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Bundespräsident Wulff erinnert an Mauerbau vor 50 Jahren

Freiheit ist unbesiegbar Bundespräsident Wulff erinnert an Mauerbau vor 50 Jahren

Punkt zwölf bleiben die Berliner S- und U-Bahnen stehen, auch Busse fahren nicht mehr. Am ehemaligen Todesstreifen in der Bernauer Straße sind Kirchenglocken zu hören. Sonst herrscht Stille. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Christian Wulff stehen mit gesenkten Häuptern vor Blumenkränzen für die Opfer der Mauer, die am 13. August vor 50 Jahren gebaut wurde.

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„Noch mehr wirkliche Freiheit anstreben“: Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff am Sonnabend bei der Gedenkveranstaltung zum Mauerbau.

Quelle: dpa

Berlin. Wenige Meter entfernt schweigen einige Tausend Zuschauer, die neben Prominenten aus Politik und Gesellschaft zum früheren Grenzstreifen gekommen sind.

Dort, an der heutigen Gedenkstätte Berliner Mauer, hatten sich 1961 dramatische, herzzerreißende Szenen abgespielt. Die Häuser gehörten zum Osten, der Bürgersteig lag im Westen. Menschen sprangen aus den Fenstern – oft nicht in die Freiheit, sondern in den Tod. Gut 200 Meter Originalteile der Mauer sind erhalten geblieben. Dazu Fundamente abgerissener Häuser, Eingänge zu Fluchttunneln, Wachtürme. Bund, Land und EU haben die Erinnerungslandschaft unter freiem Himmel mit 28 Millionen Euro bezuschusst. Bis 2012 soll alles fertig sein.

Das Gebiet ist fast ein wenig klein für die vielen Zuschauer. Die Konsequenz, die die Sicherheitsbehörden daraus ziehen, ist im doppelten Sinne grenzwertig: Dort, wo rostige Stahlpfeiler an die Mauer erinnern, verläuft nun auch die Absperrung für das Publikum: übertreten verboten. Sicherheitspersonal und Polizei passen auf, dass niemand den geladenen Gästen zu nahe kommt. Eine Situation, die nicht nur Roland Jahn irritiert, den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. „Ich finde es schade, dass die Menschen keinen freien Zugang hatten“, sagt er am Rande der Gedenkfeier. „So eine Veranstaltung darf nicht nur Staatsakt sein für die Repräsentanten. Es geht auch um die Menschen.“

Manfred Klein ist dennoch zufrieden. Der gebürtige Ostberliner hatte vor 50 Jahren mehr Glück als viele Flüchtlinge, an die heute erinnert wird. „Ich bin acht Tage vor dem 13. August nach Westberlin geflüchtet.“ Heute sei es wichtig, das Gedenken an die Opfer nicht nur im Kopf zu tragen, sondern auch in der Seele.

Bundespräsident Wulff sieht dies ähnlich: „Das Menschenrecht der Freiheit selbst erkämpft zu haben – das ist das große Geschenk der Deutschen aus der DDR an die Geschichte unseres Landes“, sagt er. Gleichzeitig findet Wulff klare Worte für das begangene Unrecht. „Wir denken an das Leid, das ungezählten Frauen, Männern und Kindern zugefügt wurde – an der Mauer und innerhalb der unmenschlichen Grenzen des SED-Unrechtsstaates.“ Die Mauer habe vielen als unveränderbar erschienen. „Aber einmal mehr hat sich gezeigt: Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar. Keine Mauer widersteht dauerhaft dem Willen zur Freiheit“, sagt Wulff. Außerdem mahnte er, „noch mehr wirkliche Freiheit“ anzustreben. Dazu gehöre es, Zuwanderer besser zu integrieren. „Die Erinnerung an die Leben erstickende Mauer mahnt uns, die Offenheit unserer heutigen Welt und die Präsenz des Fremden in ihr auszuhalten, auch wenn es häufig anstrengend sein mag“, sagt das Staatsoberhaupt.

Als die Gedenkfeier vorbei ist, dürfen auch die Zaungäste hinter die Absperrung auf die grüne Wiese, die einmal der Todesstreifen war. Ein kleiner Junge schlüpft zwischen den rostigen Stahlpfeilern hindurch, die an die Mauer erinnern soll. Stolz ruft er zu seinem Vater: „Guck mal Papa, ich bin durchgebrochen.“

Maja Heinrich

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Wulff: Freiheit unbesiegbar
Foto: Ein Grenzsäule der DDR steht an einem letzten Stück Mauer der einstigen Grenzsicherungsanlage im Deutsch-Deutschen Museum im vogtländischen Mödlareuth.

Der einstige Todesstreifen an der Bernauer Straße in Berlin ist ein Ort des Gedenkens geworden. Reste der Mauer und andere Spuren des mörderischen DDR-Grenzregimes sind zu sehen. Hier gedenkt am Samstag auch Bundespräsident Wulff des Mauerbaus vor 50 Jahren.

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