Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Das „Frankenstein-Monster“ der Republikaner

Donald Trump Das „Frankenstein-Monster“ der Republikaner

Jahrelang haben die Konservativen die Politik in den Vereinigten Staaten vergiftet, nun erntet Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die Früchte und hat ernsthafte Chancen – zum Ärger der „Grand Old Party“. Ein Bericht kurz vor dem "Super Tuesday" von unserem USA-Korrespondenten Stefan Koch.

Voriger Artikel
Russland verschärft Bombardierungen auf Rebellen
Nächster Artikel
Tote bei Anschlag auf Hotel in Mogadischu

Donald Trump feiert Erfolg nach Erfolg – das nächste Mal womöglich schon am Dienstag.

Quelle: dpa

Washington. Das bisher Undenkbare rückt näher. Am Dienstag, wenn in mehreren Bundesstaaten gleichzeitig die parteiinternen Vorwahlen stattfinden, könnten die Republikaner einen Sieger küren, der von der Parteiführung rundweg abgelehnt wird: Donald Trump. Allem Anschein nach wird der Multimilliardär, der Geschäftsmann, der Realityshow-Star von nun an zu einem Bewerber für das Weiße Haus, den man ernst nehmen sollte.

Seine Kampagne ist so wild, so seltsam, so lächerlich

Ezra Klein, einer der jüngsten und erfolgreichsten politischen Kolumnisten Washingtons, wendet sich mit einem dringenden Appell an seine Landsleute: „Bisher hatten wir uns über diesen Mann nur amüsiert. Seine Kampagne ist so wild, so seltsam, so lächerlich. Doch wir müssen endlich aufwachen: Es entwickelt sich eine Gefahr, die unsere Demokratie ernsthaft bedroht.“

Das Lachen vergeht Republikanern und Demokraten gleichermaßen. Viele Beobachter befürchten einen „Super ­Tuesday“ (Super-Dienstag), der alle Aufmerksamkeit dem Demagogen aus New York schenkt. Dreimal in Folge räumte Trump bei den bisherigen Vorwahlen ab. In Nevada zeigte sich, dass sogar die Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln mehrheitlich für ihn stimmen – obwohl er Mexikaner mit Verbrechern und Vergewaltigern in einen Topf wirft. Trotz seiner Stimmungsmache gegen alles, was vermeintlich nicht amerikanisch ist, wächst seine Zustimmung auch unter den Minderheiten. Ohnehin bleibt abzuwarten, wie seine jüngsten Ankündigungen bei den Wählern ankommen. So hatte Trump bei der TV-Debatte am Donnerstagabend in Houston erstmals davon gesprochen, eine „neue und stärkere republikanische Partei aufzubauen“ – was auch immer das heißen mag.

Die bisherige Kalkulation der Parteiführung, dass sich der eigenwillige Kandidat schon von selbst entzaubern werde, geht nicht auf. Ganz im Gegenteil: Obwohl „The Donald“ von Mitbewerbern wie Ted Cruz und Jeb Bush gezielt angegriffen wurde, stiegen seine Popularitätswerte. Ausgerechnet „Fox News“, der Haussender der amerikanischen Konservativen, ging den Immobilienkönig in den TV-Debatten am schärfsten an. Die Journalisten konfrontierten Trump unter anderem mit seinen früheren Aussagen, in denen er sich damit brüstete, Sponsor der Demokratischen Partei und insbesondere von Hillary Clinton zu sein. Doch sämtliche Angriffe scheinen an dem 69-Jährigen abzuprallen. Auch die Kritik von Papst Franziskus („Wer nur Mauern bauen will, ist kein Christ“) beeindruckt die große Gruppe amerikanischer Katholiken offenbar nur wenig: Die Zustimmungsraten für Trump klettern trotz des Konflikts mit dem Heiligen Vater weiter nach oben.

Robert Kagan, bekennender Konservativer und langjähriger Berater früherer US-Regierungen, sieht die tieferen Ursachen dieser Entwicklung im eigenen politischen Lager: „Die Republikaner haben ein Frankenstein-Monster geschaffen, das mittlerweile so stark ist, dass es die eigene Partei zerstören kann.“ Kagan kam nicht als Erster auf die Idee mit dem drastischen Vergleich. Bisher blieb dieses Sprachbild den Late-Night-Shows vorbehalten, die spöttisch über die Vorwahlen herzogen. Doch mit Spott lässt sich der rasante Aufstieg des Populisten wohl nicht mehr stoppen.

Der renommierte Politikwissenschaftler Kagan wirft seinen Parteifreunden vor, die Stimmung für einen solchen Kandidaten in den vergangenen sieben Jahren selbst geschaffen zu haben. So wurden die Entscheidungen von Barack Obama nicht nur als falsch bezeichnet, sondern zumeist auch als „unamerikanisch“ verunglimpft. Aus politischen Gegnern wurden Feinde.

Eine Totalblockade mit fatalen Folgen

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Der ideologische Graben, den der 44. Präsident überwinden wollte, wurde tiefer und tiefer. Es mag kurios klingen, aber Präsidenten wie Ronald Reagan, George Bush oder George W. Bush wären heutzutage in der „Grand Old Party“ wohl gar nicht mehr vermittelbar. Kagans Fazit: Die Wut gegen das „Establishment“ in Washington sei eine Kampagne gewesen, um sämtliche Kompromisse in ein schlechtes Licht zu rücken und die Regierung auszubremsen. Eine Totalblockade mit fatalen Folgen.
Dass die Zeit knapp wird, zeigt sich auch im Kongress. Die ersten Abgeordneten sprechen sich bereits offen für Trump aus: „Die Zeit ist gekommen, um Nein zu Berufspolitikern zu sagen und Ja zu jemandem, der Jobs geschaffen und ein Unternehmen zum Laufen gebracht hat“, lässt etwa Chris Collins, Abgeordneter aus dem Bundesstaat New York, seine Parlamentskollegen wissen. Und Trumps bisheriger Gegner, New Jerseys Gouverneur Chris Christie, empfahl ihn am Freitag ausdrücklich als Präsident. 

Ohnehin sind moderate Kandidaten bei der „Grand Old Party“ seit dem Ausstieg von Jeb Bush nicht in Sicht. Wer sich die beiden aussichtsreichsten Kandidaten hinter dem „Front Runner“ anschaut, stellt fest: Groß sind die inhaltlichen Unterschiede zu Trump nicht. Auch Marco Rubio und – noch vehementer – Ted Cruz beschreiben die Parlamentskammern in der US-Hauptstadt als Schlangengruben. „Überparteilichkeit“ kommt in ihren Reden einem Schimpfwort gleich. Ebenso wie Trump wollen auch Cruz und Rubio mit eiserner Hand gegen illegale Immigranten vorgehen, die Bürokratie beschränken und die Ausweitung der Krankenversicherung „Obamacare“ in der Luft zerreißen. Ganz zu schweigen vom Waffenrecht, das die Republikaner trotz der fürchterlichen Amokläufe nicht anrühren wollen.

Den beiden Mitbewerbern kommt aber ein Thema in die Quere: Sie sprechen sich unverblümt für eine Politik der Militärinterventionen aus. Trump dagegen setzt zwar ebenfalls auf eine starke Armee. Von neuen Auslandseinsätzen will er jedoch nichts wissen. Amerika, so der Wahlkämpfer, sei sich selbst genug.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Unterstützung für Trump
Foto: Die Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio (v. l.), Ted Cruz, Donald Trump und John Kasich begrüßen sich.

Die jüngste TV-Debatte der Republikaner endete in der Nacht zum Freitag mit einer faustdicken Überraschung: Alle Bewerber im Rennen um das Weiße Haus versprachen, am Ende der Vorwahlen jeden Präsidentschaftskandidaten der Partei zu unterstützen - auch wenn dies Donald Trump sein sollte.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt
Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.