Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Deutscher IS-Chef in Niedersachsen verhaftet

Schlag gegen Islamisten-Szene Deutscher IS-Chef in Niedersachsen verhaftet

In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind fünf IS-Verdächtige festgenommen worden. Unter den mutmaßlichen Terroristen ist ein gebürtiger Iraker, der als zentrale Figur der islamistischen Szene in Deutschland gilt.

Hildesheim 52.154778 9.957965
Google Map of 52.154778,9.957965
Hildesheim Mehr Infos
Nächster Artikel
„Opposition ist auch eine Option“

Mehrere Dutzend Polizisten waren bei dem Großeinsatz gegen Islamisten in Hildesheim beteiligt.
 

Quelle: dpa

Hildesheim/Bad Salzdetfurth.  Der Bundesanwaltschaft ist ein Schlag gegen die Islamisten-Szene in Deutschland gelungen. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind am frühen Dienstagmorgen fünf IS-Verdächtige verhaftet worden, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.

Damit bestätigt die Behörde entsprechende Berichte von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Den Festgenommenen wird demnach die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Die Beschuldigten sind auf dem Weg nach Karlsruhe, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete die Festnahme als Erfolg für die Ermittlungsbehörden. „Das ist ein wichtiger Schlag gegen die extremistische Szene in Deutschland“.

Bei mehreren Razzien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind am Morgen fünf IS-Verdächtige festgenommen worden.

Zur Bildergalerie

Unter den Männern befindet sich ein 32-jähriger Iraker namens „Abu Walaa“, auch als der Prediger ohne Gesicht bekannt und der von den Behörden seit Jahren als zentrale Figur der deutschen Islamisten eingestuft werde. Die Präsidentin des Verfassungsschutzes Niedersachsen, Maren Brandenburger, bestätigte dieser Zeitung das es sich bei dem festgenommenen Verdächtigen um „Abu Walaa“ handelt.

Netzwerk organisierte Syrien-Reise

Der Generalbundesanwalt bezeichnet „Abu Walaa“ als Anführer eines bundesweiten Netzwerks, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, Muslime in Deutschland für die Terrororganisation “Islamischer Staat“ anzuwerben und ihre Reisen in dessen Herrschaftsgebiet in Syrien und im Irak zu organisieren – was zumindest in einem Fall auch gelungen sein soll. “Nachweislich“ habe das Netzwerk einen jungen Mann und seine Familie nach Syrien geschleust.

In Hildesheim wurden Wohnungen direkt gegenüber der Moschee „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim eV“ durchsucht

In Hildesheim wurden Wohnungen direkt gegenüber der Moschee „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim e.V.“ durchsucht.

Quelle: dpa

Als Helfer „Abu Walaas“ soll den ebenfalls festgenommenen Türken Hasan C. und den Serben Boban S. die Aufgabe zugekommen sein, Gleichgesinnten und Ausreisewilligen neben der arabischen Sprache auch radikal-islamische Inhalte zu lehren. „Der Unterricht diente dazu, die ideologischen und sprachlichen Grundlagen für eine zukünftige Tätigkeit beim IS, insbesondere für die Teilnahme an Kampfhandlungen, zu schaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Ermittlungsbehörde. „Abu Walaa“ war es demzufolge vorbehalten, Ausreisen zu billigen und zu organisieren, wobei er mit der konkreten Umsetzung den Deutschen Mahmoud O. und den Kameruner Ahmed F. Y. beauftragte.

„Abu Walaa“ mit Wohnsitz in Bad Salzdetfurth

Alle fünf Männer wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen am frühen Morgen verhaftet.

In Niedersachsen erfolgte der Zugriff unter anderem in Hildesheim und Bad Salzdetfurth. Mehrere Dutzend Polizisten waren laut  „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ am Dienstagmorgen mit mindestens zehn Kleinbussen in der Nordstadt, an der Steingrube und in Bad Salzdetfurth angerückt und durchsuchten offenbar mehrere Wohnungen. Der Prediger „Abu Walaa“ soll einen seiner Wohnsitze in der Stadt haben. Nach Informationen der „Hildesheimer Allgemeinen Zeitung“ wurde der Mann in Bad Salzdetfurth festgenommen.

Die Männer stehen im Verdacht, Freiwillige für den „Islamischen Staat“ rekrutiert zu haben. Die Bundesanwaltschaft habe seit Herbst 2015 gegen den Iraker und mutmaßliche Helfer ermittelt. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den sogenannten „Heiligen Krieg“, den Dschihad, angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben.

Abu Walaa, der Prediger ohne Gesicht

Abu Walaa, der Prediger ohne Gesicht.

Quelle: Al Manhaj Media/Youtube/dpa

Erst im August sei es zu Durchsuchungen gekommen. Unter den durchsuchten Objekten sei eine Moschee in der Hildesheimer Nordstadt gewesen, die als bundesweit bedeutender Treffpunkt der salafistischen Szene gilt. Sicherheitsbehörden hätten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Hildesheimer Moschee zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen war.

Zwei Festnahmen im Ruhrgebiet

Bei der Anti-Terror-Aktion sind in Nordrhein-Westfalen in Dortmund und Duisburg zwei Terrorverdächtige festgenommen worden. Das teilte das NRW-Innenministerium am Dienstag mit. Den Männern werde vorgeworfen, ein überregionales salafistisches Netzwerk gebildet zu haben. Die Männer sollen bei Predigten in Wohnungen für den IS geworben und zur Ausreise in den Dschihad aufgerufen haben. Auch ihnen wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zur Last gelegt. „Uns ist heute ein wichtiger Schlag gegen die salafistischen Strippenzieher und IS-Unterstützer gelungen“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Die Aussagen eines IS-Rückkehrers hatten laut Rechercheverbund von NDR, WDR und SZ maßgeblichen Anteil an den aktuellen Festnahmen. Der 22-Jährige war nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im IS-Gebiet in Syrien in die Türkei geflohen und hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrormiliz losgesagt. Bevor er Ende September nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe der Mann in der Türkei ein Interview gegeben, in dem er den Iraker „Abu Walaa“ schwer belastet und als „die Nummer 1 des IS in Deutschland“ bezeichnet habe. Die Beschuldigten hätten - soweit sie sich in der Vergangenheit dazu geäußert hätten – eine Verbindung zum Terrorismus verneint.

Salafisten-Szene in Hildesheim

  • Der Raum Hildesheim hat sich in Niedersachsen zu einem Schwerpunkt der radikal-islamistischen Szene entwickelt.
  • Als „bundesweiten Hot-Spot der radikalen Salafistenszene“ hatte Innenminister Boris Pistorius (SPD) im Juli die Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim e.V.“ (DIK) bezeichnet.
  • Das Gotteshaus sowie acht Wohnungen von Vereinsvorständen waren im Juli von der Polizei durchsucht worden. Der Vorwurf: In dem Verein sollen Muslime radikalisiert und zur Teilnahme am Dschihad in Kampfgebieten motiviert werden. In Predigten, Seminaren und Vorträgen werde zum „Hass gegenüber Ungläubigen“ aufgerufen, hieß es im Sommer zur Begründung der Durchsuchungsaktion.
  • Die Zahl der radikal-islamischen Salafisten in Niedersachsen schätzte der Verfassungsschutz im Mai in seinem Bericht für 2015 auf rund 550. Etwa 75 Islamisten reisten nach Erkenntnis der Behörden aus Niedersachsen in Richtung Syrien und Irak aus, um sich dort dem Islamischen Staat (IS) oder anderen Terrororganisationen anzuschließen. Ein Drittel der 2015 ausgereisten „Gotteskrieger“ stammte aus dem Raum Hildesheim.
  • Anfang September schrieb der „Spiegel“: „Bereits 2013 warnte das Bundesamt für Verfassungsschutz in einem internen Bericht vor den Spendensammlern von „Helfen in Not“. Neben bundesweit bekannten Salafistenpredigern wie Sven Lau und Pierre Vogel tauchte schon damals ein Mann aus Hildesheim bei Sammelaktionen auf: Abu Walaa, bürgerlich Ahmad Abdulaziz Abdullah, der selbst ernannte Scheich von Hildesheim.“ Der 32-jährige Iraker wurde am Dienstag festgenommen.

Von abu/afp/dpa/RND/zys

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Interview mit Innenminister Pistorious
Der Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius (SPD).

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) spricht im Interview über die Razzia bei den Hildesheimer Islamisten und erklärt, dass die Behörden alles täten, um Anschläge zu verhindern. Er warnt davor, Moscheegemeinden in Sippenhaft zu nehmen. Zugleich fordert er sie zur Zusammenarbeit auf, "wenn sich unter ihrem Dach etwas Radikales zusammenbraut". 

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.