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"Wir brauchen endlich Lohngerechtigkeit"

Bundesjustizminister Heiko Maas "Wir brauchen endlich Lohngerechtigkeit"

In vielen Unternehmen ist Lohngerechtigkeit immer noch keine Wirklichkeit. Die Arbeit von Frauen darf nicht länger unterbewertet werden – fordert Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) in einem Gastbeitrag zum "Equal Pay Day".

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Bundesjustizminister Heiko Maas.

Quelle: Karlheinz Schindler/dpa

Berlin. "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", heißt es im Grundgesetz. Aber in vielen Unternehmen ist das noch immer keine Wirklichkeit, zum Beispiel, wenn es um die Bezahlung geht. Obwohl Frauen heute so gut ausgebildet sind, wie niemals zuvor, bekommen sie im Durchschnitt 22 Prozent weniger Lohn als Männer. Aufs Jahr bezogen wirkt diese Lohnlücke so, als ob Frauen von Neujahr bis zum 19. März ohne Bezahlung arbeiten müssten. Um diese Ungerechtigkeit endlich zu beseitigen, gehen am Equal Pay Day bundesweit viele Frauen auf die Straße. Ich finde, mit Recht.

Es gibt viele Gründe, warum Frauen rein statistisch gesehen ein geringeres Einkommen haben. In sogenannten Frauenberufen wie in Pflege, Kinderbetreuung oder im Friseurhandwerk liegen die Löhne notorisch niedrig. Wenn ein Paar Kinder bekommt, unterbrechen Frauen häufiger als Männer ihre Berufstätigkeit und sie arbeiten auch öfter in Teilzeit. Außerdem gibt es in gut bezahlten Führungspositionen noch immer viel zu wenige Frauen. Aber selbst wenn man all diese Faktoren abzieht, bleibt statistisch eine Lohnlücke von 7 Prozent. Auch für gleiche Arbeit bekommen Frauen weniger Geld als Männer. Das ist absurd, denn Frauen leisten genauso viel und haben dafür auch genauso viel Geld verdient.

In den Köpfen muss sich etwas ändern

Um endlich Lohngerechtigkeit zu schaffen, muss Schluss damit sein, Tätigkeiten, die als Frauenberufe wahrgenommen werden, schlechter zu bewerten. Dazu muss sich auch in den Köpfen etwas ändern. Viel zu viele hängen offenbar noch immer der Vorstellung an, dass ein Mann mit seinem Gehalt eine Familie zu versorgen hat, während die Frau lediglich ein Zubrot fürs Haushaltseinkommen verdient. Wir brauchen auch mehr Fairness, wenn es darum geht, Beruf und Familienarbeit miteinander zu verbinden. Es ist gut, dass immer mehr Paare das gerecht untereinander aufteilen. Unternehmen sollten das auch fördern. Erste Anwaltskanzleien legen inzwischen ihren männlichen Mitarbeitern, die Väter werden, eine Elternzeit ausdrücklich nahe – mit Blick auf die Chancengleichheit ihrer weiblichen Kollegen. Das ist ein guter Weg, damit Frauen beim Aufstieg keine Nachteile haben.

Die Politik hat in jüngster Zeit eine Menge für mehr Lohngerechtigkeit getan. Der gesetzliche Mindestlohn kommt vielen Frauen zugute, die in niedrig bezahlten Berufen arbeiten. Durch den Ausbau von Kitas, durch das Elterngeld Plus und das neue Pflegeunterstützungsgeld lassen sich Familie und Beruf besser unter einen Hut bekommen, und von der Frauenquote für Führungspositionen profitieren nicht nur die Frauen, die selbst in Chefetagen einziehen, sondern sie werden auch neue Rollenvorbilder schaffen und dadurch erst in den Köpfen vieler Männer und dann in den Portemonnaies vieler Frauen etwas verändern.

"Ich finde das peinlich"

Den nächsten großen Schritt für mehr Lohngerechtigkeit bereitet Familienministerin Manuela Schwesig gerade vor: ein Gesetz, wonach die Unternehmen offenlegen müssen, anhand welcher Kriterien sie Löhne festlegen. Außerdem sollen Frauen einen Anspruch darauf haben, vom Chef zu erfahren, wie männliche Kollegen bezahlt werden. Bislang hängt es nämlich allein vom Zufall ab, ob eine Frau erfährt, dass ihr Betrieb Frauen bei der Bezahlung ungerecht behandelt.

Dieses Gesetz haben wir im Koalitionsvertrag verabredet, und Manuela Schwesig hat für dieses Projekt nicht nur die Unterstützung von Frauen verdient. Aber ich bin mir sicher: So wie bei der Frauenquote für Führungspositionen werden auch diesmal wieder alte Männer und männlich dominierte Lobbyverbände behaupten, dass das alles angeblich gar nicht geht. Ich finde das peinlich. Wir leben nicht mehr im Biedermeier, sondern im 21. Jahrhundert. In den USA wird vielleicht schon bald eine Frau in das mächtigste Amt der Welt gewählt. Ungleiche Bezahlung für Frauen passt einfach nicht mehr in unsere Zeit.

Seit 1994 steht im Grundgesetz auch der Satz: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Diesen Auftrag sollten wir ernst nehmen und alles dafür tun, damit Lohngerechtigkeit und der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" endlich Wirklichkeit werden.

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