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Doppelanschlag mit vielen Toten erschüttert Norwegen

Terrorattacken Doppelanschlag mit vielen Toten erschüttert Norwegen

Erst explodiert eine Bombe in Oslos Regierungsviertel, dann ereignet sich eine wilde Schießerei in einem Jugendcamp: Zwei Terrorattacken mit mehreren Toten haben Norwegen am Freitag erschüttert. Die Polizei glaubt an das Werk inländischer Täter, ein Norweger wurde festgenommen.

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Explosion in Oslo: „Das ganze Gebäude wurde erschüttert, wir glaubten, es sei ein Erdbeben"

Quelle: Reuters

Oslo. Der tödliche Terror trifft Norwegen völlig überraschend und mitten in der Ferienzeit. Als am Freitagnachmittag Oslos Regierungshauptquartier von einer gewaltigen Bombenexplosion erschüttert wird, ist die halbe Hauptstadt auf dem Land oder in südlicheren Gefilden. Wenig später die nächste entsetzliche Meldung aus einem Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF: Ein als Polizist verkleideter Mann feuert auf der kleinen See-Insel Utøya westlich der Hauptstadt Schüsse auf Jugendliche ab. Bilanz beider Attacken: Mindestens 17 Menschen sterben, viele weitere werden verletzt. Und die Zahl der Toten im Ferienlager, so schätzt die Polizei am späten Freitagabend, wird noch steigen.

Polizeisprecher Erik Sem-Jacobsen sagt im TV-Sender NRK: „Wir gehen davon aus, dass zwischen beiden Taten ein Zusammenhang besteht.“ Die Polizei nimmt einen 32-jährigen Norweger fest, der nach Ansicht der Ermittler sowohl für die Schüsse in dem Feriencamp als auch für den Bombenanschlag verantwortlich sein könnte. Unklar ist, ob es ein Einzeltäter war. Der Festgenommene sage bei der Polizei aus, erklärt diese, ein Motiv habe er noch nicht genannt.

Die Polizei vermutet die Drahtzieher der Anschläge im Inland und hatte zunächst keine Hinweise auf Verbindungen zum internationalen Terrorismus. Wahrscheinlicher sei eine lokale Variante, die sich gegen das politische System wende, meldet die Nachrichtenagentur NTB.

Für die Norweger, die bis dahin in friedlicher Ferienstimmung den Sommer genießen, sind es Bilder wie aus einem fürchterlichen Alptraum: In ihrer Hauptstadt irren blutende Verletzte bei regnerischem Wetter durch die Straßen des Regierungsviertels. Die Fensterfront des Hochhauses mit dem Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg ist fast völlig zerstört.

Eine schwere Explosion hat am 22. Juli 2011 das Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo erschüttert, es gab Tote und Verletzte.

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Kurz nach dem Anschlag steht fest, dass mindestens sieben Menschen der Bombe zum Opfer gefallen sind. Im Osloer Ulleval-Krankenhaus werden mehrere Verletzte behandelt. Während die Polizei aus Angst vor weiteren Detonationen in der Innenstadt den Bahnhof evakuiert, kommt die zweite schreckliche Nachricht von einer kleinen Insel westlich der Hauptstadt: Ein als Polizist verkleideter Mann schießt plötzlich auf Jugendliche, die Ferien machen. Er tötet nach Polizeiangaben mindestens zehn Menschen. Auf der Insel sei auch nicht detonierter Sprengstoff gefunden worden, erklärt die Polizei später.

Der Mann habe „wild um sich geschossen“, berichten Augenzeugen. Zu Tode verängstigte Jugendliche springen ins kalte Wasser, um sich ans Festland zu retten. Andere verschicken in Todesangst Twitter-Mitteilungen: „Es geht uns gut, wir müssen abwarten. Aber jetzt wird wieder geschossen.“

Anti-Terror-Einheit im Einsatz

Die Polizei fürchtet nach der Detonation in Oslo, dass möglicherweise noch weitere Bomben in der Innenstadt platziert sein könnten. Erst sperrt sie die Umgebung des Regierungsviertels am Youngstorget weitläufig ab, dann lässt sie nach zwei Stunden auch den Hauptbahnhof räumen.

In dem Hochhaus mit Stoltenbergs Büro im obersten Stockwerk sind mehrere Ministerien untergebracht. Das Erdgeschoss sei „wie weggeblasen“, heißt es in einem Augenzeugenbericht der Zeitung „Aftenposten“. Das Energie- und Ölministerium ganz in der Nähe sei am schlimmsten verwüstet worden. Weder der hier zuständige Minister Ola Borten Moe noch Regierungschef Jens Stoltenberg, beide von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, sind laut Polizei unter den Verletzten.

Völlige Ratlosigkeit herrscht in Oslo über die möglichen Motive. Internationaler Terrorismus oder eine norwegische Gruppe von Wirrköpfen? Am Abend - so die Polizei - scheint es auf letztere Variante hinauszulaufen. Norwegens Mitte-Links-Regierung mit Stoltenberg an der Spitze hat im Gegensatz zur Regierung im benachbarten Dänemark auf eine liberale Ausländerpolitik und einen Dialog mit muslimischen Zuwanderern gesetzt.

„Wir glaubten, es sei ein Erdbeben"

Die Zeitung „Dagbladet“ berichtet, die Ermittler gingen davon aus, dass das Öl- und Energieministerium (OED) das Ziel des Attentats war. „Es sieht aus, als ob es direkt vor unseren Büros passierte“, sagt Håkon Smith-Isaksen vom OED. Gegen 15.30 Uhr hatte ein großer Knall die Bürger Oslos aufgeschreckt. „Das ganze Gebäude wurde erschüttert, wir glaubten, es sei ein Erdbeben“, sagte ein NRK-Reporter, der sich neben dem 17 Stockwerke hohen Regierungsgebäude befand. Das Fernsehen zeigt Bilder von einer völlig zerstörten Hausfassade, aus der Rauch aufstieg. Der Boden ist mit Glassplittern zerstörter Fensterscheiben und Trümmerteilen übersät. Mitarbeiter der Tageszeitung „Aftenposten“ berichten von Opfern, die blutend auf der Straße lagen.

Bilder der NRK-Homepage zeigt, wie sich Sanitäter um Verletzte auf dem Bürgersteig kümmerten. Rettungskräfte bringen eine Frau in Sicherheit, deren blondes Haar blutverschmiert war. Passanten beuten sich über Verletzte und leisten ebenfalls Erste Hilfe.

dpa/rtr/frs/tfi

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Norwegen
Zahlreiche Rettungsfahrzeuge sind nach dem Anschlag auf das Jugendlager im Einsatz.

Wenige Stunden nach der Bombenexplosion in Oslo hat ein als Polizist verkleideter Mann auf Jugendliche in einem sozialdemokratischen Ferienlager Schüsse abgefeuert. Das meldete der TV-Sender NRK am Freitag unter Berufung auf Augenzeugen. Es soll Tote gegeben haben.

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