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Früher Kohl, morgen cool

CDU will moderner werden Früher Kohl, morgen cool

Mehr Frauen, mehr Jugend, mehr Einwanderer: Die CDU will endlich moderner werden – aber wie soll das gelingen? CDU-Generalsekretär Peter Tauber stellte in Berlin ein Papier vor, „Meine CDU 2017“, und der Titel lässt erahnen: Die CDU will näher ran an die Menschen. Sie will weiblicher werden, jünger, bunter.

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Nähe zur Jugend I: Angela Merkel diskutiert mit Youtube-Star LeFloid.

Quelle: Steffen Kugler

Berlin. Statistiken sind dann hilfreich, wenn sich die vielen Zahlen zu einem ganz konkreten Bild verdichten lassen. CDU-Generalsekretär Peter Tauber bemüht gern ein solches Bild, wenn er das durchschnittliche CDU-Mitglied skizziert: „Ein freundlicher Herr, Ende 50, wahrscheinlich grau meliert oder mit einer ähnlichen Frisur wie ich.“

Nähe zur Jugend II: Generalsekretär Tauber, 40, will die Partei modernisieren.

Quelle: dpa

Tauber ist seit eineinhalb Jahren Generalsekretär seiner Partei. Mit seinen 40 Jahren geht er trotz seines kahlen Hauptes innerhalb seiner Fraktion noch als Jungspund durch, was ihm bei seinem Herzensthema zu einiger Glaubwürdigkeit verhilft: Tauber will die CDU erneuern, er will frischen Wind in die Partei bringen, inhaltlich und organisatorisch. Dazu stellte er am Montag in Berlin ein Papier vor, „Meine CDU 2017“, und der Titel lässt erahnen: Die CDU will näher ran an die Menschen. Sie will weiblicher werden, jünger, bunter.

Die CDU will mehr so sein wie Cemile Giousouf.

Cemile Giousouf, eine Frau von 37 Jahren, ist die erste türkische, muslimische Bundestagsabgeordnete der CDU. Eine solche Kombination von Merkmalen ist eine Seltenheit im CDU-Kosmos, und die Abgeordnete aus Hagen weiß damit selbstbewusst umzugehen. Sie sagt: „Leider bin ich eine der wenigen in der Fraktion, die eine Einwanderungsgeschichte hat und das Thema auch programmatisch besetzt. Das muss sich ändern, wir brauche mehr Abgeordnete mit Einwanderungsgeschichte.“

Cemile Giousouf ist Tochter türkischer Eltern.

Quelle: dpa

Das soll nun nicht heißen, betont Cemile Giousouf, dass es ungemütlich sei zwischen den Durchschnitts-CDU-Mitgliedern: „Auch zwischen den grau melierten Herren fühle ich mich sehr wohl - in vielem sind wir ja einer Meinung. Sie glauben ja nicht, wie modern auch ältere Menschen sein können“, sagt sie, hält aber fest: „Dennoch müssen wir als Partei auch mehr um andere Gruppen werben.“

Wenn die CDU nun mehr Frauen, Junge und Migranten in die Partei locken will, kann eine Zielgruppenanalyse doch bei Cemile Giousouf ansetzen, quasi als Repräsentantin des neuen CDU-Typus. Also, Frau Giousouf, was war es, das Sie zu den Christkonservativen führte?

„Für mich war die CDU lange eine Blackbox, ich hatte keinen Bezug zur Partei“, sagt Giousouf, deren Eltern vor mehr als 40 Jahren aus einer türkischen Enklave in Griechenland nach Leverkusen kamen, um dort in einer Fabrik für Bremsbeläge zu arbeiten. „Das änderte sich, als ich dann als Politikstudentin und Mitglied im deutsch-türkischen Forum CDU-Politiker wie Rita Süssmuth und Heiner Geißler kennenlernte - wertkonservative Menschen, denen Religion wichtig ist und die dafür warben, Integrationspolitik als Gesellschaftspolitik zu etablieren.“ Da habe sie zum ersten Mal gedacht: „Aha, die CDU kümmert sich um Themen, die auch mir sehr wichtig sind.“ Das C im Namen, die christliche Orientierung der Partei, sei kein Hindernis gewesen, erzählt Giousouf, der ihr Glaube wichtig ist - im Gegenteil. In der CDU habe sie eine besondere Wertschätzung von Religion und Glauben festgestellt.

Wenn Giousouf recht hat mit ihren Einschätzungen über Mi­granten in Deutschland, dürfte es der CDU eigentlich gar nicht so schwer fallen, unter ihnen neue Mitglieder zu finden. Sie sagt: „Es gibt eine genuine Nähe zwischen der CDU und den Migranten in Deutschland, wertkonservative Werte sind von Bedeutung, Familie, Leistung, Unternehmertum.“

Moderne Konservative: Stefan Kaufmann streitet für die Homo-Ehe.

Quelle: dpa

Nun ist ein wohlklingendes Papier zu mehr Vielfalt, wie es der CDU-Vorstand verabschiedet hat und den Delegierten Ende des Jahres zur Abstimmung vorlegen wird, das eine - das andere ist die, sagen wir: Skepsis, mit der die meisten Unionsvertreter in Berlin und in den Ländern der Forderung nach einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare begegnen. Diese Frage ist in der politischen ­Debatte inzwischen ja ein Prüfstein für To­leranz. Der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann zählt zu den wenigen in seiner Partei, die zu mehr Offenheit gegenüber Schwulen und Lesben auffordern, er lebt selbst in einer eingetragenen Partnerschaft und hat die Vorbehalte in seiner Partei nicht selten selbst erfahren. Er sagt: „In den vergangenen ein, zwei Jahren gab es Äußerungen, die ich in dieser Form nicht mehr erwartet hätte. Es gibt da eine konservative Aufwallung.“

Dennoch hält Kaufmann die von der Parteiführung geforderte Modernisierung nicht für ein Lippenbekenntnis: „Die CDU hat in den vergangenen Jahren oft gezeigt, dass sie mit gesellschaftspolitischen Veränderungen mitgeht, etwa beim Thema Kinderbetreuung.“ Er schränkt jedoch ein: „Es gibt nun mal Themen, bei denen noch dicke Bretter zu bohren sind, wo noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Dazu zählt die Öffnung der Ehe.“

Stefan Kaufmann hat seinen Wahlkreis in Stuttgart, einer grün regierten Großstadt in einem grün regierten Bundesland - er weiß um die Schwierigkeiten seiner Partei, Anklang unter Städtern zu finden. Er rät ihr Folgendes: „Die CDU muss lockerer werden, sie muss sich öffnen für die Vielfalt von Lebensformen.“ Dies bedeute auch ein entspannteres Verhältnis zur Kirche: „Wir sind zwar eine Partei mit christlicher Wertorientierung“, sagt Kaufmann. „Aber deshalb müssen wir ja nicht die Kirchenprogrammatik eins zu eins übernehmen.“

Die zentrale Frage ist doch aber, ob das möglich ist: sich für die Vielfalt in der Gesellschaft zu öffnen, eine Jedermann- und Jedefrau-Partei zu sein - und dennoch Profil zu haben oder, wie Werber sagen würden, einen Markenkern aufzuweisen. Ein Drahtseilakt, den Kaufmann seiner Partei zutraut, auch aus eigener Anschauung bei ihm in Baden-Württemberg: Die Grünen hätten ja gezeigt, sagt Kaufmann leicht ironisch, dass man als konservativer Landesverband mit gesellschaftlicher Offenheit Mehrheiten gewinnen kann. Was wiederum die Frage aufwirft, ob „Meine CDU 2017“ womöglich ein Schritt in Richtung einer schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene ist. „Zumindest“, sagt Kaufmann, „machen die Vorschläge eine solche Konstellation nicht unwahrscheinlicher.“

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