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Deutschland / Welt Die Knolle der Deutschen
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10:01 07.08.2018
Kulturpflanze der Inkas: Kartoffelernte in Deutschland. Quelle: dpa
Hannover

Die Pommes werden dünner,weil die Dürre in diesem Jahr die Kartoffelernte dezimiert. Und doch ist der Erdapfel in aller Munde in diesem heißen Sommer. Die behäbige Knolle ist in der Integrationsdebatte zum Synonym für Menschen ohne Migrationshintergrund geworden. In den Feuilletons und sozialen Netzwerken erhitzen sich derzeit die Gemüter darüber, ob die Bezeichnung als Alman oder eben Kartoffel eine Form von Diskriminierung ist. Auch Bio-Deutscher ist solch ein umstrittener Begriff, wobei Bio sich hier von Biografie ableitet und keinesfalls mit einem Gütesiegel für Bio-Kartoffeln verwechselt werden darf. „Spiegel Online“ führte gar ein fiktives Interview mit der „bedrohten Kulturpflanze Kartoffel“ (Überschrift: Muss wieder mehr Stärke zeigen). Nun hat also auch die Mehrheitsgesellschaft Anteil an #MeTwo, jener Twitter-Bewegung, die Alltagsrassismus anprangert.

Die Kartoffelaffäre ist ein schönes Beispiel für eine Debatte, die sich vom Sofa aus führen lässt wie eine echte Couch-Potato, während die Politiker unter dem Motto „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ ihren Kurs wechseln.

Übrigens steht ausgerechnet die Kartoffel dafür, wie sich die Vorstellung vom Deutschen ändert. Diese alte Kulturpflanze wurde schon von den Inkas angebaut und gelangte erst im 17. Jahrhundert nach Europa. König Friedrich II. von Preußen musste sein Volk sogar mit einer List für die fremde Knolle begeistern: Indem er die Felder von Soldaten bewachen ließ, suggerierte er ihren Wert. Die deutsche Knolle, sie hat also in Wahrheit einen Migrationshintergrund. Und wer bezweifelt, dass solche Zugezogenen einen Beitrag zur Kultur leisten können, der ist wahrscheinlich der Bauer mit den dicksten Kartoffeln.

Von Nina May

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