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Deutschland / Welt Der Attentäter war gut vorbereitet
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00:16 21.07.2016
Menschen in Nizza trauern um die Opfer des Anschlags. Quelle: dpa
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Mohamed Lahouaiej Bouhlel habe in jüngster Zeit ein „unbestreitbares Interesse“ für die dschihadistische Bewegung gezeigt, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Paris.  „Seit acht Tagen hat er sich einen Bart wachsen lassen und erklärt, dies habe eine religiöse Bedeutung“, sagte der Chefermittler. Bouhlel habe in den Tagen vor dem Anschlag auch nach Videos religiöser Gesänge gesucht, die islamistische Terrororganisationen als Propagandainstrument nutzen. Derzeit gebe es aber keine Belege für eine Zugehörigkeit zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die den Attentäter als ihren „Soldaten“ bezeichnet hatte, sagte Molins. Am Wochenende hatte der französische Regierungschef Manuel Valls den IS für das Lastwagenattentat vom 14. Juli verantwortlich gemacht, weil die Terrormiliz verwirrten Einzelpersonen die Ideologie bereitstelle, um ihren Taten einen Sinn zu geben.

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Frankreich ist erneut von einem schweren Anschlag getroffen worden: In Nizza tötete ein Angreifer Dutzende Menschen, als er mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge fuhr. Seit der Attacke auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Januar 2015 kommt Frankreich nicht zur Ruhe. Ein Überblick.

Der Anschlag auf der Prachtstraße am französischen Nationalfeiertag war laut Chefermittler Molins über mehrere Tage vorbereitet worden. Der Lieferwagenfahrer habe mehrfach die Uferstraße aufgesucht. Die Ermittlungen hätten den „vorsätzlichen Charakter“ belegt. Der Mann war mit dem Lkw durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade gerast, unter den Todesopfern waren zehn Kinder und Jugendliche. 19 Verletzte schweben noch in Lebensgefahr. 71 Tote seien identifiziert, sagte Molins. Zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin gelten seit dem Anschlag als vermisst; es wird befürchtet, dass sie tot sind.

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Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in Nizza mehr als 80 Menschen getötet worden.

In der innerfranzösischen Sicherheitsdebatte wirft die Opposition der Regierung Versäumnisse nach den islamistischen Attentaten des vergangenen Jahres vor. Es sei nicht alles getan worden, was seit dem Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ hätte getan werden müssen, sagte der konservative Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Der sozialistische Präsident François Hollande hielt dagegen und sprach bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts von einer „Verpflichtung zu Würde und Wahrheit“. „Eine gewisse Zahl an Akteuren der politischen Klasse hat die Trauerperiode nicht respektiert“, kritisierte Innenminister Bernard Cazeneuve, der auf mehrere neue Gesetze und Maßnahmen für den Anti-Terror-Kampf verwies. Sechs Personen aus dem Umfeld des Angreifers sitzen weiter in Polizeigewahrsam, eine weitere Person wurde wieder freigelassen. Molins sagte, einer der Verdächtigen habe unmittelbar vor dem Anschlag eine SMS von dem Attentäter erhalten.

von Sebastian Kunigkeit

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