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Deutschland / Welt 15 Prozent der Deutschen gelten als arm
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15:31 27.08.2015
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Wiesbaden

"Armutsgefährdungsquote stabil" - das ist keine gute Nachricht, findet Ulrich Schneider. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes findet es schlimm, dass die Gefahr, arm zu sein, in einem reichen Land wie Deutschland seit Jahren nicht sinkt - trotz guter Konjunktur. Wie kann das sein?

Als von Armut bedroht gelten laut EU-Definition Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen. Aktuell sind das in Deutschland für einen Einpersonenhaushalt 917 Euro pro Monat. 2014 betraf das 15,4 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete. Im Vorjahr waren es 15,5 Prozent, in den zwei Jahren davor 15,0 Prozent.

Damit war die Quote "in den letzten zehn Jahren relativ stabil", sagt Destatis-Experte Bernd Becker. Stabil ist schlecht, finden die Sozialverbände - sie sollte sinken, und das schon lange. "Wenn kein Ende dieser Entwicklung in Sicht ist, dann muss die Politik endlich handeln", sagt die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, und fordert "entschlossene Schritte", um Armut erst gar nicht entstehen zu lassen.

Ein möglicher Hebel ist Bildung. Die Statistik zeigt: Je schlechter die Schul- und Ausbildung, desto größer die Gefahr für Armut. 2014 waren 30,8 Prozent der schlecht qualifizierten Einwohner armutsgefährdet; 2005 traf das erst auf 23,1 Prozent zu. Gering qualifiziert sind laut EU-Definition Menschen, die maximal einen Realschulabschluss, aber keine Berufsausbildung haben.

Auffälliger - und beunruhigender - findet Sozialexperte Schneider andere Aspekte der Statistik. "Ein wirklicher Kracher ist, dass mit 15,6 Prozent zum ersten Mal die Armutsgefährdungsquote unter Rentnern über der Durchschnittsquote liegt."

"Der wachsenden Altersarmut wird von der Politik kaum gegengesteuert", kritisiert auch die VdK-Präsidentin. Schneider sieht schon "eine Welle der Altersarmut" auf uns zurollen.

Auch andere Gruppen sind gefährdet, allem voran die Alleinerziehenden. Sie haben laut Schneider eine Armutsquote über 40 Prozent. "Das geht nicht." Er fordert "spezielle Programme für spezielle Gruppen": Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose, Bildungsverlierer, Rentner. "Wir müssen Vorsorge treffen, dass diese Menschen nicht allesamt in Armut fallen."

Eine Bildungspolitik, die allen gleichen Chancen bietet, findet er "eine Selbstverständlichkeit". Aber der wichtigste Hebel sei die Wirtschaft. In vielen Bundesländern sei wegen guter wirtschaftlicher Entwicklung die Armut zurückgegangen, etwa beim Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern. "Das ist eine Top-Nachricht."

Dass die bundesweite Quote trotzdem nicht sinkt, liegt daran, dass das einwohnerstärkste Bundesland unverändert weiter abfällt. Nordrhein-Westfalen ist laut Schneider "seit Jahren das Sorgenkind". Die Armutsgefährdungsquote in NRW stieg von 17,1 auf 17,5, während sie in Mecklenburg-Vorpommern von 23,6 auf 21,3 Prozent sank.

Das Problem: "Wir haben super Wirtschaftsergebnisse und trotzdem verharrt die Armutsquote auf so hohem Niveau", kritisiert Schneider. Die ökonomischen Erfolge kämen also nicht allen gleichermaßen zugute. "Hier muss der Staat eingreifen und korrigieren."

dpa

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