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19:21 31.07.2011
Ein Charterflugzeug mit deutschen Hilfsgütern ist in Kenia gelandet. Quelle: dpa
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Addis Abeba/Nairobi

Deutschland intensiviert seine Hilfen für die Hungernden am Horn von Afrika: Die Hilfsorganisation humedica aus Kaufbeuren schickte am späten Samstagabend ein erstes Charterflugzeug voller Hilfsgüter in die kenianische Hauptstadt Nairobi. Von dort sollen die 30 Tonnen Lebensmittel und Medikamente mit Lastwagen in die Flüchtlingslager in der Region Dadaab im Norden des Landes transportiert und in Kooperation mit einem lokalen humedica-Partner verteilt werden.

Die Hilfsmittel umfassen Milchpulver, Medikamente und vor allem Infusionen für eine sogenannte enterale Ernährung mit speziellen Nährstoffen. „Es handelt sich hierbei um Zusatznahrung, nicht um Grundnahrungsmittel. Weil die Menschen ausgetrocknet sind und feste Nahrung oft gar nicht bei sich behalten können, müssen sie zunächst künstlich ernährt werden“, sagte der Geschäftsführer der Hilfsorganisation, Wolfgang Groß, der Nachrichtenagentur dpa.

In Dadaab haben im derzeit größten Flüchtlingslager der Welt rund 400 000 Menschen überwiegend aus dem Bürgerkriegsland Somalia Zuflucht vor der Hungersnot gesucht. Ein zweiter Flug mit Hilfsgütern für die kenianische Bevölkerung in der nördlichen Region Turkana sei in Planung, hieß es.

Niebel fordert Dialog mit gemäßigten Milizen

Auma Obama, die Halbschwester des US-Präsidenten Barack Obama, meint, dass ihr Heimatland Kenia „mit dem Zustrom an Flüchtlingen komplett überfordert“ sei. „Unsere Regierung kann das beim besten Willen nicht bewältigen“, sagte sie dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Die Luftbrücke für Somalia sei keine längerfristige Lösung. „Man muss eine Veränderung zu bewirken, damit die Menschen ihre Dürre-Katastrophen selbst in den Griff bekommen.“

Die Vereinten Nationen hatten vor wenigen Tagen eine Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadischu gestartet. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte der Nachrichtenagentur dpa, es sei wichtig, dass diese nun „kontinuierlich und verlässlich“ fortgeführt werde. „Dazu bedarf es ausdrücklich der Sicherung des Luftraums über Mogadischu und des Flugplatzes von Mogadischu, damit hier auch tatsächlich die Hilfsgüter sicher angelandet werden können. Das ist eine Aufgabe der Truppen der Afrikanischen Union“, betonte Niebel.

Zudem plädierte der Minister für einen Dialog mit den gemäßigten Milizen, um die politische Lage in Somalia zu stabilisieren. „Wichtig ist, dass die Afrikanische Union den politischen Dialog mit den (islamistischen) Al-Schabaab-Milizen sucht.“ Das heiße nicht, dass man sie politisch anerkenne. „Aber man muss den Fakt anerkennen, dass sie über weite Teile Somalias schlichtweg militärische Gewalt ausüben.“

Hingegen forderte der Vizepräsident der Welthungerhilfe und frühere UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer einen UN-Einsatz, um die Hungersnot zu bekämpfen. „Auf dem Rücken verhungernder Menschen werden Stammesfehden ausgetragen, dazu kommt der islamische Fundamentalismus der Al-Shabaab-Miliz“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die „Bild am Sonntag“. „Dem darf die Weltgemeinschaft nicht länger zusehen. Wo bleibt die schnelle Einsatztruppe der UN?“

THW-Erkundungsteam in Äthiopien im Einsatz

Die Souveränität der Staaten sei zu Recht völkerrechtlich ein hohes Gut, betonte Töpfer. Aber wenn dadurch Menschen verhungerten, dann müsse eingegriffen werden. „Dort endet nationale Souveränität.“

Auch das Technische Hilfswerk (THW) ist jetzt im Krisengebiet im Einsatz. Im Auftrag der Bundesregierung wurde am Samstag ein Erkundungsteam aus fünf Experten nach Äthiopien entsandt. Sie sollen das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bei der Bewältigung der Hungersnot beraten. Aufgabe des Erkundungsteams ist es nun, Möglichkeiten für weitere Camps und geeignete Hilfsmaßnahmen durch das THW zu identifizieren. Mögliche Einsatzoptionen des THW sind der Aufbau von Infrastruktur, der Bau von sanitären Einrichtungen und die Wasserversorgung für die Flüchtlinge.

Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 11,5 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

dpa

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