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China plant Mega-Stadt mit 130 Millionen Einwohnern

Modern oder größenwahnsinnig China plant Mega-Stadt mit 130 Millionen Einwohnern

Peking soll mit dem Umland verschmelzen. Der Plan sieht die Entstehung eine gigantischen Metropole mit 130 Millionen Einwohnern vor. Doch das schafft vermutlich auch gigantische Verkehrsprobleme.

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Modern oder größenwahnsinnig: Peking soll noch viel, viel größer werden.Foto: dpa

Quelle: Angelika Warmuth

Peking. Wer sich noch an Chinas Hauptstadt vor 25 Jahren erinnert, dem wird sie im Vergleich zu heute wie ein Dorf vorkommen. Zwar zählte Peking schon da knapp sechs Millionen Einwohner. Doch nicht weit über den östlichen dritten Ring hinaus hörte das urbane Stadtgebiet schon auf. Dahinter gab es nur noch Felder, landwirtschaftliche Betriebe und vereinzelt ein paar Siedlungen und Fabriken. Heute zählt der Ballungsraum mehr als 20 Millionen Einwohner, riesige Hochhaussiedlungen erstrecken sich bis zum sechsten Ring. Das wirkt gigantisch.

Nun soll alles noch größer werden. Geht es nach dem Willen der chinesischen Führung, wird Peking bis spätestens 2030 mit der benachbarten Hafenmetropole Tianjin und der umliegenden Provinz Hebei zu einem einzigen riesigen Ballungsraum zusammenwachsen. Jingjinji soll die Megametropole heißen und auf fast 215 000 Quadratkilometer - das ist fast die doppelte Fläche der früheren DDR - 130 Millionen Einwohner zählen. Diese Größenordnung entspricht der Bevölkerung der Staaten Deutschland, Schweiz, Österreich und Polen zusammen.

Der Prozess ist bereits im Gange. Um das dichte und von Autos völlig verstopfte Zentrum zu entlasten, hat die Pekinger Stadtverwaltung im Juli beschlossen, sämtliche ihrer Verwaltungseinheiten nach Tongzhou zu verlegen, einem bisher ländlich geprägten Vorort im Südosten der Hauptstadt. Auch Behörden, Krankenhäuser und Universitäten werden verstärkt ins Umland ausgelagert.

Pekings neuer Flughafen mit sieben Start- und Landebahnen, der bei seiner Vollendung ab 2017 mehr als 120 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen soll, entsteht ebenfalls - sehr weit vom derzeitigen Pekinger Stadtzentrum entfernt. Kurz vor der Vollendung steht der siebte Ring. Er ist fast 1000 Kilometer lang.

Die Entstehung von Ballungsräumen mit 50 Millionen Einwohnern und mehr sind für China keineswegs ein Novum. Das Perlflussdelta im Süden des Landes mit den Metropolen Shenzhen, Guangzhou und der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong wächst derzeit zu einer Metropolregion zusammen und zählt derzeit mehr als 40 Millionen Einwohner. Auch das Jangtse-Delta zwischen Shanghai und den umliegenden Großstädten Suzhou, Hangzhou, Wuxi bis hinauf nach Nanjing ist ein riesiger Ballungsraum mit Tausenden Hochhaussiedlungen und Industrieanlagen, verbunden über achtspurige Autobahnen und Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge. Das Jangtse-Delta zählt bereits um die 100 Millionen Einwohner.

Mit diesen beiden Ballungsräumen will die Hauptstadtregion Peking mithalten. Ein Erfolg dieses Plans ist auch nicht unwahrscheinlich. Neben Peking und der rund 100 Kilometer entfernten, 13 Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt Tianjin gibt es im Umland mit Baoding und Shijiazhuang zwei weitere Zehn-Millionen-Städte. Die umliegenden Städte Tangshan und Cangzhou zählen rund sieben Millionen Einwohner, Lancang, Chengde und Zhangjiakou jeweils vier Millionen. Zusammengenommen leben in dieser Region bereits mehr als 80 Millionen Menschen.

Bislang werden diese Städte jedoch weitgehend unabhängig voneinander verwaltet. Zhu Erjuan, Professor für Stadtplanung an der Hauptstadt-Universität für Wirtschaft und Finanzen in Peking, ist überzeugt: „Die Reorganisation der Region wird die Wettbewerbsvorteile der einzelnen Bereiche und zugleich die Zusammenarbeit in der Region fördern.“ Doch auch Skepsis ist angebracht. Um wirklich zu einem Raum zusammenzuwachsen, muss ein umfassendes Verkehrssystem die Städte untereinander verbinden. Bislang verkehrt nur zwischen Tianjin und Peking ein Hochgeschwindigkeitszug, der alle zehn Minuten fährt und für die rund 150 Kilometer eine halbe Stunde braucht.

Die Faustregel der Stadtplaner sagt: Der mögliche Durchmesser von Ballungsräumen ist auch bei Nutzung schneller Nahverkehrszüge auf ungefähr 100 Kilometer begrenzt, da die Fahrt von einem Punkt zum anderen nicht länger als eine Stunde dauern sollte. Genau hier stoßen die meisten existierenden Ballungsregionen dieser Welt an ihre Grenzen: Sie werden zu groß für ihre öffentlichen Verkehrsmittel; die Fahrzeit zwischen zwei Punkten dauert zu lange.Die chinesische Führung glaubt, dieses Problem mit ihren modernen Hochgeschwindigkeitszügen lösen zu können. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Stundenkilometern ließe sich der Radius der Mega-Metropole auf bis zu 500 Kilometer ausweiten. Den Bau von 27 zusätzlichen Hochgeschwindigkeitsverbindungen für die Region hat die Zentralregierung in Peking bereits beschlossen. Ein kühner Plan: Schließlich ist es etwas anderes, alle paar Kilometer einen Großbahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge ins Stadtgebiet zu setzen als eine S-Bahn-Station.

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