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Gesundheit

Deutsche häufiger beim Arzt

Von Nicola Zellmer

Die Bundesbürger gehen mehr als 18-mal pro Jahr zum Arzt – so häufig wie nie zuvor. Und das trotz Praxisgebühr und Hausarztprogrammen. Im Sprechzimmer werden die Patienten dann oft in wenigen Minuten abgefertigt.
Viele Patienten, wenig Zeit: Besuch beim Hausarzt.

Viele Patienten, wenig Zeit: Besuch beim Hausarzt.

© AP

Das zeigt der jüngste Arztreport der Barmer GEK, den das hannoversche Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsförderung (ISEG) aus den Daten von rund 1,7 Millionen Versicherten der Ersatzkasse erstellt hat.

Weil sich das Abrechnungssystem gegenüber früheren Jahren geändert hat, berechneten die Wissenschaftler im Jahr 2008 die Arztbesuche anhand der dokumentierten Behandlungsfälle. Dabei zeigte sich auch, dass deutsche Ärzte etwa doppelt so viele Patienten behandeln wie ihre Kollegen im Ausland: Durchschnittlich kam jeder Mediziner auf 45 Patienten pro Tag, für jeden blieben gerade mal acht Minuten. Am häufigsten diagnostizierten die Ärzte Rückenschmerzen (26 Prozent der Patienten) und Bluthochdruck (25,4 Prozent). Die größte Steigerung gab es bei den Depressionen (plus 9,1 Prozent).

In anderen Ländern gehen die Menschen weit seltener zum Arzt, werden aber viel eingehender behandelt, wie es in der Studie heißt. In Schweden gingen die Menschen knapp dreimal im Jahr, in Belgien, Frankreich, Österreich und Polen rund siebenmal zum Arzt.

Für Prof. Friedrich-Wilhelm Schwarz, zwischenzeitlich emeritierter Leiter des hannoverschen Instituts ISEG, zeigt der Report klar die Schwächen des deutschen Gesundheitssystems auf. So bekämen die Kassen nur für Kranke Extrageld. „Damit werden die Kassen für die Kranken belohnt und nicht für die Gesunden“, kritisiert Schwartz.

Die Barmer hält die zehn Euro Praxisgebühr für noch zu niedrig. Auch der Gesundheitsexperte Schwartz verweist darauf, dass es in Deutschland einen deutlich „niedrigschwelligeren Zugang“ zum Arzt als etwa in Großbritannien oder den Niederlanden gebe. Dennoch seien die Deutschen nicht gesünder als ihre Nachbarn, betont Schwartz. „Es gibt keine Korrelation zwischen der Zahl der Arztbesuche und der Gesundheit.“

Der Sozialmediziner plädiert für mehr Gesundheitsaufklärung und bessere Vorsorge. „Sonst bleiben wir immer bei der Reparatur von Krankheiten.“ Schwartz begrüßt den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der niedrigere Kassenbeiträge für gesund lebende Menschen anstrebt.

Dass die Gesundheitsvorsorge in Deutschland verbesserungswürdig ist, zeigt auch der aktuelle Präventionsbericht der gesetzlichen Krankenversicherungen für 2008: Obwohl die Krankenkassen in diesem Jahr 340 Millionen Euro für Gesundheitsvorsorge ausgaben, erreichten sie mit ihren Angeboten nur rund neun Millionen Menschen – statt sozial Schwache vor allem Menschen aus der Mittelschicht.

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