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Durch DNA-Spur zum Phantombild

Verbrechensbekämpfung Durch DNA-Spur zum Phantombild

An Tatorten werden häufig DNA-Spuren gefunden, die helfen, einen Täter zu überführen. Doch es ist noch mehr möglich: Man kann aus der DNA auf das Aussehen des Verbrechers schließen, so könnte ein Fahndungsbild erstellt werden. Das dafür nötige Gesetz soll in Kürze angeschoben werden.

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DNA-Analyse im Labor: Die Proben geben auch Hinweise auf das Aussehen eines Täters.

Quelle: dpa

Berlin. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will als Beweismittel in Strafverfahren das „genetische Phantombild“ zulassen. Künftig sollen Ermittler DNA-Proben aus Speichel, Blut oder Haaren auch zur Vorhersage des äußeren Erscheinungsbildes, der biogeografischen Herkunft sowie des Alters einer Person heranziehen dürfen. Das geht aus einer Beschlussvorlage zur Innenministerkonferenz (IMK) Mitte Juni in Dresden hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Ziel sei es, den Kreis potenzieller Verdächtiger besser als bislang eingrenzen zu können „und somit zielgerichtete Ermittlungen beziehungsweise Fahndungen“ zu ermöglichen. Eine „Erweiterung der Analysemöglichkeiten von DNA-Proben“, dem sogenannten Phänotyping, sei „sinnvoll und notwendig“, heißt es in dem Antrag de Maizières weiter.

Gesetzentwurf ist in Arbeit

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) unterstützt diese Forderung. Das Justizministerium erarbeitet einen Gesetzentwurf, der die erweiterte Rolle von DNA-Proben in der Strafprozessordnung verankern soll. Dieser wird aber nicht mehr in den verbleibenden Wochen bis zur Bundestagswahl ins Parlament eingebracht, sondern soll möglichst bald in der nächsten Legislaturperiode verabschiedet werden – zumindest, wenn auch dann Union und SPD die Regierung stellen.

Eine treibende Kraft hinter der Reform ist der badische SPD-Rechtspolitiker Johannes Fechner. Zwei grausame Mordfälle in seiner Region im vergangenen Jahr haben die Diskussion um neue technische Möglichkeiten „zwar nicht ausgelöst, aber beschleunigt“, sagt Fechner. Die Morde an der 19-jährigen Freiburger Studentin Maria L. und an einer 27 Jahre alten Joggerin im nahe gelegenen Endingen haben auch in seinem Wahlkreis viele Menschen verunsichert. Bei der Suche nach den Tätern kam schnell die Frage auf, ob neue technische Möglichkeiten zu schnelleren Fahndungserfolgen führen könnten.

Recht hinkt der Technik hinterher

In Freiburg allerdings führte klassische Ermittlerarbeit die Beamten auf die Spur des Verdächtigen Hussein K.: Am Tatort wurde ein auffällig gefärbtes Haar gefunden, das zu ihm passte. Im Fall Endingen führte klassische DNA-Analyse dazu, dass eine Verbindung zu einem ähnlichen Fall im 400 Kilometer entfernten Kufstein hergestellt werden konnte.

Laut Fechner ist die Technik weit genug entwickelt, um mit hoher Sicherheit aus der DNA äußere Merkmale herauszulesen. „Und zwar so hoch, dass es sich für die Polizei lohnt, diese Ermittlungskriterien bei der Fahndung einzusetzen. Daher sollte sie diesen Hinweis erhalten und nutzen dürfen.“ Das Recht hinke der technischen Entwicklung hinterher.

Die rechtsmedizinischen Institute lieferten mit der Analyse grundsätzlich eine Angabe der Wahrscheinlichkeit mit. Ein 80-prozentiger Nachweis wäre zwar nicht vor Gericht verwendbar, könnte aber für die Ermittlung wertvoll sein. Wichtig wäre, klare Datenschutz-Vorgaben zu machen: „Es darf keine Gendatei entstehen und keine Vorratsdatenspeicherung mit DNA-Merkmalen betrieben werden“, forderte Fechner.

Von Jörg Köpke und Jan Sternberg/RND

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