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Der Tod eines rasanten Aufsteigers

CDU-Politiker Philipp Mißfelder ist gestorben Der Tod eines rasanten Aufsteigers

Philipp Mißfelder, einer der hoffnungsvollen jüngeren Politiker der CDU, hatte nie zu wenig Feinde. Er trat machtbewusst und ehrgeizig auf, ließ sein Umfeld nie im Unklaren darüber, dass er selbst nach oben will – zielstrebig, auch gegen Widerstände. In der Nacht zu Montag ist er mit 35 Jahren an einer Lungenembolie gestorben.

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Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder ist mit 35 Jahren gestorben.

Quelle: dpa

Berlin. In der Nacht zu Montag starb der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Recklinghausen, laut offizieller Mitteilung an einer Lungenembolie. Er wurde nur 35 Jahre alt. Viele politische Beobachter, die bis vorgestern eine Vorhersage über die wichtigsten Akteure in der Bundesrepublik des Jahres 2030 hätten treffen sollen, hätten sicher gleich zu Beginn seinen Namen erwähnt. Nicht, dass ihnen Mißfelder sonderlich sympathisch gewesen wäre – aber er war einer, dem man einen Erfolg unbedingt zutraute. Einerseits war er bestens vernetzt, hatte wichtige Freunde in vielen Positionen. Andererseits wirkte er nie so, als sei er zart beseitet. Er konnte Niederlagen und Kritik anscheinend gut wegstecken. Gegenwind hat ihn nie davon abgehalten, immer wieder neu in Debatten einzugreifen.

Mißfelder wurde 1979 in Gelsenkirchen geboren, er wuchs in Bochum-Wattenscheid auf. Sein Vater war Stahlfacharbeiter. Später sagte er, zu seinen Großeltern immer einen besseren Draht gehabt zu haben als zu seinen Eltern. Recht früh schon wurde die Politik für ihn eine Heimat, eine Lebensaufgabe. Nach dem Abitur 1999 kam der Wehrdienst, dann ein Jura-Studium, von dem er 2003 in das Fach Geschichte wechselte – in Berlin, der Hauptstadt. Als er 2005 das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde, hatte er noch keinen Uni-Abschluss. Den holte er dann 2008 nach. Damals war er schon sechs Jahre lang Bundesvorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation „Junge Union“ (JU), einer Vereinigung, der Mißfelder schon seit 1993 angehörte, seit seinem 14. Lebensjahr. Politik wurde seine Leidenschaft, und der Erfolg gab ihm Recht.

Kaum ein JU-Vorsitzender war so bekannt

Vor ihm hatte die JU viele Vorsitzende, kaum einer war so bekannt wie er. Denn Mißfelder konnte sich im Gespräch halten. Die Begeisterung für Helmut Kohl, für den Politik immer ähnlich wichtig war, führte ihn in die CDU. Es ist auch maßgeblich auf Mißfelder zurückzuführen, dass Bundesdelegiertentage des CDU-Nachwuchses zu wahren Jubelfeiern für mehrere konservative Politiker wurden: Zuallererst für Kohl, den „Kanzler der Einheit“, dann für den einstigen CDU-Bundestagsfraktionschef Friedrich Merz. Aber auch Karl-Theodor zu Guttenberg, ein anderer Unionspolitiker mit großer Ausstrahlung, wurde von ihm sehr geschätzt. Angela Merkel hingegen, die kühle Machtstrategin aus der Uckermark, blieb immer auf Distanz zu Mißfelder – und er zu ihr.

Mißfelder, der selbsternannte Machtpolitiker, betrachtete Merkel, die Inhaberin der Macht, immer sehr genau – aber wirklich gefördert wurde er von ihr nicht.Solange er JU-Chef war, bis 2014, gehörte er auch dem CDU-Präsidium an, danach nicht mehr. Seine Zeit als Koordinator der transatlantischen Zusammenarbeit endete 2014 ebenfalls sehr schnell, nach nur wenigen Monaten. Er trat zurück, um künftig stärker in der Parteiarbeit zu wirken, hieß es. Gemutmaßt wurde, ob womöglich die für diesen Job notwendige Nähe zur Machtzentrale des Kanzleramtes nicht das Richtige für ihn war – für einen wie ihn, dem diplomatischer Feinschliff eigentlich nicht liegt. Mißfelder wollte sich ja anpassen, nicht mehr so oft anecken wie früher – seinem Naturell jedoch entsprach das nicht.Unvergessen bleibt seine Aussage zur Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems im Jahr 2003.

Sturm der Entrüstung nach Diskussion über Hüftgelenke

„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen“, hatte er keck gesagt – und über Wochen einen Sturm der Entrüstung erzeugt. Noch Jahre später stellte er sich lächelnd als „Ich bin der mit der Hüfte“ vor, ganz so, als könne er scherzhaft mit dem umgehen, was ihm widerfahren war. Doch für Mißfelder, der auch Morddrohungen bekam, war es auch ein Dilemma. Jeder wusste nun: Hier ist einer, der Klartext redet.

Journalisten standen bei ihm Schlange, erwarteten neue knackige Zitate. 2009 wandte er sich gegen die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes, da dies ohnehin nur ein „Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie“ sei. Wieder folgte eine Empörungswelle.Solche Sätze machten ihn immer bekannter – und immer mehr zum Ziel von Anfeindungen. Immer weniger bot sich für ihn, der so gut zuspitzen konnte, die Chance, dem politischen Geschäft noch zu entfliehen. Kein Politiker habe in der CDU so schnell Karriere gemacht wie er, schrieb der „Spiegel“ vor sechs Jahren. Auch das war eine Zumutung für viele, nicht zuletzt auch für ihn selbst.Die Karriere hatte zuletzt einen Knick bekommen. Er wurde außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion – aber wäre, nach all dem, was vorher war, nicht mehr drin gewesen? 2014 nahm er an der Geburtstagsfeier für Alt-Kanzler Gerhard Schröder in St. Petersburg teil, ein Fest, das Wladimir Putin und Gazprom ausgerichtet hatten. Spätestens jetzt schauten ihn, den früheren Aufsteiger, viele Weggefährten schräg an: Auf welche Abwege ist denn der geraten?

Erst kürzlich ist Mißfelder nach längerer Abwesenheit wieder im politischen Berlin aufgetaucht. Nach einem schweren Treppensturz habe er zehn Wochen aussetzen müssen, teilte er mit. Sein Tod kommt nun für alle überraschend. Ausgerechnet Mißfelder, der Nimmermüde. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

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