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Clintons verpatztes Wochenende

Lungenentzündung und Negativschlagzeilen Clintons verpatztes Wochenende

Das nennt man wohl eine Pechsträhne. Am Freitag zog Hillary Clinton mit einem verpatzten Auftritt unzählige Negativschlagzeilen auf sich, und am Sonntag erlitt sie vor laufenden Kameras einen Schwächeanfall. Ausgerechnet zur heißen Phase des Wahlkampfes fasst sie nicht so richtig Fuß.

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Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Quelle: Cristobal Herrera/dpa

Washington/New York. Eigentlich war es keine große Sache: Bereits am Vortrag war bei Clinton eine Lungenentzündung diagnostiziert worden. Dennoch jagte die 68-Jährige von einem Termin zum anderen und drohte schließlich bei der Gedenkveranstaltung zum 11. September 2001 in New York zu kollabieren - bei Außentemperaturen von immerhin 27 Grad.

Der Schwächeanfälle wäre vielleicht kein größeres Thema gewesen, würden nicht schon seit Jahren Gerüchte um ihren Gesundheitszustand kursieren - die wiederum von ihrem Mitbewerber Donald Trump kräftig befeuert wurden.

Wasser auf den Mühlen der Skeptiker kippte am Sonntag allerdings weniger Trump, als vielmehr David Scheiner. Der langjährige Arzt von Amtsinhaber Barack Obama ließ wissen: "Es geht um den wichtigsten Posten auf der Welt. Und wir haben nur zwei ältere Leute, die zur Auswahl stehen." Wenn man während der Amtszeit unendlich viel Zeit im Flugzeug verbringen müsse, sei es nun einmal ein Unterschied, ob man 68 oder 70 Jahre alt sei, oder 50. "Dann können schlechte Dinge geschehen", orakelt Scheiner.

Clinton löst Empörung aus

Tatsächlich berichteten US-Medien schon vor Jahren, dass bei Clinton seit Ende der neunziger Jahre mehrfach Blutgerinsel festgestellt worden seien und sie daher täglich Blutverdünnungsmittel nehmen müsse.

Schwerwiegendere Folgen dürfte für Clinton allerdings eher der Wahlkampfauftritt haben, den sie am Freitag vor einer New Yorker Gemeinschaft absolvierte, die die sexuellen Minderheiten repräsentiert. Es war nur eine kurze Bemerkung, ein dahin geworfener Halbsatz. Doch die US-Wahlkampagnen werden diese eine Aussage so schnell nicht vergessen: Clinton bezeichnete im Cipriani Club die Anhängerschaft von Donald Trump als kläglichen, bedauerlichen Haufen - und löst damit einen Sturm der Empörung aus.

Selbst wohlmeinende Beobachter fühlen sich an den Wendepunkt im Wahlkampf 2012 erinnert, als der damalige Herausforderer Mitt Romney bei einer internen Sponsorenveranstaltung von den 47 Prozent sprach, die von der öffentlichen Hand alimentiert werden und für seine Wahlkampagne ohnehin nicht zu erreichen seien. Dieser "47-Prozent-Moment" trug nicht unerheblich zu Romney's Niederlage bei.

Ein verhängnisvoller Patzer?

Unterlief nun auch Clinton ein ähnlich verhängnisvoller Patzer? Wörtlich hatte die Präsidentschaftskandidaten vor Sponsoren aus der Schwulen- und Lesbenbewegung gesagt: "Grob verallgemeinert gesagt könnte man die Hälfte von Trumps Anhängern in einen - wie ich es nenne - Korb der Kläglichen werfen. Oder? Die Rassisten, die Sexisten, die Homophoben, die Xenophoben, die Islamophoben - Sucht euch was aus."

In der breiten Öffentlichkeit hängen bleibt die vermeintliche Beleidigung, ein Großteil der Amerikaner sei in einem kläglichen oder bedauernswerten Zustand.

Gouverneur Mike Pence, der unter einem Präsidenten Trump das Amt des Vize ausüben soll, schlachtete am Wochenende bei einer Veranstaltung vor stramm-konservativen Republikanern in Washington diesen Fauxpas in aller Ausführlichkeit aus: Amerikaner, ganz gleich welcher Parteizugehörigkeit, seien keine bedauernswerten Leute. Die Formulierung zeige aber, so Pence, was Clinton von der arbeitenden Bevölkerung tatsächlich halte.

Bereits am Sonnabend hatte sich Clinton für die missglückte Äußerung entschuldigt. Ob die schnelle Reaktion aber ausreicht, um ihre Umfragewerte nicht weiter zu belasten, ist zweifelhaft.

Von Stefan Koch

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