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Deutschland / Welt Die Stille vor Jamaika
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12:00 13.11.2017
Symbol der Langsamkeit: Politiker bei den Sondierungsgesprächen auf dem Bakon der Parlamentarischen Gesellschaft. Quelle: dpa
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Berlin


Seit Deutschland geschäftsführend regiert wird, klappt im Land nichts mehr. Züge fallen aus, die Staus auf den Autobahnen sind zum Alltag geworden, der Flugverkehr ist beeinträchtigt. Während die Parteien verhandeln, fühlen sich die Bürger alleingelassen. Viele haben beschlossen, ihre Halloween-Kostüme aus Protest gegen den Dauerfrost bis Weihnachten zu tragen. Kaum haben die Grünen der FDP die Hand geschüttelt, wurde das Wetter schlechter. Die CSU schaltete sich in die Gespräche ein, die Kältewelle hielt an. Wenn sie weiter so verhandeln, verwandelt sich das Land in einen demokratischen Eisberg.

Meine Heimat kennt dieses Problem nicht. Die Führung traut dem Volk in Russland nicht, sie glaubt, es würde, wenn es nur die Wahl hätte, sofort Idioten oder Schurken wählen. Die Wahl wird daher auf einen Kandidaten beschränkt und die Aufmerksamkeit der Menschen auf die deutsche Koalition gelenkt, die nicht zustande kommt. Seht ihr, was passiert, wenn man zu viele Kandidaten hat? Das Land geht zum Teufel, behaupten die russischen Staatsmedien. Ebenfalls aufmerksam nahm die russische Führung zur Kenntnis, dass sich Kevin Spacey als schwul outete. Gleich danach wurde seine Serie eingestellt. Und was ist eigentlich mit Tschaikowski, fragte die Führung. Er war doch auch schwul und hat bestimmt seine Komponistenkollegen belästigt. Trotzdem wird der „Schwanensee“ weiter aufgeführt. Können wir nicht den „Schwanensee“ mindestens aus dem Fernsehprogramm verbannen? Die Führung weiß es von früher: Immer wenn „Schwanensee“ lief, stand dem Land ein Machtwechsel bevor.

Wladimir Kaminer ist Schriftsteller und lebt in Berlin.

Von Wladimir Kaminer

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