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Die politischen Spiele der kleinen Schwester

Kommentar zu Olympia Die politischen Spiele der kleinen Schwester

Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Spielen in Pyeongchang erweisen sich womöglich als ein wichtiger Schritt in Richtung Frieden.

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Charmeoffensive im Süden: Kim Yo Jong spricht mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in während eines Konzerts des nordkoreanischen Samjiyon Orchesters in Seoul.

Quelle: AP

Pyeongchang. Ein ganzes Jahr hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Un eine Hasstirade nach der anderen gegen Südkorea und die USA abgefeuert. Das Kim-Regime drohte gar mit einem Inferno. Ein Atomkrieg schien nahe. Dann schickte der Diktator seine kleine Schwester ins Feindesland. Kim Yo Jong, gerade 30, lächelt, schüttelt Hände – und auf einmal scheint Versöhnung denkbar.

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang gehörte zu den spannendsten aller Zeiten. Jedenfalls politisch. Da liefen die Teams von Nord- und Südkorea gemeinsam ins Stadion – im 70. Jahr der Teilung, die Familien zerrissen und zwei einander feindlich gesinnte Gesellschaftssysteme geschaffen hat. Zwei Athleten, einer aus dem kommunistischen Norden, einer aus dem demokratischen Süden, schwenkten Arm in Arm die Einheitsfahne. Sehr viele Tränen flossen in diesem bewegenden Moment.

Pjöngjang und Washington zusammenbringen

Was politisch noch schwerer wiegt: Der erste Besuch eines direkten Mitglieds der Kim-Dynastie in Südkorea zeigt, dass beide Staaten nicht länger gewillt sind, ihr Verhältnis zueinander von der jeweiligen Schutzmacht diktieren zu lassen.

Bei der Eröffnungsfeier setzten die Gastgeber auf der Ehrentribüne die Nordkoreanerin ausgerechnet direkt hinter US-Vizepräsident Mike Pence. Der würdigte die einflussreiche Kim-Schwester keines Blickes. Das gemeinsame Abendessen der Staats- und Regierungschefs verließ die US-Delegation nach fünf Minuten – wegen der Anwesenheit Kims.

Auch wenn Südkoreas Präsident Moon Jae In nicht erfolgreich war, sein Ansinnen ist offensichtlich: Der erst seit vergangenen Mai regierende Linksliberale will Pjöngjang mit Washington zusammenbringen. Doch Washington mauert.

Mit der Olympia-Teilnahme Nordkoreas ist viel gewonnen

Pence bekräftigt, sollte Kim Jong Un sein Atomwaffenprogramm nicht einstellen, würden die USA dafür sorgen, dass die Sanktionen gegen den Stalinistenstaat noch mehr ausgeweitet werden. Das Regime in Pjöngjang keift zurück, es habe nie um einen Dialog mit den USA gebeten. Beide Aussagen lassen befürchten, dass der Konflikt schon nach den Spielen wieder aufflammen wird.

Zu echtem Frieden wird es auf der koreanischen Halbinsel auch 2018 nicht kommen. Und doch ist mit der Teilnahme Nordkoreas an Olympia viel gewonnen. Sie steht für die Einsicht, dass sich dieser Konflikt nicht mit Konfrontation, Waffengewalt und Sanktionen lösen lässt, sondern nur im Dialog. Ein Anfang ist gemacht. Der Wintersport mag darunter leiden, dass die Politik sich nach vorn drängt. Wenn es aber gelingt, von Olympia aus wenigstens auf einen Abrüstungskurs zu kommen, dann werden diese Tage als Anfangspunkt eines Friedensprozesses in die Geschichte eingehen.

Das entspricht dann doch dem olympischen Gedanken.

Von Felix Lee/RND

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