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CDU will die Großstädte zurückerobern

Neue Initiative CDU will die Großstädte zurückerobern

Junge Parlamentarier suchen die frechere CDU. Besonders in den deutschen Großstädten will sich die Partei wieder stärker etablieren.

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Die CDU sucht einen Weg zurück in die Großstädte.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Anfang der Woche spielten sich in den Berliner Bezirken geradezu rührende Szenen ab. Mitten im strömenden Regen hängten CDU-Anhänger unzählige Plakate ihrer Kandidaten an Straßenlaternen, Bäumen und eigens dafür ausgewiesenen Hauswänden auf. Die jungen Leute, zumeist Mitglieder der Jungen Union, ließen sich selbst von Wolkenbrüchen nicht abhalten, um für die Mannschaft von Frank Henkel zu werben. Ein Einsatz, der angesichts der schlechten Umfragewerte wirklich bemerkenswert ist. Meinungsforscher sehen die Hauptstadt-Union zwar im Aufwind. Gleichwohl verharren die Christdemokraten fast verschämt auf dem dritten Platz hinter den Sozialdemokraten und den Grünen.

Der Einsatz könnte sich für die gebeutelte Berliner CDU dennoch lohnen. Denn im Gegensatz zu früheren Wahljahren findet sie endlich mehr Gehör in ihrer Bundespartei. Es ist offensichtlich: Die Großstädter sollen nicht länger die Stiefkinder des konservativ-liberalen Lagers sein.

Stefan Mappus, Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident, hatte in seinem Wahlkampf noch die Losung ausgegeben, sich auf die ländlichen Regionen zu konzentrieren und die bunten Metropolen links liegen zu lassen. Nach seiner krachenden Niederlage ist es mit dieser überholten Strategie erst einmal vorbei, zumal auch für Bremen und Hamburg neue Antworten gefunden werden müssen.

Eine Gruppe junger Bundestagsabgeordneter macht sich in diesen Tagen auf den Weg, die Union auch für bekennende Großstädter wieder wählbar zu machen. „Die CDU muss die Menschen in den Metropolen anders ansprechen, muss andere Ideen haben als auf dem Land“, hat der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer gesagt. Er will einen Parlamentarierkreis gründen, der mit CDU-Bundestagsabgeordneten aus Kommunen mit mehr als 500.000 Einwohnern darüber ins Gespräch kommen soll, wie sich die CDU in Großstädten besser aufstellen kann. Es verlange spezielle Antworten, da Metropolen eine extreme Fluktuation erleben würden. Statistisch gesehen werde beispielsweise die Bevölkerung in seiner Heimatstadt innerhalb von 15 Jahren vollständig ausgetauscht. Diese starken Zu- und Abwanderungen würden dazu führen, dass es keine engen Milieubindungen mehr gebe.

So könnten Politiker aus ländlichen Regionen mit ihren Wählern auf traditionellen Volksfesten problemlos ins Gespräch kommen. „Aber wie kann ich in einer schnelllebigen Stadt diese Kontakte pflegen?“, fragt sich Zimmer. Der neue Parlamentarierkreis soll zunächst ganz praktisch an diese Fragen herangehen: Wie soll sich die Union positionieren, wenn in einem Stadtteil in kürzester Zeit unzählige Spielhallen aus dem Boden schießen? Oder: Wie soll man mit schwer kranken Drogenabhängigen umgehen? Gelungene Antworten gebe zum Beispiel die langjährige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU).

Traditionelle Kompetenzen wie Wirtschaft, Familie, Finanzen und Sicherheit müssten mit neuen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und Integrationsfragen kombiniert werden, sagt der Hamburger CDU-Landeschef Marcus Weinberg im „Hamburger Abendblatt“. Auch er gehört dem informellen Kreis an. Die CDU müsse das Lebensgefühl der Bürgerlichen in großen Städten erreichen. Die Christdemokraten hatten jüngst bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg im Vergleich zur Wahl von 2008 mehr als 20 Prozentpunkte eingebüßt. Bei der Wahl in Bremen verlor die Partei ebenfalls deutlich und fiel noch hinter die Grünen zurück.

Ob in Berlin Ähnliches bevorsteht? Die Union will klare Kante zeigen und sich als Law-and-Order-Partei positionieren. Sicherheit ist für Henkel ein großes Thema. „Die Menschen haben angesichts brennender Autos und brutaler Übergriffe in U-Bahnen ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Dafür steht die CDU. Wir sind die einzige bürgerliche Alternative zu den drei linken Parteien in der Stadt“, sagte der Spitzenkandidat dieser Zeitung.

Henkel ist gebürtiger Ostberliner und gilt als ehrliche Haut. Allerdings ist der 47-Jährige vielen Wählern eher unbekannt. Ein Manko, dass sich in den verbleibenden sechs Wochen wohl nur schwer aufholen lässt, zumal sich viele Neuberliner nicht allzu sehr für lokale Politik interessieren. Wer aus Westdeutschland stammt und sich gezielt in Friedrichshain, Prenzlauer Berg oder Schöneberg niederlässt, hat so manche frühere Bindung oder Parteipräferenz hinter sich gelassen.

Henkel gibt sich dennoch selbstbewusst: „Die These, dass die CDU das Lebensgefühl der Großstadt nicht trifft, ist falsch. Auch in Berlin gibt es starke Hochburgen der Union. Berlin ist mehr als nur Kreuzberg.“ Henkels Parteifreund Zimmer fordert dagegen eine vorsichtige Öffnung ein: „In den Städten sollte die Union frecher sein und sich auch neuen Themen zuwenden. Das würde man uns honorieren.“

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