörden hatten am Dienstag den Bahnhof für Reisende ohne EU-Visum gesperrt.

02.09.2015

Nein, dieser Beweis war nun wirklich nicht mehr nötig. Seit Wochen führt das Nachdenken über die Flüchtlingskrise in Europa immer wieder zu der Einsicht, dass es nur eine europäische Lösung für die Probleme geben kann. Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer.

01.09.2015

Der Budapester Ostbahnhof ist inzwischen gesperrt, doch Tausende Flüchtlinge haben Ungarn bereits mit Reiseziel München verlassen. Die Gewerkschaft der Polizei erhebt schwere Vorwürfe, Kanzlerin Merkel sieht Brüssel in der Pflicht.

01.09.2015

Zur Umsetzung der Vorhaben in der Asylpolitik prüft die Bundesregierung Grundgesetzänderungen. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland will Berlin das Grundrecht auf politisches Asyl für Bürger aus Staaten ausschließen, deren Anerkennungsquote bei höchstens ein bis zwei Prozent liegt.

02.09.2015

Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist wegen eines Blutgerinsels erfolgreich am Bein operiert worden und kann in zwei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Das teilte die Asklepios-Klinik in Hamburg am Mittwochabend mit.

02.09.2015

Italien hat sich auf Bitten Deutschlands bereit erklärt, vorübergehend die Kontrollen an der Grenze zu Österreich wieder einzuführen. Die Behörden der Provinz Bozen erklärten am Mittwoch, die italienische Regierung habe umgehend auf eine entsprechende Anfrage aus Deutschland reagiert.

02.09.2015
Anzeige