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Landwirtschaft

Die Gentechnik stößt auf wenig Gegenliebe

Von Dr. Margit Kautenburger

Wem gehört ein Schwein – dem Bauern, der das Tier aufzieht, oder einem Konzern, der sein Wissen über das Tier patentieren lässt? Um diese Frage streiten Bauern und Umweltschützer mit dem Europäischen Patentamt in München.
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Statt durch Gentechnik auch durch sorgfältiges Unterpflügen der Stängel schützbar: Mais-Anbau in Deutschland.

© Volker Hartmann/ddp

Mit 20 Traktoren zogen gestern 300 Demonstranten vor die Behörde, um einen Sammeleinspruch gegen ein Schweinezuchtpatent abzugeben. Es geht um ein Verfahren, mit dessen Hilfe schnell wachsende Tiere mit viel Fleisch produziert werden sollen.

Gentechnik stößt in Deutschland auf wenig Gegenliebe. Gerade hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Aussaat der Genmaissorte Mon 810 des Agrarkonzerns Monsanto verboten. Das US-Unternehmen hat auch das Patent zur Züchtung der Schweine mit dem Schnellwachsgen beantragt. Schon seit Jahrhunderten werden Tiere mit dieser Genvariante gezüchtet. Monsanto hat ein Verfahren erfunden, das das Gen identifiziert – und so die Züchtung erleichtert. Wer die Patentrechte besitzt, hält automatisch auch das Patent auf alle Tiere, die auf diese Weise gezüchtet werden – und auf die Nachfahren dieser Tiere.

Nach Ansicht von Kritikern steht die bäuerliche Landwirtschaft durch solche Monopole auf dem Spiel. Bauernverband und Milchviehhalter fürchten, Landwirte müssten künftig Gebühren an den Patentinhaber zahlen. „Die Nachzucht könnte schwieriger und teurer werden“, kritisiert Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner. Er spricht von einem „Sündenfall“, falls dieses Patent nicht zurückgenommen werde. Sein Verband wendet sich auch gegen den Genmaisanbau, Saatzüchter sehen dagegen Vorteile für die Landwirte, und die Verbraucher lässt der Streit ratlos. Viele fragen sich, was so schlimm an der Gentechnik ist.

Was ist eigentlich Genmais?
Schon der Ausdruck führt in die Irre. Er vermittelt den Eindruck, als enthielte konventioneller Mais keine Gene. Dabei besteht das Erbgut aller Lebewesen aus Genen. Jeder, der in einen Apfel beißt oder ein Steak isst, nimmt fremde Gene auf. Der Genmais Mon 810 besitzt ein zusätzliches, künstlich eingebrachtes Gen des Bakteriums Bacillus thuringiensis. Es macht ihn widerstandsfähig gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, der große Schäden anrichtet. Der Genmais produziert dagegen ein Gift, er stellt sein eigenes Pflanzenschutzmittel her. Doch die Gentechnik überschreitet Artgrenzen. Welche Folgen dies hat, ist unklar.

Wie viel gentechnisch veränderte Pflanzen werden angebaut?
Mon 810 ist bislang die einzige Genpflanze, die in der EU kommerziell angebaut werden darf. In Deutschland darf sie nun nicht mehr auf den Acker. Ursprünglich sollte 2008 auf 3600 Hektar Genmais angebaut werden. Das wären nur 0,18 Prozent der gesamten Maisanbaufläche gewesen. Weltweit werden auf 125 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, der dreieinhalbfachen Fläche Deutschlands oder acht Prozent der globalen Landwirtschaftsfläche. Derzeit boomt der Genmaisanbau für Biomasse. Auf dem Vormarsch ist die grüne Gentechnik in den USA, Kanada, Südamerika und Asien. In Argentinien sind bereits 99 Prozent des Sojas gentechnisch verändert. Auch in der EU sollen in diesem Sommer neue Maissorten zugelassen werden. Außerdem wartet BASF auf grünes Licht aus Brüssel für die Kartoffel Amflora. Sie liefert Stärke mit von der Industrie gewünschten Eigenschaften.

Wo ist Gentechnik drin?
Obwohl in Deutschland kaum Genpflanzen wachsen, kommt gentechnisch veränderte Nahrung auch hier auf den Tisch. Tierprodukte wie Milch, Eier und Fleisch enthalten oft Gentechnik, und zwar indirekt über aus dem Ausland importierte Futtermittel. Sie müssen nicht gekennzeichnet werden. Genmanipulierte Zutaten müssen dagegen klar ausgewiesen sein. Auch süße Snacks, Tütensuppen oder Fertigbackwaren sind oft nicht gentechnikfrei. Die meisten Verbraucher wollen eine klarere Kennzeichnung.

Brauchen wir Gentechnik?
Agrarunternehmen wie Monsanto verweisen auf die wachsende Weltbevölkerung und die Energieversorgung. Die manipulierten Pflanzen benötigen nach ihren Angaben weniger Pflanzenschutzmittel, die Ernteerträge fielen höher aus. Bislang sei der Nutzen für Verbraucher kaum ersichtlich, räumen Firmen wie BASF ein, doch das werde sich ändern, zum Beispiel durch Öle mit wertvolleren Inhaltsstoffen oder Getreide, die weniger Allergien auslösten. Befürworter warnen zudem, im Falle von Verboten würden Forscher oder ganze Firmen ins Ausland abwandern.

Warum stößt die grüne Gentechnik trotz dieser Vorteile auf große Skepsis?
Umweltschützer kritisieren, dass Genpflanzen sich unkontrolliert auf andere Äcker ausbreiten können. Konventionell arbeitende Bauern und Biobauern sorgen sich, bald keine reinen Produkte mehr anbieten zu können. Genmanipuliertes Saatgut sei teuer und bringe Landwirte in die Abhängigkeit von Großkonzernen. In Indien habe dies zahlreiche Baumwollbauern in den Ruin getrieben. Genmais schade auch nützlichen Insekten wie Schmetterlingen, Honigbienen, Spinnen und Regenwürmern. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringere sich nicht, weil Schädlinge natürliche Widerstandskraft gegen die von den Genpflanzen produzierten Gifte entwickelten. Der weltweite Einsatz nur weniger Sorten führe zum Schwund der überlebenswichtigen Artenvielfalt.

Was sind die Alternativen?
Zum Kampf gegen den Maiszünsler reichen konventionelle Methoden. Durch Häckseln der Erntereste, sorgfältiges Unterpflügen der Stängel und eine vielfältige Fruchtfolge lässt sich der Befall verhindern. Freilich gibt es andere Schädlinge, die auch mit guter landwirtschaftlicher Praxis allein nicht zu bekämpfen sind.

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