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Mehr als 2100 Behandlungsfehler nachgewiesen

Bundesärztekammer Mehr als 2100 Behandlungsfehler nachgewiesen

Ärzte sind keine Pfuscher, aber auch sie machen Fehler: Die meisten offenbar bei Knie- und Hüft-Operationen und bei Unterschenkel- und Gelenkbrüchen. Zumindest gibt es hier die meisten Beschwerden von Patienten.

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Im vergangenen Jahr gingen bei der Bundesärztekammer etwas mehr als 11.800 Beschwerden über mutmaßliche Behandlungsfehler ein.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Berlin. Die Bundesärztekammer hat neue Zahlen zum Thema Behandlungsfehler vorgelegt.

  • 2015 gingen bei den Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer 11.822 Beschwerden über einen möglichen Behandlungsfehler ein.
  • Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen trafen in 7215 Fällen eine Entscheidung.
  • Sie sahen in 2132 Fällen einen Behandlungsfehler.
  • In 1774 Fällen war der Behandlungsfehler oder die fehlende Aufklärung durch den Mediziner die Ursache für einen Gesundheitsschaden – und dadurch hatte der Patient einen Anspruch auf Entschädigung.
  • Die mit Abstand häufigsten Fehler sind bei Brust-OPs nachgewiesen worden, gefolgt von Rückenbeschwerden und Unterschenkel- und Sprunggelenkbrüchen.
  • In 358 Fällen hatte der Behandlungsfehler oder die mangelnde Aufklärung durch den Arzt keinen Gesundheitsschaden zur Folge.
  • Drei Viertel der Beschwerden erreichten die Schlichtungsstellen nach Behandlungen im Krankenhaus, ein Viertel nach ambulanter Behandlung in Arztpraxen.

Nach Ansicht der Bundesärztekammer ist ein Grund für Behandlungsfehler der stetig wachsende Druck in Kliniken und Praxen. So habe die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle zwischen 2004 und 2014 um 152 Millionen auf 688 Millionen zugenommen. In Krankenhäusern wurden demnach 2014 mehr als 19 Millionen Patienten behandelt. Andreas Crusius von der Bundesärztekammer sagte, Ärzte machten Fehler, sie seien aber keine Pfuscher. Man gehe offen mit den Fehlern um.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch sagte: "Wir brauchen ein bundeseinheitliches Zentralregister für Behandlungsfehler. Es kann nicht sein, dass Ärztekammern, Krankenkassen und Gerichte hier unterschiedlich zählen." Ebenso nötig sei ein Härtefallfonds für rasche Hilfe bei offenkundigen Behandlungsfehlern.

dpa/wer

Fragen und Antworten zu Behandlungsfehlern

Wo können sich Patienten bei Ärztefehlern hinwenden?
Wenn Patienten das Gefühl haben, bei ihrer Operation sei etwas schief gelaufen, können sie sich für eine außergerichtliche Lösung an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Landesärztekammern wenden. Die größte ihrer Art ist die norddeutsche Schlichtungsstelle in Hannover, an die sich Patienten aus zehn Bundesländern wenden können. Hier finden sie die Expertise von Ärzten, Juristen und Verwaltungsangestellten. Das Schlichtungsverfahren ist für den Patienten kostenlos.

Welche Konsequenz haben Entscheidungen der Schlichtungsstellen?
Die Schlichtungsstellen beurteilen in einem Streitfall mögliche Schadensersatzansprüche des Patienten an die Haftpflicht des Arztes, die Gutachterkommissionen das ärztliche Handeln. Ihre Entscheidungen sind Empfehlungen. Wenn sie dem Patienten nicht gefallen, kann er immer noch den normalen Rechtsweg beschreiten. Die Dauer eines solchen Schlichtungsverfahrens liegt bei 10 bis 12 Monaten. Das Gutachten soll in einer für den Laien verständlichen Sprache verfasst werden. Die Frage, ob die Operation tatsächlich notwendig war, wird bei der Begutachtung in der Regel nicht berücksichtigt.

Gibt es andere Statistiken zu Behandlungsfehlern?
Ja, die Krankenkassen machen ihre eigene Untersuchung. Sie kommt in der Regel einige Wochen später heraus. Die Zahlen liegen höher, bewegen sich aber im Verhältnis zu den mehreren hundert Millionen Behandlungen im Jahr auf einem ähnlichen Niveau. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hatte im vergangenen Jahr die Zahl der Gutachten wegen Verdachts auf Fehler mit 14.663 angegeben. In 3796 Fällen erkannten die Gutachter einen Behandlungsfehler. Allerdings: Nach den MDK-Zahlen starben die Patienten in 155 Fällen an den Folgen eines Fehlers. 1294 Patienten erlitten einen Dauerschaden.

Was bemängeln die Kritiker der Statistik?
Krankenkassen, Patientenverbände und Opposition vermuten eine hohe Dunkelziffer. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink meint: "Die Behandlungsfehler-Statistik bildet nur die Spitze des Eisbergs ab." Trotz Patientenrechtegesetz von 2012 müsse es für Patienten mehr Beweiserleichterungen vor Gericht geben und für schwerwiegende Schäden einen Härtefallfonds. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: "Wir brauchen ein bundeseinheitliches Zentralregister für Behandlungsfehler. Es kann nicht sein, dass Ärztekammern, Krankenkassen und Gerichte hier unterschiedlich zählen."

Nutzt die Statistik trotzdem?
Ja. Zwar sind die Kriterien, was ein Fehler ist, nicht einheitlich, und entsprechend sind die Aussagen darüber nur begrenzt realistisch. Aber grundsätzlich ist es richtig, überhaupt über Fehler zu reden. So banal es klingt: aus Fehlern kann man lernen. Da nun Ärzte – wie andere Spezialisten auch – ungern Fehler zugeben, zumal Sanktionen drohen, ist es gut, auch für Ärzte ein anonymes Fehlermeldesystem einzurichten.

dpa

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