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„Wir haben gekiekt, wer kommt“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Wir haben gekiekt, wer kommt“
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11:16 30.08.2010
Von Reinhard Urschel

Vermutlich haben die Briten bei der Aufteilung von Berlin in Sektoren geschlafen, oder sie sind zu spät gekommen. Jedenfalls haben sie erst im Frühsommer 1945 festgestellt, dass alle Siegermächte einen Flugplatz in ihrer Zone hatten, nur sie nicht: die Sowjets Schönefeld, die Amerikaner Tempelhof, die Franzosen Tegel. Was für die Briten am Ende ein Glücksfall war, wurde den Bewohnern von West-Staaken, einem Ortsteil von Spandau, zum Verhängnis. Sie wähnten sich von Briten besetzt und befreit, wurden aber nachträglich den Sowjets zugeschlagen.

Der Grund für diese außergewöhnliche Aktion war der unmittelbar an Staaken angrenzende Flugplatz Gatow. Die Briten handelten ihn den Russen ab, mussten dafür aber Teile ihres Sektors herausgeben. Und weil der ganze Stadtteil Staaken dafür zu groß war, teilte man die Siedlung nach dem großen Berliner Vorbild, mit einem Unterschied: Hier ging der Westteil an die Russen.

Die Zeit der Verhandlungen war spannungsgeladen. Die Älteren erinnern sich daran, dass Besatzungssoldaten beider Siegermächte durch den Ortsteil patrouillierten. „Viele Familien hatten damals, um gute Stimmung zu machen, ein Bild an der Wand hängen, auf dem einerseits Stalin, andererseits General Montgomery zu sehen war“, erzählt ein Zeitzeuge. „Am Fenster haben wir gekiekt, wer kommt. Je nachdem, ob es der Tommy oder der Iwan war, haben wird das Bild umgedreht.“

Am 1. Februar 1951 wurde West-Staaken, die Verhandlungen waren mittlerweile abgeschlossen, für die Sowjets von der DDR-Volkspolizei besetzt und zunächst vom Ostberliner Bezirk Mitte aus regiert. Die Staakener mussten, wenn sie mal „aufs Amt“ wollten, weite Wege zurücklegen. Sie mussten ihre Exklave in westliche Himmelsrichtung verlassen (in die DDR), dann um die Westberliner Bezirke herumreisen und von Osten her nach Mitte fahren. Übrigens steht im Pass einer der prominentesten DDR-Bürgerinnen als Geburtsort „Staaken“: Katarina Witt. „Das schönste Gesicht des Sozialismus“ ist nach alliiertem Recht streng genommen also gar kein Kind der DDR.

Später wurde West-Staaken der DDR-Stadt Falkensee zugeschlagen, ein Verstoß gegen das Alliiertenstatut. Im Rahmen der Wiedervereinigung wurden die getrennten Ortsteile Staakens im Berliner Bezirk Spandau zusammengeführt, der Sonderfall der Teilungsgeschichte wurde über Nacht schlicht zum „Beitrittsgebiet“.

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