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11:27 28.03.2018
Protest gegen Fußball-WM in Russland vor dem Berliner Olympiastadion. Quelle: imago/snapshot
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Berlin

Nach der Giftattacke in England haben deutsche Politiker einen politischen Boykott der Fußball-WM in Russland in diesem Sommer abgelehnt. «Es gibt eine starke internationale Reaktion auf den Fall Skripal - dem sollte jetzt kein weiterer Überbietungswettbewerb folgen», sagte etwa der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». Der Sport müsse im «Konsequenzen-Katalog ganz am Ende stehen - hier geht es immer auch um Völkerverständigung», betonte Röttgen.

Island hatte angekündigt, dass aus Protest gegen den Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal im englischen Salisbury keine Politiker des Landes zur WM reisen werden. Das geht auch dem außenpolitischen Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), zu weit für die deutsche Seite: «Ich halte den Boykott von internationalen Sportveranstaltungen für kein kluges Instrument der Diplomatie», sagte Hardt dem Magazin.

Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bijan Djir-Sarai, hält ebenso nichts von einem diplomatischen Boykott der WM und warnte vor einer Eskalationsspirale. Der Außenexperte der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour, plädierte hingegen dafür, dass mit Ausnahme des Sportministers kein Regierungsmitglied zur WM fahren sollte.

Der Giftanschlag, bei dem die Täter nach Darstellung Londons den in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok nutzten, war auch Thema eines Telefonats zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag, wie das Weiße Haus und Regierungssprecher Steffen Seibert am Abend mitteilten. Trump und Merkel bekräftigten ihre Solidarität mit Großbritannien und begrüßten das koordinierte Vorgehen der europäischen Staaten und Nato-Verbündeten «als ein starkes Signal der Einheit gegenüber dem russischen Verhalten».

Merkel telefoniert mit Trump

In einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion haben nach Großbritannien die USA, Deutschland und weitere mehr als 20 Staaten russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter ausgewiesen. Am Dienstagabend schloss sich Belgien dem Schritt an und verweist einen russischen Diplomaten des Landes. Wie Premierminister Charles Michel am Dienstagabend mitteilte, wird die betroffene Person 14 Tage Zeit haben, um das Land zu verlassen. 19 der 28 EU-Staaten haben damit Strafmaßnahmen gegen Moskau verlassen. Auch die Nato ließ am Dienstag sieben Mitarbeiter der russischen Nato-Vertretung ausweisen und lehnt zudem drei Akkreditierungsanfragen ab.

Moskau weist jegliche Anschuldigungen im Fall Skripal zurück. Noch ist unklar, wie Russland auf die konzertierten Strafmaßnahmen reagiert. Außenminister Sergej Lawrow sagte am Dienstag in Taschkent lediglich: «Wir werden antworten. So eine Gemeinheit will niemand einfach hinnehmen, auch wir werden das nicht tun.» Lawrow warf zudem den USA vor, seine Verbündeten unter Druck zu setzen.

Das US-Außenministerium wies die Anschuldigung zurück. «Das ist albern», sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert, am Dienstag in Washington. Es gebe aus US-Sicht keinen Zweifel an der britischen Darstellung, dass Russland für den Mordversuch an einem früheren Doppelagenten verantwortlich zu machen sei. «Wir wissen, was da passiert ist», sagte Nauert.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, bei dem Nervengiftanschlag handele es sich um einen «Mordversuch» Russlands. Es sei «ziemlich offensichtlich», dass Russland in dem Fall eine «Massenvernichtungswaffe» eingesetzt habe, einen chemischen Kampfstoff, erklärte er. Es sei der erste Einsatz dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg. Russlands Verhalten sei unverantwortlich.

Von RND/dpa

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