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Trump holt sich einen Scharfmacher

Umbau des Wahlkampfteams Trump holt sich einen Scharfmacher

Getrieben von miserablen Umfragewerten und Zweifeln in seiner eigenen Partei reagiert Donald Trump mit einem Umbau seines Wahlkampfteams. Ruhiger dürfte es nun nicht werden. Im Gegenteil: Der US-Präsidentschaftskandidaten baut auf einen radikalen Scharfmacher.

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Stephen Bannon (re.) ist der neue Wahlkampfstratege von Donald Trump (li.).

Quelle: dpa/afp

New York. Der Scharfmacher holt sich einen Scharfmacher an die Seite. Stephen Bannon, der neue Wahlkampfstratege von Donald Trump, ist ein Alter Ego des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten. Der bisherige Chef der ultrakonservativen Website "Breitbart News" steht für brutale Polemik.

Mit Bannons Berufung macht der in den Umfragen weit hinter seine Rivalin Hillary Clinton zurückgefallene Kandidat deutlich, dass er nicht daran denkt, sich in den letzten knapp drei Monaten bis zur Wahl zu zügeln. Durch den Umbau seines Teams hat Trump de facto seinen Wahlkampfleiter Paul Manafort degradiert, der zwar seinen Titel behalten darf, aber an Einfluss verliert.

Schwarzgeld-Vorwürfe gegen degradierten Wahlkampfleiter

Manafort hatte laut Medienberichten vergeblich versucht, mäßigend auf den Rechtspopulisten einzuwirken. Viele Vertreter der republikanischen Elite fürchten inzwischen nicht nur, dass die Präsidentenwahl verloren geht, sondern auch dass die Mehrheiten im Kongress gefährdet sind.

Doch Trump gibt sich stur und machte in einem Interview erneut klar, dass er sich nicht ändern wolle. Von Manafort fühlte er sich offensichtlich missverstanden. Trump habe sich "eingeengt" und "kontrolliert" gefühlt, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Trumps Umfeld. Hinzu kommt, dass Manafort selbst massiv unter Druck steht: Er wird verdächtigt, während seiner früheren Beratertätigkeit in der Ukraine Schwarzgeld in Millionenhöhe von prorussischen Kreisen kassiert zu haben.

Bannon will für seine Arbeit als Geschäftsführer der Kampagne eine Auszeit von seiner publizistischen Arbeit nehmen. Über "Breitbart News" hatte er Trump schon bisher massiv unterstützt. Die Website ist ein Forum der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung und reitet harte Attacken gegen Demokraten wie moderate Republikaner. Das Portal streut auch gerne Gerüchte über Clinton - wie zuletzt jenes über vermeintliche schwere Gesundheitsprobleme der Demokratin.

Die "rechte Antwort" auf Michael Moore

Trumps früherer Wahlkampfmanager Corey Lewandowski beschreibt Bannon als "Straßenkämpfer, der bereit ist, direkt auf seine Gegner loszugehen". Der 62-Jährige ist durch eine bewegte Vita abgehärtet. Bannon wuchs in einer Arbeiterfamilie in Norfolk im Bundesstaat Virginia und diente in der Marine. In seiner Militärzeit war er im Arabischen Meer und im Persischen Golf stationiert und arbeitete danach als Spezialist für Flottenoperationen im Pentagon.

Später wechselte Bannon in die Geschäftswelt. Nach einem Abschluss an der berühmten Harvard Business School arbeitete er für die Investmentbank Goldman Sachs, wo er auf die Geschäfte mit Medienunternehmen spezialisiert war. Danach gründete Bannon seine eigene Filmproduktionsfirma. Er drehte lobhudelnde Dokus über die erzkonservative Republikanerin Sarah Palin und den Ex-Präsidenten Ronald Reagan, wodurch er sich einen Ruf als die rechte Antwort auf den linken Filmemacher Michael Moore erwarb. Zuletzt produzierte Bannon "Clinton Cash". In dem polemischen Film geht es darum, mit welchen Methoden die frühere First Lady und ihr Mann reich geworden sind.

"Breitbart News" leitete Bannon seit dem Tod des Gründers Andrew Breitbart vor vier Jahren. Bannon ging selbst dann nicht auf Distanz zu Trump, als eine seiner Reporterinnen dessen damaligen Wahlkampfmanager Lewandowski im Frühjahr beschuldigte, sie physisch attackiert zu haben. Aus seiner Redaktion soll Bannon dafür laut "New York Times" heftig kritisiert worden sein.

Beim Wechsel ins Trump-Team hat ihm die damalige Zurückhaltung jetzt womöglich geholfen. Ob Bannons Rezepte dem Kandidaten allerdings weiterhelfen werden, ist fraglich. Denn eine Verschärfung der Kampagne dürfte die Wähler aus der politischen Mitte noch mehr verschrecken. Die "Washington Post" nannte Bannon deshalb den verkörperten "Stinkefinker an das republikanische Establishment". Dieses kann nun wohl seine letzten Hoffnungen beerdigen, dass der Kandidat noch zu bändigen ist.

afp/RND/zys

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