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„Die Grünen sind die FDP des dummen Mannes“

Martin Sonneborn im Interview „Die Grünen sind die FDP des dummen Mannes“

Fast 80.000 Zweitstimmen, trotzdem erreichte die Partei mit Forderungen wie „Das Bier entscheidet“ und „Merkel ist doof“ nicht das anvisierte Wahlziel von „100 plus X“. Jetzt will die Satirepartei ins Europaparlament. Ein Interview mit ihrem Vorsitzenden, dem Satiriker Martin Sonneborn.

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Martin Sonneborn, Vorsitzender der Satirepartei Die PARTEI, bei einer Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl 2013.

Quelle: dpa

Herr Sonneborn, sie als Parteivorsitzender, was sagen Sie zum Ausgang der Bundestagswahl?

Wir sind mit der Analyse viel schneller als die anderen Parteien: Wir haben die Wahl verloren, das ist wohl eindeutig. Unser Ziel waren 100 Prozent plus X, wir haben leider nur die plus X realisieren können, nämlich 0,2 Prozent. Letztendlich konnten wir aber nur von einem Drittel der Wahlberechtigten gewählt werden, da wir nur auf fünf Landeslisten standen. Das wird vor allem in Hinblick auf die Europawahl 2014 interessant: Da wollen wir einen Mann nach Brüssel schicken.

Ihre 0,2 Prozent sind die Prozentpunkte, die der von ihnen so titulierten „Spaßpartei“ FDP zum Einzug in den Bundestag fehlten. Wie empfanden Sie diese Nachricht?

Das war eine tiefe Befriedigung für uns. Außerdem haben wir jetzt Zeit, um uns einem neuen Gegner zuzuwenden: den Grünen.

Der eine ist erst 26, der andere 77. Der eine ermittelte zuvor in allerlei Mordfällen, die andere hat gerade erst einen jähen politischen Absturz hinter sich. Das sind die bemerkenswertesten Einzüge in den Bundestag:

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Sollten sie sich nicht viel eher der AfD zuwenden?

Es geht bei uns nicht nach politischer Bedeutungslosigkeit, sondern nach Antipathie. Die Grünen sind die neuen Liberalen, die FDP des kleinen dummen Mannes und seiner Frau. Sie können problemlos unser neues Feindbild werden, so bedeutungslos und ausgelutscht. Und das mit den Kindern hätten sie wirklich nicht machen sollen.

Wie konnte es passieren, dass Sie an der fünf Prozent Hürde gescheitert sind?

Wir hatten definitiv zu viele Inhalte. Unser Motto war „Inhalte überwinden“ und dann haben wir auf unseren Plakaten doch mehr Inhalt als die anderen Parteien: etwa mit dem Plakat „Merkel ist doof“. Die Staatsanwaltschaft prüft es übrigens zurzeit. Ich vermute, dass sich Merkel jetzt einem komplizierten Intelligenztest unterziehen muss.

Letztendlich konnten die angepeilten 100 Prozent nicht erreicht werden. Wird das personelle Konsequenzen haben?

Wir sind eine straff zentrierte, Führer-orientierte Partei, deswegen denke ich nicht, dass das passieren wird. Außerdem haben wir unser Wahlergebnis steigern können. Bei den U18 Wählern holen wir bereits drei Prozent, es wird also nur Zeit, dass die alten Wähler wegsterben und die jungen nachkommen.

Als die ersten Hochrechnungen kamen und Die PARTEI war nicht darunter, was haben Sie da empfunden?

Auf Hochrechnungen sollte man nicht allzu viel geben. Das Ergebnis hat mich dann nicht allzu sehr überrascht, 100 Prozent wären eher eine Überraschung gewesen. Für die Europawahl streben wir deshalb jetzt ein Prozent an, um am Ende hundert zu bekommen. Wir haben auch als erste Partei eine Europawahlliste aufgestellt mit 60 Kandidaten. Unser Plan ist es, dass nach einem Monat jeweils zurückgetreten wird. Ein Monat reicht für Brüssel völlig. Als Nummer eins der Europaliste würde ich damit den Anfang machen.

Heiß und fettig: Politiker lassen sich im Wahlkampf immer wieder von Fotografen dabei ablichten, wie sie in eine Bratwurst beißen. Das soll Volksnähe beweisen. Der Journalist, Blogger und Bratwurstexperte Constantin Alexander kommt zu dem Schluss: Würdevolles Bratwurstessen ist nahezu unmöglich.

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Was erwartet die Bundesrepublik die nächsten vier Jahre von der Regierung?

Die nächsten vier Jahre werden wie die vergangen vier. Mit uns dagegen hätte es eher eine Umverteilung von oben nach unten gegeben, wir sind für ein Existenzmaximum und haben ja auch plakatiert, dass wir die 100 reichsten Deutschen umnieten lassen würden. Natürlich hätten wir das als Regierungspartei vorher per Gesetz legalisiert.

Ein anstrengender Wahlkampf liegt hinter Ihnen, was kommt jetzt an Basisarbeit auf Sie zu?

Wir machen jetzt erst einmal vier Wochen Pause und schauen in Ruhe, was passiert. Wir sind ja eine Partei, die reagiert. Ansonsten warten wir, dass die Zeit uns in die Karten spielt, dass die jungen Wähler kommen und die alten wegsterben.

Welchen politischen Rat geben Sie denn der FDP noch mit auf den Weg?

Der FDP rate ich unser neues Buch zu lesen. Dafür haben Sie in den kommenden Jahren genügend Zeit. Zu unserer iDemo vor dem Brandenburger Tor haben wir 25.000 Botschaften an Angela Merkel gemailt bekommen, die Hälfte war allerdings nicht jugendfrei. Aus dem Rest machen wir gerade ein Buch, das zur Buchmesse fertig sein soll: „Bundesliga raus aus Afghanistan – 25.856 Mails an Merkel. Was die Deutschen wirklich wollen“.

Interview: Imke Schröder

Die PARTEI

Die PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins „Titanic“ gegründet. Bei den diesjährigen Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein erhielt sie ihr erstes Mandat in der Bürgerschaft in Lübeck. Mit Forderungen wie der Einführung einer Faulenquote und der Forderung nach dem Wiederaufbau der Mauer sorgte Die PARTEI immer wieder für Aufsehen. Der ehemalige Chefredakteur des „Titanic“-Magazins, Martin Sonneborn (48), ist Parteivorsitzender, arbeitet für die „heute-Show“ im ZDF und für die Satire-Rubrik „Spam“ bei Spiegel-Online.

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