Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Türkei: Zahl der Toten steigt auf 265

Putschversuch des Militärs Türkei: Zahl der Toten steigt auf 265

In der Türkei haben Streitkräfte versucht, die Macht zu übernehmen und Präsident Erdogan zu stürzen. Am Sonnabendmittag erklärte die Regierung, sie habe den Putsch abgewendet. Rund 2800 Putschisten seien festgenommen worden. Die Zahl der Toten stieg auf über 260.

Voriger Artikel
Was wir über den Putschversuch wissen
Nächster Artikel
Wer war der Angreifer von Nizza?

Putschversuch in der Türkei: Polizisten nehmen einen Putschisten fest.

Quelle: dpa

Istanbul. Die Ereignisse im Überblick: 

  • In der Türkei hatten Teile des Militärs am Freitagabend einen Putschversuch gestartet.
  • Nach stundenlangen Auseinandersetzungen zwischen Putschisten und regierungstreuen Kräften wurde der Übernahmeversuch niedergeschlagen.
  • Ministerpräsident Binali Yildirim sagte Sonnabendmittag: "Wir haben die vollständige Kontrolle."
  • Staatspräsident Erdogan hatte in der Nacht das Volk zum Widerstand gegen das Militär aufgerufen - viele Menschen folgten dem Aufruf.
  • Am frühen Morgen landete Erdogan in Istanbul und kündigte harte Strafen für die Putschisten an.
  • Mittlerweile wird die Zahl der Toten mit mindestens 265 angegeben. 

Fragen und Antworten: Was wir über den Putschversuch wissen.

Der gescheiterte Putschversuch von Teilen der Armee in der Türkei hat nach offiziellen Angaben des Militärs mindestens 265 Menschen das Leben gekostet. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es am Samstag aus Regierungskreisen hieß. Yildirim sagte, 1140 Menschen seien verletzt und 2839 Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen worden. Die Festnahmen dauerten an. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich bereits nach einer chaotischen Nacht am Samstagmorgen in Istanbul siegesgewiss gezeigt: "Die Türkei wird nicht vom Militär regiert", sagte er und kündigte an, das Militär "vollständig zu säubern". .

Regierungschef Yildirim dankte denjenigen, die sich den Putschisten entgegengestellt hatten. Yildirim bezeichnete sie als Märtyrer. Die Teilnehmer des Umsturzversuchs dagegen seien Verräter. Er verglich sie mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Erdogan: "Aufstand einer Minderheit in der Armee"

Der Putschversuch von Soldaten hat in der Nacht zum Samstag Gewalt und Chaos in die Türkei gebracht. Eine Gruppe von Militärs verkündete am Freitagabend die Übernahme der Macht, in Ankara und Istanbul kam es zu schweren Gefechten. Ein „Rat für den Frieden im Land“ verkündete am Freitagabend im Fernsehen, die Armee habe „die Macht im Land in ihrer Gesamtheit übernommen“. Damit sollten „die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie, die Menschenrechte und die Freiheiten“ im Land gewährleistet werden, hieß es in der Erklärung. Die Putschisten riefen das Kriegsrecht aus und verhängten eine Ausgangssperre.

Türkei im Ausnahmezustand: Teile des Militärs haben einen Putschversuch gestartet.

Zur Bildergalerie

Präsident Erdogan sprach von einem „Aufstand einer Minderheit in der Armee“ und kündigte „sehr starke Gegenmaßnahmen“ an. Der Staatschef rief seine Anhänger zu Gegendemonstrationen auf. In der Hauptstadt Ankara sowie in Istanbul und Izmir folgten zahlreiche Menschen dem Aufruf, an einigen Orten waren mehr Demonstranten zu sehen als Putsch-Soldaten. 

An einer der beiden teilweise gesperrten Bosporus-Brücken in Istanbul eröffneten Soldaten das Feuer auf demonstrierende Regierungsanhänger. Ein AFP-Fotograf sah Dutzende Verletzte. Auch auf dem Taksim-Platz schossen Soldaten auf Gegner des Putschversuchs, hier gab es ebenfalls Verletzte. Proteste von Erdogan-Anhängern gab es am Atatürk-Flughafen.

Kampfflugzeuge über Ankara

Im Zentrum von Ankara waren heftige Explosionen und Schüsse zu hören, während Kampfflugzeuge und Militärhelikopter über der Stadt kreisten. Medienberichten zufolge wurde das Parlament aus der Luft angegriffen. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu wurden dabei 17 Polizisten getötet. Ministerpräsident Binali Yildirim wies die regierungstreuen Streitkräfte an, die Flugzeuge und Hubschrauber in den Händen der Putschisten abzuschießen. Yildirim sagte, die Lage sei wieder „weitgehend unter Kontrolle“. Er sprach von einem „idiotischen“ Versuch, der „zum Scheitern verurteilt“ gewesen sei. Jedoch waren in den frühen Morgenstunden weiterhin vereinzelte Feuergefechte in Ankara und Istanbul zu hören. Regierungstreue Kampfjets schossen ein von Putschisten gekapertes Kampfflugzeug ab. Am Samstagmorgen griffen Kampfjets Panzer der Putschisten an, die am Präsidentenpalast in Ankara aufgefahren waren.

Erdogan hielt sich zu dem Zeitpunkt bereits in Istanbul auf. Er hatte seinen Urlaub am Mittelmeer abgebrochen und landete am frühen Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in der Bosporus-Metropole, wo er von jubelnden Anhängern empfangen wurde. Der Staatschef warf den Putschisten vor, kurz nach seiner Abreise sein Hotel in Marmaris bombardiert zu haben. Erdogan machte die Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putsch verantwortlich und drohte, sie würden „einen hohen Preis für diesen Verrat zahlen“. 

Gülen verurteilt Putschversuch

Gülen ist ein einstiger Verbündeter Erdogans. Beide haben sich aber 2013 überworfen. Gülen – der in der Türkei inzwischen als Terrorist gilt – verurteilte den Putschversuch auf das Schärfste. Eine Regierung müsse durch freie und faire Wahlen an die Macht kommen, nicht durch Gewalt, hieß es in einer Mitteilung.

Generalstabschef als Geisel genommen

Der Generalstabschef Hulusi Akar wurde laut Medienberichten von den Putschisten als Geisel genommen. Später meldete der Sender CNN-Türk, Akar sei von Sicherheitskräften befreit und an einen sicheren Ort gebracht worden.
Auf einer Bosporus-Brücke in Istanbul ergaben sich dutzende Putschisten, die zuvor die Brücke unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Sie ließen sich mit erhobenen Händen festnehmen. Außerdem ergaben sich laut Anadolu fast 200 Putschisten, die sich im Hauptquartier der Streitkräfte verschanzt hatten. Spezialkräfte sicherten das Gelände.

Landesweit wurden 1563 Armeeangehörige festgenommen, wie ein Regierungsvertreter sagte. Das türkische Parlament kam am Morgen zu einer Sondersitzung zusammen. Diese wurde live im Fernsehen übertragen.
International wurde der Putschversuch scharf verurteilt. US-Präsident Barack Obama stellte sich hinter Erdogan und rief zur Unterstützung der demokratisch gewählten Regierung auf. Er appellierte an alle Seiten, „Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden“. Die Bundesregierung sicherte der Regierung ihre „Unterstützung“ zu. „Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Putsch-Gegner demonstrieren

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die schnelle und friedliche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung. Die EU-Führung betonte in einer gemeinsamen Erklärung, sie unterstütze uneingeschränkt die demokratisch gewählte Regierung, die Institutionen und die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei.

Im Istanbuler Stadtteil Tophane waren Dutzende Gegner des Putsches auf die Straße gegangen. Ein dpa-Reporter berichtete am frühen Samstagmorgen, die Menge habe unter anderem "Gott ist groß" und "Nein zum Putsch" gerufen. Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigten Live-Bilder aus der Stadt: Menschen strömten in Massen auf die Straße und schwenkten türkische Fahnen.

Demonstrationen auch in Deutschland

Mehrere Fluggesellschaften strichen ihre Türkei-Flüge. Die Lufthansa, Eurowings und Air Berlin sagten in der Nacht zu Samstag Flüge aus dem Land und in das Land hinein ab. "Wir werden bis morgen Mittag 12 Uhr alle Verbindungen von und in die Türkei streichen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. "Danach werden wir sehen, wie sich die Lage weiterentwickelt."

In den türkischen Ferienzentren war die Lage nach Angaben der Tui ruhig. Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte die Urlauber auf, "vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben". In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben rund 3000 Demonstranten vor der türkischen Botschaft und protestierten überwiegend gegen den Putschversuch in der Türkei. Auch in Hannover versammelten sich spontan Hunderte.

Nach dem Putsch in der Türkei haben sich in Hannover hunderte Menschen versammelt, um ihre Solidarität mit der demokratisch gewählten Regierung zu bekunden

Zur Bildergalerie

dpa/RND/frs/afp

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Fragen und Antworten
Türkei-Urlauber am Flughafen Düsseldorf.

Erst die Anschläge, nun ein Putschversuch: Mitten in der touristischen Hochsaison kommt die Türkei nicht zur Ruhe. Wie sollten Urlauber jetzt reagieren? Eine Übersicht mit allen wichtigen Fragen und Antworten.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.