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Demagogen und Korruption beherrschen das Land am Kap

Südafrika Demagogen und Korruption beherrschen das Land am Kap

Die Macht der Demagogen in Südafrika wächst. Der Radikale Malema gilt als starker Mann des ANC, den auch Präsident Zuma fürchtet. Nun steht Malema unter Korruptionsverdacht - wie der Polizeichef des Landes auch. Bei den aktuellen Arbeitskämpfen dominieren ebenfalls Radikale.

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Der Chef der Jugendliga der Regierungspartei ANC, Julius Malema, spricht während einer ANC-Wahlkampfveranstaltung in Soweto, Südafrika.

Quelle: dpa

Kapstadt. Schon seine Idole verraten ihn: Julius Malema bewundert Simbabwes Robert Mugabe, Kubas Fidel Castro und Venezuelas Hugo Chavez. Die drei Staatsmänner vereint ihre Abneigung gegen Demokratie und Freiheit. Malema ist zwar nur Chef der Jugendliga der Regierungspartei ANC. Aber auch Südafrikas Präsident Jacob Zuma fürchtet den starken Mann in seiner Partei. Denn der 30-Jährige ist wegen seiner radikalen Forderungen vor allem bei Millionen Armen in den Townships populär. Malema will Minen und Banken verstaatlichen, weiße Farmer ohne Entschädigung enteignen. „Diktator im Wartestand“ nennt ihn Oppositionsführerin Helen Zille.

Malema präsentiert sich als antikapitalistischer „Kämpfer für die Armen“, als „einzigen Führer, der in den Elendsvierteln willkommen ist“. Dabei führt der Mann aus einfachen Verhältnissen und mit bescheidener Schulbildung das Leben eines Krösus. Sein offizielles ANC-Gehalt beträgt 20.000 Rand (2100 Euro) monatlich. Aber im vornehmen Stadtteil Sandton in Johannesburg baut sich Malema gerade eine neue Villa. Er und seine Entourage fahren in schweren deutschen Luxuslimousinen. Er trägt maßgeschneiderte Anzüge, an seinem Handgelenk glänzt eine Schweizer Uhr im Wert von 250.000 Rand. Für Malema ist Anti-Kapitalismus und persönlicher Reichtum kein Widerspruch. „Die Menschen interessiert nicht, ob ich Geld habe, (...) die Armen wissen, dass ich gegen den Kapitalismus kämpfe“, sagt er.

Nun muss sich Malema dem Vorwurf der Korruption stellen. Die „City Press“ enthüllte, der ANC-Politiker erhalte über den „Ratanang Familien-Fond“ Gelder von Unternehmern zur „Unterstützung der politischen Anliegen“. Im Gegenzug nutze Malema seinen Einfluss in Partei und Regierung, um den Spendern Regierungsaufträge zuzuschanzen. Der Enthüllungsbeitrag nennt Namen und Projekte. Opposition und Bürgerrechtsgruppen fordern rasche Aufklärung - aber Malema mauert und betont, er werde seine „privaten Angelegenheiten“ nicht erörtern.

Aus den vielen alltäglichen Korruptionsaffären im Land am Kap ragt neben dem Fall Malema noch der Fall des südafrikanischen Polizeichefs Beki Cele heraus. Er und die Ministerin Gwen Mahlangu-Nkabinde werden von der öffentlichen Aufsichtsbehörde als weitgehend unabhängige Einrichtung beschuldigt, bei der Anmietung von Verwaltungsgebäuden für die Polizei in Pretoria und Durban gegen Gesetze verstoßen zu haben. Cele und die zuständige Ministerin hätten ohne Ausschreibung langfristige Verträge mit weit überhöhten Mieten akzeptiert. Obwohl die Vorwürfe seit Wochen auf dem Tisch liegen, reagiert Cele nicht. Stattdessen tauchten plötzlich dubiose Anschuldigungen gegen die Behörden-Chefin Thuli Madonsela auf, wonach sie selbst bestochen worden sei.

Während die Korruption das politische und wirtschaftliche Leben Südafrikas zu vergiften droht, gewinnen an vielen Fronten die Radikalen. Bei den Streiks der Metallarbeiter kam es zu wüsten Zerstörungen. Die Gewerkschaften setzten erneut Lohnerhöhungen von zehn Prozent durch, mehr als das doppelte der Inflationsrate. Am Montag begannen 150.000 Minenarbeiter ihren Arbeitskampf, andere Sektoren folgen bis September. Dabei boomt Südafrikas Wirtschaft längst nicht so wie in anderen Staaten Afrikas. Die starken Lohnzuwächse verhindern nach Einschätzung von Experten ebenso Auslandsinvestitionen wie neue Arbeitsplätze - dabei liegt die Arbeitslosigkeit offiziell bei 25 Prozent.

Zu all diesen aktuellen Entwicklungen, die schwer auf Südafrika lasten, schweigt Präsident Zuma. Insbesondere ist kein kritisches Wort zu Malema und den vielen Korruptionsfällen in seiner Partei zu hören. „Der ANC ist infiziert vom Gehabe der Mafia“, warnte der Kolumnist Khaya Dlanga in der „Cape Times“. „Steh auf und übernimm Verantwortung“ forderte die „Sunday Times“ von Zuma. „Südafrika bewegt sich seit langem immer weiter abwärts auf einem abschüssigen Weg“, warnt der Wirtschaftsexperte Moeletsi Mbeki.

dpa

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