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Die Wirtschaft wird zur Waffe

EU-Sanktionen gegen Russland Die Wirtschaft wird zur Waffe

Im Ukraine-Konflikt zieht die EU die Daumenschrauben fester: Erstmals wird es Wirtschaftssanktionen gegen Russland geben. Details werden wohl erst am Donnerstag bekannt. Befürchtet wird aber schon jetzt, dass diese beide Seiten empfindlich treffen könnten.

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Brüssel. Die Verunsicherung unter deutschen Firmen ist groß. Denn immer noch sind die letzten Details der Sanktionen nicht bekannt, die EU am Dienstag gegen Russland beschlossen hat. Damit bleibt offen, welche Konsequenzen hiesige Unternehmen im Einzelnen erwarten müssen. Fest steht nur: Schon jetzt hat die Ukraine-Krise und die Reaktion des Westens Russlands Wirtschaft heftig gebremst - und das in einer ohnehin kritischen Zeit. Fragen und Antworten dazu:

Wie trifft die EU Russland?
Die beschlossenen Sanktionen packen das Land durchaus an einer empfindlichen Stelle. Neben einem Verbot von künftigen Rüstungslieferungen soll es ein Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das russische Militär geben, außerdem Ausfuhrverbote für Spezialtechnik zur Ölförderung. Weil Russlands Wirtschaftsmodell bislang ganz entscheidend auf der Gewinnung und dem Export von Energie beruht, müsste sich das Land nach Alternativen bei Lieferanten umsehen. Schmerzen könnte Moskau aber vor allem, dass der Zugang zum europäischen Kapitalmarkt erschwert werden soll. So wird russischen Banken der Handel mit Anleihen in der EU verboten, was die Kosten für die Finanzierung der angeschlagenen russischen Wirtschaft noch einmal erhöht.

Verfügt Russland nicht über genügend finanzielle Reserven?
Bislang schon: Das stürmische Wachstum der Vergangenheit beruhte auf sprudelnden Energieexporten - und steigenden Preisen für Energie. Dieser Trend hat sich aber nicht ungebremst fortgesetzt. Das Wachstum wird langsamer, mit entsprechenden Folgen für die Deviseneinnahmen.  Devisenreserven schrumpfen, der Rubel gerät unter Druck. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, urteilen die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB) vor diesem Hintergrund.

Und kann Russland sich nicht frisches Kapital beschaffen?
Der russische Staat hat wachsende Probleme, Kapital aufzunehmen. Der Zinssatz für russische Staatsanleihen ist zuletzt binnen eines Monats um einen Prozentpunkt auf bis zum 9,4 Prozent gestiegen. Die Schuldenaufnahme wird also immer teurer für den russischen Staat. Geplante Verkäufe von Staatsanleihen wurden vor diesem Hintergrund schon mehrfach abgesagt. Offizielle Begründung: „Ungünstige Marktkonditionen“.

Aber Russland gehört doch zu den Riesen der Weltwirtschaft?
Schon. Als Mitglied der schnell wachsenden BRIC-Entwicklungsländer wird Russland in einem Atemzug mit Brasilien, Indien und China genannt. Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Aber die „goldenen Jahre“ mit Wachstumsraten von sechs, sieben oder acht Prozent sind schon lange vorbei. Russlands Wirtschaftsleistung legte 2013 nur noch um 1,3 Prozent zu. Für 2014 hat der IWF seine Prognose jüngst von 1,3 auf nur noch 0,2 Prozent gekappt. Russland droht eine Rezession - mit entsprechenden Folgen auch für seine Handelspartner.
Wie sehen die Folgen aus?
Russland hatte zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land zwar nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden - hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft. Für die deutsche Schlüsselbranche Maschinenbau ist Russland zum Beispiel der viertgrößte Exportpartner, und die Maschinenbauer verbuchen schon jetzt deutlich rückläufige Russland-Exporte.

Und wie geht es nun weiter?
Das ist so lange offen, wie es keine Listen gibt, welche Produkte und Firmen genau von Handelsbeschränkungen betroffen sind. Unklar ist auch, ob Beschränkungen für bereits laufende Geschäfte gelten oder nur für neue Aufträge. Der Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Heiko Schwiderowski, berichtet von täglich 20 bis 30 Anrufen zu diesem Themenkomplex. Das zeige, wie groß die Verunsicherung ist. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um.

Droht damit ein handfester Konjunktureinbruch?
Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, dass Sanktionen im schlimmsten Fall das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 16,4 Milliarden Euro schmälern könnten - allerdings nur dann, wenn die Exporte nach Russland komplett wegfallen würden, was eher nicht wahrscheinlich ist. Mittelstandspräsident Mario Ohoven sagte derweil der „Leipziger Volkszeitung“ (Dienstag): „Käme es durch Handelssanktionen über einen längeren Zeitraum zu einer Rezession in Russland, könnte uns das 0,5 Prozentpunkte Wachstum kosten.“

Von Thomas Kaufner/dpa

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