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Deutschland / Welt Das Thema Demokratie kommt in der Schule zu kurz
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05:00 15.11.2018
Klausuren schreiben alle Abiturienten. Aber haben auch alle etwas in Sachen Demokratie gelernt? Quelle: Armin Weigel/dpa
Berlin

Populistische Bewegungen sind europaweit im Aufschwung. Viele sprechen angesichts der ausländerfeindlichen Vorfälle von Chemnitz von einer Verrohung der Gesellschaft. Und: Junge Menschen können im Internet nicht nur Pornografie, sondern auch jede Menge demokratiefeindliche und gegen Minderheiten hetzende Inhalte finden.

Kann die Schule Orientierung geben? Das Thema Demokratie kommt in ihr zu kurz, stellt eine aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fest. Denn für den ganz großen Teil der Lehrkräfte – nämlich 95 Prozent – sei schulische Demokratiebildung nur von mittlerer Bedeutung, schlussfolgern die Forscher, die mehr als 1200 Lehrer befragt haben.

Ist auch Kritik am Lehrer erlaubt?

Wie kommen die Wissenschaftler zu diesem Urteil: Sie haben den Lehrern zahlreiche Fragen dazu gestellt, wie sie ihren Unterricht gestalten – also beispielsweise dazu, wie wichtig es ihnen ist, dass die Schüler gesellschaftspolitische Themen zur Sprache bringen können. Oder auch dazu, ob sie versuchen, die Sitzordnung so zu gestalten, dass alle gleichberechtigt am Unterricht teilnehmen können. Und dazu, ob die Schüler auch ehrlich Kritik am Lehrer üben sollen und dürfen – und dazu ermuntert werden.

Bei den Antworten ist ein gemischtes Bild zu beobachten: Zwar geben fast drei Viertel der Lehrer an, selbst einen demokratischen Umgang mit ihren Schülern zu pflegen und eine Orientierung an Werten wie Respekt, Fairness und Gleichbehandlung zu vermitteln. Doch Unterrichtsformate, die Demokratiebildung stützen, werden dann eben doch nur von sehr wenigen Lehrern umfassend und mit hoher Intensität eingesetzt. So sind etwa Projektwochen zum Thema Demokratie die absolute Ausnahme.

Eltern befürworten Demokratiebildung in Schulen

Da es sich in diesem Fall um Angaben der Lehrer selbst handelt, wäre es nicht unplausibel, wenn die Realität sogar noch etwas betrüblicher aussähe, als es die Studie vermuten lässt – schließlich werden wenige Lehrer gern zugeben, dass sie wenig für eine gute Unterrichtskultur und einen fairen Umgang tun.

Dass Demokratiebildung in den Schulen zu kurz kommt, widerspricht dem Willen der Eltern. Denn die haben in einer vor kurzem veröffentlichten Befragung des Verbandes Bildung und Erziehung klar zu erkennen gegeben: So halten mehr als 90 Prozent der Eltern den Erwerb sozialer Kompetenzen, die Anerkennung gesellschaftlicher Grundwerte und einen friedlichen Umgang mit Konflikten für wichtige Bildungsziele.

Woran aber liegt es, dass in den Schulen in Sachen Demokratie nicht mehr im Sinne der Gesellschaft und der Eltern geschieht? Laut der Studie werden zu wenige entsprechende Inhalte in der Aus- und Fortbildung der Lehrer angeboten. Nur 16 Prozent der Befragten hätten sich im Studium intensiv mit Demokratiebildung auseinandergesetzt, im Referendariat sinke der Wert sogar auf 13 Prozent.

Demokratie schon in der Kita?

In die gleiche Kerbe schlägt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Das Thema Demokratie in der Schule spielt in der Lehrerausbildung an den Unis eine viel zu geringe Rolle. Das muss sich ändern“, sagte die Chefin der Gewerkschaft, Marlis Tepe, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Politische Bildung müsse von den frühkindlichen Angeboten bis in die Berufsschulen eine Rolle spielen, fügte sie hinzu. „Auch in der Kita können Kinder schon Demokratie üben und kleinere Fragen mitentscheiden“, sagte Tepe.

Mit Blick auf die Lehrerfortbildung erklärte die Lehrergewerkschafterin: „Fast alle Bundesländer haben die Fortbildung von Lehrern zurückgefahren. Da gilt das Motto: Jede Unterrichtsstunde, die nicht ausfällt, zählt – auch wenn dann niemand mehr zu Fortbildungen gehen kann.“ Sie ergänzte: „Gerade das Thema Demokratie in der Schule ist im Fortbildungsangebot unterbelichtet. Das ist kurzsichtig und falsch.“

Von Tobias Peter/RND

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