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Strittige Preisvergabe

China wirft Nobel-Komitee Respektlosigkeit vor


China bleibt in der hitzigen Diskussion über den diesjährigen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo hart. Die Entscheidung des Nobel-Komitees, den Preis an den Dissidenten zu vergeben, habe keinerlei Einfluss auf das politische System.
Für die Freilassung des neue Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo: Aktivisten in Hong Kong.

Für die Freilassung des neue Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo: Aktivisten in Hong Kong.

© afp

Das norwegische Gremium zeige zudem „keinen Respekt für Chinas Justiz“, sagte ein Regierungssprecher am Dienstag. Peking sagte aus Protest erneut ein Treffen mit einer norwegischen Ministerin ab.

Wer versuche, das chinesische System zu ändern, begehe einen „riesigen Fehler“, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums vor Journalisten in Peking. Viele Politiker nutzten die Entscheidung des Komitees, dem inhaftierten Oppositionellen den Friedensnobelpreis zuzuerkennen, „um China anzugreifen“, fügte Ma Zhaoxu hinzu. Indem die Regierung in Norwegen, wo das Nobel-Komitee tagt, diese „falsche Entscheidung“ unterstützte, habe sie sich dafür entschieden, „die bilateralen Beziehungen zu ruinieren“.

Peking hatte äußerst verärgert auf die am Freitag bekanntgegebene Entscheidung aus Oslo reagiert. Am Dienstag sagte Peking ein weiteres Treffen mit der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen mit Vertretern der chinesischen Lebensmittelkontrollbehörde ab. Der Termin war für Mittwoch vorgesehen. Zuvor hatte die chinesische Regierung bereits ein ebenfalls für Mittwoch geplantes Treffen von Berg-Hansen mit dem stellvertretenden chinesischen Fischereiminister annulliert. Berg-Hansen besucht derzeit in Shanghai die Weltausstellung.

Außerdem strichen die chinesischen Behörden die Aufführungen eines norwegischen Musicals, bei denen auch der letztjährige Gewinner des Eurovision Song Contest, der Norweger Alexander Rybak, auf der Bühne stehen sollte. Veranstalter Thomas Stanghelle zeigte sich im norwegischen Fernsehen “äußerst traurig“ über die Entscheidung. „Nach dem, was man uns gesagt hat, handelt es sich um eine Strafe nach der Vergabe des Friedensnobelpreises“, sagte Stanghelle.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte bei seinem China-Besuch, er habe in Gesprächen mit Regierungsvertretern deutlich gemacht, „dass die Bundesregierung die Verleihung des Nobelpreises an Liu Xiaobo begrüßt“. Die chinesische Seite habe klargemacht, dass sie diese Haltung nicht teile, sagte er in Peking. Er sei „in der Sache dafür, dass wir für Menschenrechte (... ) werben“. Es reiche aber nicht, das Thema „nur plakativ durch die Gegend“ zu tragen.

Der 54-Jährige Liu sitzt wegen Untergrabung der Staatsgewalt im Gefängnis. Seine Ehefrau und seine Anwälte erwägen nun einen Antrag auf ein Wiederaufnahmeverfahren. Die Bewegung der Tiananmen-Mütter, Angehörige der Opfer des Massakers vom 4. Juni 1989, forderten die chinesischen Behörden in einem offenen Brief zur Freilassung des Dissidenten auf.

afp

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