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Deutschland / Welt Der Fall Strauss-Kahn irritiert Frankreichs Linke
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21:12 05.07.2011
Aus dem Gefängnis befreit – aber keineswegs von allen Vorwürfen freigesprochen: Strauss-Kahn beherrscht die Schlagzeilen in Frankreich. Quelle: dpa
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Paris

Die Sozialistin Martine Aubry weist den Weg: In Zeiten, da einige Genossen den Mitte Mai vom Sockel gestürzten Dominique Strauss-Kahn dort wieder als Präsidentschaftskandidaten installieren wollen, während andere dies für Wahnwitz halten, wartet die Parteivorsitzende der Sozialisten mit einem geradezu genialen Formelkompromiss auf. Wenn Strauss-Kahn nach Ablauf der parteiinternen Bewerbungsfrist am 13. Juli noch kandidieren wolle, so waltet sie ihres Amtes, dann werde sich ihm bestimmt niemand in den Weg stellen, hat die PS-Vorsitzende verkündet.

Worte sind dies, die eigentlich alle zufriedenstellen müssten. Den Anhängern des in New York auf eine Einstellung des Vergewaltigungsprozesses hoffenden Spitzensozialisten signalisieren sie, dass der Hoffnungsträger durchaus noch an der Kandidatenkür im Oktober teilnehmen kann. Die restlichen Genossen hören aus den Worten der Vorsitzenden indes heraus, dass Strauss-Kahn bei vernünftiger Güterabwägung gar nicht mehr wollen, gar nicht mehr nach Kandidatenehren greifen kann.

Am Dienstag hat schließlich die französische Journalistin und Schriftstellerin Tristane Banon ihre Ankündigung wahrgemacht und den Politiker in Paris wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt. Die 32-Jährige wirft ihm vor, sie am 11. Februar 2003 zu einem Interview in eine weitgehend leere Pariser Wohnung einbestellt zu haben. DSK, wie die Franzosen den früheren Wirtschaftsminister nennen, habe erst ihre Hand ergriffen, dann ihren Arm, habe an ihren Kleidern gezerrt, den Büstenhalter malträtiert. Der Übergriff habe in einer regelrechten Schlägerei geendet.

Gewiss. Auch dies sind bisher nur Vorwürfe. Das letzte Wort darüber, ob sie einer gerichtlichen Überprüfung standhalten oder aber in sich zusammenzufallen drohen wie teilweise jene Aussagen des Strauss-Kahn beschuldigenden New Yorker Zimmermädchens, ist noch lange nicht gesprochen. Zumal die Anwälte des nun auch in Frankreich wegen sexueller Übergriffe belangten Mannes die Vorwürfe nicht nur bestreiten. Sie sind zum Gegenangriff übergegangen, haben Tristane Banon wegen Verleumdung angezeigt.

Dabei haben Aubrys wegweisende Worte allerdings nicht verhindert, dass die in Zeiten der Präsidentschaftskandidatenkür um Profil bemühten Genossen weiterhin ziemlich durcheinanderreden. Bertrand Delanoe, der sozialistische Bürgermeister von Paris, empfiehlt am Dienstag mit einer Wortmeldung im Internet, aus der New Yorker Tragödie die nötigen Lehren zu ziehen und sich nach der neuerlichen Anzeige mit Vorverurteilungen zurückzuhalten. „Wir wollen hoffen, dass die Ehre eines Mannes wieder hergestellt wird, der bereits leichtfertig wegen einer offensichtlich falschen Beschuldigung in den Schmutz gezogen wurde“, schreibt Delanoe.

Der sozialistischen Abgeordnete Jean-Christophe Cambadélis geht noch einen Schritt weiter. Er sähe Strauss-Kahn gern wieder an die Spitze des Internationalen Währungsfonds, sagte Cambadélis. Von der neuen Direktorin Christine Lagarde erwartet der Abgeordnete dafür eine „entsprechende Geste“ und ein Gesuch an den IWF, Strauss-Kahn später Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Nach Ansicht von Benoit Hamon, dem Sprecher der Sozialisten, kann Strauss-Kahn dagegen nicht einmal mehr am französischen Präsidentschaftskandidatenrennen teilnehmen. Es bleibe dabei, dass Bewerbungen für die am 9. und 16. Oktober ausgerichtete Urwahl bis zum 13. Juli abzugeben seien, sagte Hamon. Dieses Datum liegt fünf Tage vor Strauss-Kahns nächstem Gerichtstermin.

Axel Veiel

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