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Darum wird der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen

Auszeichnung Darum wird der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen

In Oslo wird an diesem Freitag der Friedensnobelpreisträger 2017 bekanntgegeben. Ihm wird traditionell eine hohe politische Bedeutung zugesprochen. Acht wichtige Fakten um die Auszeichnung, die stets als letzte in der Reihe der Nobelpreise verkündet wird.

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Die Vorderseite der Medaille des Friedensnobelpreises.

Quelle: dpa

Oslo. Martin Luther King, Barack Obama und Mutter Teresa – sie alle sind Träger des Friedensnobelpreises. Das ist hinlänglich bekannt. Doch warum wird der Preis nicht in Stockholm, sondern im norwegischen Oslo vergeben? Und was erhalten die Gewinner neben Ruhm und Ehre noch? Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Der Ursprung

Der Friedensnobelpreis wurde bereits 130-mal verliehen. Zum ersten Mal im Jahr 1901 am Todestag des schwedischen Erfinders und Industriellen Alfred Nobel, dem 10. Dezember. Erste Preisträger waren der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, der Schweizer Henry Dunant (1828-1910), und der Gründer der „Französischen Gesellschaft der Friedensfreunde“, Frédéric Passy (1822-1912).

Das Testament

Alfred Nobel beauftragte in seinem Testament das norwegische Parlament, jährlich bis zu drei Persönlichkeiten oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit zu ehren. Ausgezeichnet werden soll, wer „am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen“.

Die Besonderheit

Die Auszeichnung für Frieden wird als einziger der fünf Nobelpreise im norwegischen Oslo statt in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben. Wieso Nobel das so testamentarisch verfügt hat, ist nicht bekannt. Zu Nobels Lebzeiten waren Schweden und Norwegen in einer Union unter schwedischer Führung verbunden. Während Schweden für die Außenpolitik zuständig war, war Norwegen für die Innenpolitik verantwortlich.

Die Entscheider

Über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet heute ein aus fünf Personen bestehendes Komitee. Dieses wird zuvor durch das norwegische Parlament ernannt. Die getroffene Auswahl gilt dabei nicht nur für ein Jahr, sondern für sechs Jahre, wobei die Mitglieder des Komitees auch wiedergewählt werden können. Die politische Zusammensetzung des Parlaments in Oslo hat stets einen gewissen Einfluss.

Das Preisgeld

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotiert.

Das Ungleichgewicht

Insgesamt 88 Friedensnobelpreise gingen an Männer (67,7 Prozent), nur 16-mal wurden Frauen ausgezeichnet (12,3 Prozent) und in 26 Fällen ging der Friedensnobelpreis an personenübergreifende Organisationen. Dabei wurde das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sogar schon dreimal bedacht und das Büro des Hohen UN-Kommissars für Flüchtlinge zweimal. Einzelne Personen wurden noch nicht mehrfach ausgezeichnet.

Die Berühmtesten

Häufig geht der Nobelpreis an Friedenskämpfer, die international im Rampenlicht stehen. 1964 wurde Martin Luther King im Jahr nach seiner berühmten „I have a dream“-Rede ausgezeichnet. Vier Jahre später wurde er ermordet. Auch Mutter Teresa bekam den Nobelpreis (1979), ebenso wie der südafrikanische Nationalheld Nelson Mandela (1993) und der SPD-Bundeskanzler Willy Brandt (1971) für seine Ostpolitik. Die Vereinten Nationen und ihr damaliger Generalsekretär Kofi Annan erhielten den Preis 2001 „für ihren Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt“, die Europäische Union wurde 2012 für ihre Verdienste für „Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte“ geehrt.

Die Umstrittensten

Die Vergabe des Friedensnobelpreises ist nicht selten umstritten und die ausgewählten Kandidaten polarisieren oft. US-Präsident Woodrow Wilson beispielsweise wurde für seine Verdienste um die Beendigung des Ersten Weltkriegs ausgezeichnet, rechtfertigte allerdings im eigenen Land die Sklaverei und beanspruchte die Vormachtstellung der weißen Rasse gegenüber Schwarzen. Auch der umstrittene Ku-Klux-Klan wurde von ihm gewürdigt. Sehr kontrovers wurde auch die Verleihung des Friedensnobelpreises an den damaligen US-Außenminister Henry Kissinger und den nordvietnamesischen Politiker Le Duc Tho diskutiert – wegen der Herbeiführung des Waffenstillstands im Vietnamkrieg. Zuvor allerdings hatten Kissinger und die Regierung von Richard Nixon die Luftangriffe in Indochina ausgeweitet und Laos sowie Kambodscha bombardieren lassen. Auch der Friedensnobelpreis für US-Präsident Barack Obama im Jahr 2009 war sehr umstritten, bekam er ihn doch nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“.

Von Christoph Stephan/Isabell Rollenhagen/RND

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