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„Jeder Schluck Alkohol für Schwangere ist gefährlich“

Bundesdrogenbeauftragte im Interview „Jeder Schluck Alkohol für Schwangere ist gefährlich“

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler warnt vor Gefahren des Alkoholkonsums für Schwangere: "Das Risiko, mit dem Fetalen Alkohol-Syndrom (FAS) zur Welt zu kommen, ist in Deutschland leider noch viel zu wenig bekannt."

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Quelle: dpa

Frau Mortler, was ist für Sie derzeit das wichtigste Thema?

Der Schutz ungeborener Babys vor Tabak- und Alkoholkonsum der Mutter. Das Risiko, mit dem Fetalen Alkohol-Syndrom (FAS) zur Welt zu kommen, ist in Deutschland leider noch viel zu wenig bekannt. Es zählt zu den häufigsten, bereits bei der Geburt vorliegenden Behinderungen. Doch die Diagnose wird selten gestellt: Entweder weil die Mediziner Hemmungen haben, sie auszusprechen, oder weil ihnen Informationen zum Krankheitsbild fehlen. Um das zu ändern, hat das Gesundheitsministerium die Entwicklung der S3-Leitlinie auf den Weg gebracht. Sie soll die Diagnose des Vollbilds FAS erleichtern.

Wie macht sich FAS bemerkbar?

Die betroffenen Kinder, und auch Erwachsene, zeigen sowohl körperliche als auch geistige Krankheitssymptome. Zu den körperlichen zählen zum Beispiel Wachstumsstörungen, schräge Lidachsen und schmale Oberlippen. Was die geistige Entwicklung betrifft, leiden sie unter anderem an Aufmerksamkeitsstörungen und haben Schwierigkeiten, sich sozial zu verhalten und ihre Emotionen zu regulieren. Viele Betroffene sind ihr Leben lang auf Hilfe anderer angewiesen. Erwachsene haben häufig Konflikte mit dem Gesetz – die wenigsten Menschen wissen jedoch, was eigentlich mit ihnen los ist.

Wie viele Betroffene gibt es?

Schätzungen zufolge werden jährlich etwa 2000 Kinder mit dem Vollbild FAS geboren. Gut 8000 bis 10 000 Menschen kommen mit einer Fetalen Alkholspektrumstörung zur Welt. Der falsche Glaube, ein Gläschen Sekt oder Wein in der Schwangerschaft sei hier und da erlaubt, ist in unserer Kultur leider noch gängig. Doch jeder Schluck Alkohol kann Folgen für das Ungeborene haben. Daher vertrete ich in dieser Hinsicht eine Null-Toleranz-Politik.

Warum sprechen Sie sich so deutlich gegen Cannabis aus?

Weil Cannabis gerade für Jugendliche und junge Erwachsene erhebliche gesundheitliche Risiken birgt. Hinzu kommt, dass das Kiffen oft eine der ersten Drogenerfahrungen für Jugendliche ist. Daraus entwickelt sich bei vielen später ein gefährlicher Mischkonsum mit anderen Drogen und mit starken Gesundheitsschäden. Cannabis darf nicht verharmlost werden, das zeigen mir meine Gespräche mit Suchttherapeuten immer wieder. Viel zu oft entwickeln sich psychische Erkrankungen bis hin zu echten Psychosen.

Wie sieht es mit den sogenannten legalen Designerdrogen aus?

Das ist auf jeden Fall ein großes Problem. Neue psychoaktive Substanzen (NPS), die unter so harmlosen Namen wie „Badesalz“ oder „Kräutermischung“ im Umlauf sind, verbreiten sich immer mehr. Die EU-Drogenbeobachtungsstelle hat einen massiven Anstieg in Herstellung und Konsum von NPS ermittelt. Europaweit wurden im Jahr 2014 mehr als 100 neue Substanzen entdeckt. Sie werden vor allem über das Internet vertrieben und stellen eine große Gesundheitsgefahr dar. Experten haben Stoffgruppen identifiziert, die wir mit einem neuen Gesetz umfassend verbieten wollen.

Welches Thema wird 2016 wichtig?

Ich werde einen Fokus auf Onlinesucht legen, das wird auch das Thema der Jahreskonferenz am 9. November 2016 sein. Was Computerspiel-, Online- und Smartphonesucht betrifft, sehe ich einen großen Handlungsbedarf und spezifische Schwierigkeiten. Oftmals ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sie abhängig sind und deswegen vieles vernachlässigen. Das Problem bei der Sucht nach Smartphones und Internet ist: Man kann sich dem „Stoff“ überhaupt nicht entziehen, weil wir ihn für die Arbeit benötigen und weil er notwendiger Bestandteil des modernen Lebens geworden ist. Daher plädiere ich für ein gesundes Maß im Umgang mit diesen Medien, die richtige Online-Offline-Balance. Dafür brauchen wir gute Aufklärungs- und Präventionsangebote. Hier setzen wir an.

Interview: Anja Meyer

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