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Trump und die US-Elite: "Die Blase ist geplatzt"

Universitätsstadt Boston Trump und die US-Elite: "Die Blase ist geplatzt"

Donald Trump hat sich in seinem Wahlkampf oft über die "abgehobene" Ostküsten-Elite der USA aufgeregt. In Boston ist diese zu Hause. Die meisten Einwohner der Stadt, die für ihre Elite-Universitäten berühmt ist, sind fassungslos über den Wahlausgang. Doch so mancher versucht der Situation auch etwas positives abzugewinnen. 

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"Ich denke, viele Leute haben nicht über die Konsequenzen nachgedacht": Judith Woodruff (linkes Bild) ist in großer Sorge nach der Wahl von Donald Trump. Mary Glillash (rechtes Bild, rechts) schließt sich dem an.

Quelle: Wolter/M

Boston. "Ich hoffe und bete, dass er nicht die Katastrophe ist, für die wir ihn halten“, sagt Edwena Salako. Sie hat den Abend, an dem Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, bis tief in die Nacht allein in ihrer Bostoner Wohnung vor dem Fernseher verfolgt. Zu sagen, dass der Großteil der Einwohner Bostons Donald Trump skeptisch gegenüber steht, wäre eine Untertreibung. Weniger als 15 Prozent der Wähler haben hier für ihn gestimmt.

"Wir haben die Anderen zu lange ignoriert"

Jetzt wird Donald Trump der 45. Präsident der USA und die Menschen in Boston versuchen sich irgendwie damit abzufinden. „Wir leben hier in einer intellektuellen Wohlstandsblase und haben die Anderen zu lange ignoriert, weil wir ihre Sorgen nicht teilen“, kommentiert Hillary Woodruff den Wahlausgang. Mit der Wahl ist die Blase geplatzt.

Trump hat sich in seinem Wahlkampf oft über die „abgehobene“ intellektuelle Ostküsten-Elite der USA aufgeregt. In Boston ist diese zu Hause. Wer hier zur rush hour mit der Straßenbahn fährt sieht aufgeschlagene Bücher und manchmal Notenblätter in den Händen der Mitfahrer. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der „Bostonians“ liegt 6.000 Dollar über dem US-Durchschnitt. Rund 45 Prozent der Menschen in Boston über 25 besitzen einen Universitätsabschluss, fast ein Drittel der Einwohner wurde im Ausland geboren.

Hier hat Trump keine Mehrheit: Die meisten Einwohner der Stadt Boston, die für ihre Elite-Universitäten wie Harvard und das MIT berühmt ist, sind fassungslos über den Wahlausgang.

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Keine andere US-Stadt weist so eine Dichte an Colleges und prestigeträchtigen Universitäten auf wie Boston. Während die Beteiligung an einem Nobelpreis für hannoversche Wissenschaftler eine Sensation ist, ist es in Boston eher eine, wenn mal zwei Jahre lang kein hiesiger Forscher nominiert wird. Allein an den drei größten Universitäten, Harvard University, Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Boston University studieren über 65.000 junge Menschen.

Kurz vor der US-Wahl beklebte ein Aktivist den Campus der Boston University mit besonders rassistischen und sexistischen Trump-Zitaten wie „If Hillary Clinton can’t satisfy her husband, what makes her think she can satisfy America?“ („Wenn Hillary Clinton schon ihren Ehemann nicht befriedigen kann, wie kommt sie darauf, dass sie Amerika befriedigen könnte?“). Den meisten Studenten gefiel die Protest-Aktion.

"Vielleicht ist mangelnde politische Erfahrung ja etwas Positives"

Wie viele in Boston ist der 19-jährige Zachary McCabe nicht einverstanden mit seinem neuen Präsidenten. „Ich musste nach der Wahl an meine Freundin und an meine Mutter denken“, sagt McCabe, „da sagt und tut jemand monatelang frauenverachtende Dinge und wird trotzdem Präsident. Was sagt das über uns aus?“ Der 19-Jährige will jetzt aktiv werden, einen Club an seiner Schule gründen, „ein positives Zeichen“ setzen. Gegen Trump.

Auch Mary Glillash ist erschrocken über die Wahl von Donald Trump: „Wir fühlen uns auf einmal völlig isoliert. Für mich ist es nicht nachvollziehbar wie man so jemanden wählen kann“, sagt sie. Ihre beiden Kinder gehen in Boston zur Schule. Sie macht sich Sorgen um sie und um die politische Stabilität Amerikas.

Ihre Freundin Hillary Woodruff versucht der Wahl etwas Positives abzugewinnen, „Vielleicht ist seine mangelnde politische Erfahrung ja etwas Positives“, sagt Woodruff. Sie erzählt, wie festgefahren die politische Situation in den USA sei, dass die Parteien nur noch gegeneinander und nicht miteinander arbeiteten. Woodruff hofft, dass der Wahlausgang daran etwas ändert – auch wenn sie „angewidert“ davon ist, dass über 60 Millionen Amerikaner für Trump gestimmt haben.

"Wie bewerten Sie das Ergebnis der US-Wahl?"

Nachgefragt bei Jonah Schulhofer-Wohl, Ph.D. und Assistenzprofessor für Politikwissenschaft an der Harvard Universität  

"Viele sehen die Ergebnisse der Wahl als Beweis für einen fundamentalen Wandel in der US-Politik, der gerade stattfindet, dabei ist die Parteienlandschaft in den USA schon seit mindestens 16 Jahren tief gespalten - wenn nicht schon noch länger. Es ist gefährlich, jetzt schnelle Schlüsse aus der diesjährigen US-Wahl zu ziehen ohne dabei die tieferliegenden und älteren Problematiken der US-Politik zu erkennen, die ihr zugrunde liegen."

Immerhin einer dieser 60 Millionen Trump-Anhänger findet sich dann auch noch an diesem Bostoner Vormittag. Alex ist gerade auf dem Weg zur Bank of America und bereit für ein Gespräch. Er hat Donald Trump seine Stimme gegeben und freut sich für Amerika. Die Stärke der USA sei nicht der in den letzten acht Jahren von Obama betriebene „Sozialismus“ sondern Kapitalismus, sagt Alex. Seinen Nachnamen will er nicht nennen, auch für ein Foto ist er nicht bereit. Als Begründung nennt er den Umgang mit Menschen wie ihm hier in Boston. Ein Bekannter von ihm habe sich getraut ein „Vote Trump“-Schild in seinem Vorgarten aufzustellen, vier Mal hätten „sie“ es niedergerissen.

Es stimmt schon. Trump-Unterstützer haben es derzeit nicht leicht in Boston. Die hier ansässige Firma New Balance hat die Wahl Trumps zum US-Präsidenten öffentlich begrüßt. Kurz darauf erschienen im Internet die ersten Videos von Personen, die ihre New Balance-Turnschuhe verbrannten. Auf den Straßen Bostons trägt sie heute niemand.

Von Nadine Wolter, Boston

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