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Deutschland / Welt Christlicher Fundamentalismus und Rechtsextremismus vermischen sich
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21:31 25.07.2011
Quelle: dpa
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Zu den strengen Freikirchen und der traditionellen Pfingstlerbewegung gesellten sich in jüngster Zeit auch neue Gruppen mit jugendlicher Ausrichtung. Im Jahre 1997 rief zum Beispiel der Jugendpfarrer Stefan Christiansen in Oslo die „Jesus-Revolution“ aus und gründete eine „Jesus Revolution Army“, deren Anhänger sich als „Jesu Soldaten“ verstehen. Um sich bei Jugendlichen Gehör zu verschaffen, inszenieren die Missionare Großveranstaltungen mit Live-Musik, moderner Licht- und Lasertechnik und einstudierter Choreografie unter Bezeichnungen wie „The Battle of Europe“ (Die Schlacht um Europa). Dabei prangern sie Homosexualität und vorehelichen Sex als Sünde an und preisen die befreiende Kraft des bibelfesten Glaubens. Auch der Islam gehört zu den Feindbildern. Nach großen Erfolgen in Norwegen mühten sich die „Jesu Soldaten“, im übrigen Europa mit ihrem modernen Kreuzzug neue Anhänger zu gewinnen – auch in Deutschland.

In der rechten Szene werden rechtskonservative Erweckungsbewegungen dieser Art gemeinhin eher bespöttelt. Die Hetze gegen Muslime findet bei den Neonazis keine religiöse Begründung, sondern ist meist rassistisch motiviert. Ein christlicher Fundamentalist mit rechtsextremistischen Tendenzen wie Anders Breivik ist daher eine Ausnahmeerscheinung.

So fällt es den deutschen Neonazis auch nicht schwer, sich von dem Attentäter in Norwegen zu distanzieren. „Unfassbar, eine solche perverse Tat gegen das eigene Volk“, heißt es in einem Internetkommentar. Gleichzeitig klingt in rechten Internetportalen der Versuch an, den Massenmord zu rechtfertigen. „Ich kann nur teilweise verstehen, wie empört und ungläubig man sich über das Attentat äußert“, schreibt zum Beispiel ein Frank G. aus Franken in einem Kommentar der rechtsextremistischen Wochenzeitung „Junge Freiheit“. „In einem Bürgerkrieg bedeutet Kampf: Anschläge, Exekutionen, Sabotage sowie jede denkbare Form von Einschüchterung. Wenn es das alles nicht gibt, dann hat man keinen Krieg, sondern nur Jugendgewalt oder Integrationsprobleme.“

Und das „Nordische Hilfswerk“, ein Internetportal der Neonazi-Szene, wirbt um Verständnis für Breivik, indem es die vermeintliche Überfremdung in Oslo geißelt. „Dass eines Tages so was passiert, war zu erwarten, wie uns norwegische Freunde bestätigten“, heißt es da. „Die ehemaligen Arbeiterviertel Oslos sind heute massiv überfremdet und Herd für ausufernde Kriminalität.“

Dies sind durchaus keine Einzelstimmen. „Die Rechtsextremisten distanzieren sich zwar von dem Terrorakt, nicht aber von dem ideologischen Hintergrund“, sagt der Präsident des niedersächsischen Landesamts für Verfassungsschutz, Hans-Werner Wargel. „In Einzelstellungnahmen kommt klammheimliche Freude zum Ausdruck.“

Nebenbei wird deutlich, dass es an Kontakten zwischen deutschen und norwegischen Neonazis nicht mangelt. Man habe bei „Führungskameraden der norwegischen Bewegung“ angefragt, ob Breivik bekannt sei, ist auf der Seite des „Nordischen Hilfswerks“ zu lesen. Die Antwort sei negativ ausgefallen.

Gleichwohl ist unübersehbar, dass Breivik mit seinen wahnhaften Ideen in Europa nicht alleinsteht. Auch der norwegische Publizist Harald Stanghelle sieht zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Thesen des Attentäters und den Parolen der rechten Szene – über die unausweichliche Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen, über die Konspiration einer marxistisch-islamischen Allianz und deren Strategie, den Westen von Innen zu erobern, und dass man jetzt handeln müsse, weil es sonst unwiderruflich zu spät sei. „Das ist der Gedankengang, der hinter der ärgsten Untat steht, die Norwegen in Friedenszeiten erlebt hat“, schreibt Stanghelle in der konservativen „Aftenposten“. „Aber es bedarf nur ein paar Mausklicks, ehe man eine enorme Menge Websites, Blogs und Kommentare mit praktisch identischem Inhalt findet.“ In der rechtsextremen Webszene Norwegens wuchern schon neue Verschwörungstheorien: Dass Breivik in Wahrheit ein „Regimeagent“ sei – mit dem Auftrag, den „antiislamischen Kampf anzuschwärzen“, heißt es da.

Martin K., ein Blogger aus Hannover, ruft daher schon zur Gegenwehr auf. „Lasst euch nichts gefallen von diesen linken Hetzern“, schreibt der Mann. „Notfalls werde ich solchen Hetzern in aller Öffentlichkeit ins Gesicht spucken.“

Heinrich Thies, Hannes Gamillscheg

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