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Deutschland / Welt EU-Verordnung für Autobauer – Das ändert sich für Verbraucher
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17:14 10.10.2018
Autos stauen sich in der Nähe des Hauptbahnhofs in Menden (NRW). Quelle: Martin Gerten/dpa
Brüssel

Die Umweltminister der EU haben sich auch schärfere Vorgaben für die Autobranche beim Klimaschutz ausgesprochen. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte deutlich reduziert werden. Wir erläutern, was das für die Verbraucher, den Klimaschutz und die Autobauer bedeutet.

Wie sehen die Pläne der Umweltminister konkret aus?

Die EU geht in mehreren Schritten vor. Seit 2015 gilt, dass die Neuwagenflotten der Autobauer im Schnitt maximal 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer in die Luft blasen dürfen. 2021 soll dieser Wert auf 95 Gramm gesenkt werden. 15 Prozent weniger müssen es 2025 nach dem Beschluss der EU-Umweltminister sein. Und 2030 soll eine Minderung um 35 Prozent erreicht werden. Das wären knapp 62 Gramm pro Kilometer. Der Autowissenschaftler Stefan Bratzel hat hochgerechnet, dass dies einem Durchschnittsverbrauch von 2,7 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht.

Würden damit die Klimaziele erreicht?

Mehrere Umweltorganisationen in Europa haben durchgerechnet, dass damit die Klimaziele der EU verfehlt werden. Wobei da eine Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad vorausgesetzt wird. Der Weltklimarat IPCC hat Anfang der Woche aber dringend geraten, die Anstrengungen massiv zu verstärken, um nur 1,5 Grad zu erreichen. Vier deutsche Umweltverbände fordern deshalb eine Minderung auf zunächst 70 Gramm für 2025 und 40 Gramm für 2030.

Welche Rolle spielt die Bundesregierung?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) war nach Brüssel mit dem Auftrag der Regierung gereist, eine Minderung von maximal 30 Prozent durchzusetzen, obwohl sie selbst eine deutlich stärkere Reduzierung befürwortet. Schließlich hat sie einem Kompromiss von 35 Prozent zugestimmt. Viele Mitgliedsstaaten hatten 40 Prozent gefordert. Schulze sagte am Mittwoch, sie halte die Einigung „auf jeden Fall für verträglich“.

Wie viel blasen die Neuwagen in Deutschland derzeit in die Luft?

Bei den offiziellen CO2-Werten der aller Neuzulassungen hierzulande geht es seit geraumer Zeit nicht nach unten, sondern deutlich nach oben. So waren es nach Berechnungen der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY im Juli 2017 rund 131 Gramm. Im Herbst 2015 waren es noch rund 125 Gramm, Ende 2017 schon 127 Gramm. Dass der generelle Grenzwert (130 Gramm) überschritten werden kann, hat damit zu tun, dass es für jeden Autobauer eigene Werte gibt, die vom Gewicht der Autos abhängen: Je schwerer die Wagen sind, umso mehr C02 ist erlaubt.

Welche Rolle spielt die Diskussion über Diesel-Fahrverbote?

Eine entscheidende. Die Autobauer haben darauf gehofft, dass sie vor allem mit Dieselautos zumindest das 2021er Ziel erreichen können – die Selbstzünder verbrauchen bei gleicher Leistung weniger Sprit als Benziner. Die Diskussion über Fahrverbote lässt den Diesel-Marktanteil immer weiter abstürzen. Im September lag er knapp unter der Marke von 30 Prozent. Einst waren es fast 60 Prozent. Autokäufer gehen auf Nummer sicher und bestellen deshalb immer häufiger einen Benziner.

Können die Vorgaben, die die EU für das nächste Jahrzehnt angestrebt, überhaupt erreicht werden?

Das ist möglich. Aber das sei nur mit einem Strukturwandel in der Autoindustrie zu erreichen, betont Bratzel. Der entscheidende Punkt dabei sei, dass die Autobauer massiv auf Elektromobilität setzen müssen. Denn E-Autos sollen prinzipiell mit null Gramm angerechnet werden. In ärmeren EU-Staaten soll es für die Stromer zusätzliche Gutschriften geben. Der Marktanteil der E-Pkw an den Neuzulassungen im September lag hierzulande aber bei lediglich 1,2 Prozent. Hybridautos mit Verbrenner- und Elektroaggregat kamen auf fünf Prozent. Das zeigt, dass die Autobauer ihre Flotten sehr schnell umbauen müssen. Der Verband der Automobilindustrie spricht denn auch von „völlig unrealistischen CO2-Zielen“.

Was passiert wenn die Autobauer die Grenzwerte nicht einhalten?

Dann werden Strafzahlungen fällig. Die Unternehmensberatung PA Consulting hat schon einmal hochgerechnet, dass Volkswagen und BMW das Ziel für 2021 klar verfehlen werden, wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen. Daimler werde dann nur knapp über der Marke bleiben. Auf Volkswagen könnten hingegen Strafzahlungen jenseits einer Milliarde Euro zukommen. Für BMW haben die PA-Experten 500 Millionen und für Daimler 200 Millionen hochgerechnet.

Welche Bedeutung haben Elektroautos derzeit?

Der Marktanteil der E-Pkw an den Neuzulassungen im September lag hierzulande bei lediglich 1,2 Prozent. Hybridautos mit Verbrenner- und Elektroaggregat kamen auf fünf Prozent. Das zeigt, dass die Autobauer ihre Flotten sehr schnell umstrukturieren müssen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht denn auch von „völlig unrealistischen CO2-Zielen“ der EU.

Wie wird sich der Automarkt entwickeln?

Die Entwicklung eines komplett neuen Autos dauert etwa sieben Jahre. Die Fahrzeuge für 2025 werden also bereits konzipiert. Alle deutschen Autobauer wollen bis dahin für jede ihrer Modellreihen zumindest ein Elektroauto anbieten. Große Chancen sehen Experten wie Bratzel auch bei Plug-In-Hybriden, die über die zwei Motoren und von außen aufladbare Batterien verfügen. Diese Fahrzeuge erreichen bei den maßgeblichen Verbrauchs- und Abgastests enorm günstige Werte. Gut möglich, dass diese Fahrzeuge bald zu günstigen Konditionen angeboten werden.

Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die Jobs in der Autoindustrie?

Durch mehr E-Autos entstehen neue Jobs. Gleichzeitig fallen aber auch Stellen weg. Und da Motoren und Getriebe für Verbrenner erheblich komplexer sind als Antriebsstränge für Elektrische, rechnen viele Experten unter dem Strich mit gravierenden Jobverlusten. Die Hochrechnungen variieren sehr stark. Vieles hängt auch davon ab, ob es hierzulande eine Batteriefertigung geben wird. Bratzel erwartet, einen Beschäftigungsrückgang um 20 Prozent. Derzeit arbeiten mehr als 800.000 Menschen in der Autoindustrie.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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