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Bundeswehr meldet großen Zulauf

Nachwuchskräfte Bundeswehr meldet großen Zulauf

Freiwillige vor: Das Aussetzen der Wehrpflicht hat bei der Bundeswehr keinen Nachwuchsmangel verursacht. Seit Jahresbeginn haben sich bereits 10.000 Freiwillige für den Dienst als Soldat gemeldet. Möglicherweise zeigt die Prämienregelung Wirkung.

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Über Nachwuchsmangel kann sich die Bundeswehr trotz Aussetzen der Wehrpflicht nicht beklagen.

Quelle: Martin Schutt

Berlin. Allen Befürchtungen zum Trotz: Bei der Bundeswehr gibt es auch nach dem Aussetzen der Wehrpflicht keinen Mangel an Nachwuchskräften. Wie das Verteidigungsministerium am Donnerstag auf Anfrage mitteilte, sind seit Jahresbeginn bereits 10.000 junge Leute eingestellt worden, die freiwillig Wehrdienst leisten möchten. Davon rückten 5500 für bis zu 23 Monate in die Kasernen ein, ohne die Bundeswehr bis dahin von innen kennengelernt zu haben. Die übrigen 4500 entschlossen sich, über den sechsmonatigen Grundwehrdienst hinaus in der Armee zu bleiben.

Die Bundeswehrführung vermutet, dass die zum 1. Januar rückwirkend in Kraft getretene Prämienregelung Wirkung gezeigt hat. Wer länger als sechs Monate in der Armee bleibt, bekommt dann für jeden Monat eine steuerfreie Zulage von 100 Euro. Maximal sind dies 1700 Euro, denn nach spätestens 23 Monaten endet der freiwillige Wehrdienst.

Auch bei der Gewinnung von Zeitsoldaten, die meist für mindestens vier Jahre eingestellt werden, kommt die Bundeswehr offenbar voran. „Das läuft überraschend gut“, hieß es gestern im Verteidigungsministerium, der Jahresbedarf sei bereits zu 68 Prozent gedeckt. Zeitsoldaten im Bereich der meist gering bezahlten Mannschaftsdienstgrade bekommen pro Monat in der Truppe eine steuerpflichtige Prämie von 125 Euro als Zuschlag zum regulären Gehalt.

Ab Juli nur noch Freiwillige

Die letzten Wehrpflichtigen verlassen Ende dieses Monats die Bundeswehr. Künftig stellt die Armee nur noch Freiwillige ein, das nächste Mal zum 1. Juli und zum 1. Oktober. Aktuell verfügt die Bundeswehr über 220.000 Soldaten, davon sind 23.000 freiwillig Wehrdienstleistende. In der Bundeswehr der Zukunft soll es nur noch 170.000 Zeit- und Berufssoldaten geben. Hinzu kommen jährlich mindestens 5000 Freiwillige und etwa 2500 Reservisten.

Weil die Reform dazu führen soll, dass künftig mehr Zeit- und weniger Berufssoldaten in der Bundeswehr tätig sind, befürchtet der Deutsche Bundeswehrverband, dass immer mehr Männer und Frauen das ihnen versprochene Laufbahnziel nicht erreichen werden und sich deshalb mit niedrigeren Ruhestandsbezügen abfinden müssen. Diese Perspektive schmälere die Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr und sei deshalb nicht akzeptabel, mahnt die Interessenvertretung der Soldaten.

Im Zuge der eingeleiteten Neustrukturierung werden die Kreiswehrersatz­ämter abgeschafft und durch Zentren für Nachwuchsgewinnung ersetzt. Wie viele davon geschaffen werden, ist offen, es dürften nicht mehr als 20 sein. Nach den Vorstellungen des Ministeriums sollen die Mitarbeiter dieser Behörden überall im Land aktiv werden, auch in Sportvereinen und Jugendzentren, um Nachwuchskräfte für die Truppe zu gewinnen. Anders könne die Bundeswehr ihre Sollstärke nicht erreichen und im Wettbewerb mit der freien Wirtschaft nicht bestehen, heißt es in Berlin.

Bei den zivilen Mitarbeitern der Bundeswehr führt die geplante Reduzierung der Dienstposten von jetzt 76.000 auf künftig 55.000 zu besonderen Schwierigkeiten und persönlichen Härten. Vor allem aber trägt der seit Jahren bestehende Einstellungsstopp dazu bei, dass das Durchschnittsalter (derzeit schon bei über 50 Jahren) kontinuierlich steigt und die Leistungsfähigkeit schrumpft.

Übrigens stellt die Aussetzung der Wehrpflicht die Offizierskasinos und andere Betreuungseinrichtungen vor besondere Herausforderungen: Ihnen fehlen demnächst die jungen Soldaten, die seit Jahrzehnten als Ordonnanzen für eine kostengünstige Versorgung mit Speisen und Getränken eingesetzt waren.

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