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Elf Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut

Studie Elf Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut

Die Armut in Deutschland wächst rapide. Inzwischen sind mehr als elf Millionen Menschen betroffen - ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Danach sind bereits 14 Prozent der Bevölkerung gefährdet, vor allem kinderreiche Familie und junge Leute. Jeder vierte junge Erwachsene lebt unter der Armutsschwelle. Sozialverbände werfen daher allen Regierungen der vergangenen Jahre Versagen vor.

Der Sozial- und Wohlfahrtsverband Volkssolidarität forderte ein sofortiges Programm gegen die wachsende Armut. Die Regelsätze für Grundsicherung müssten endlich erhöht werden, erklärte Verbandsgeschäftsführer Bernd Niederland. Das steigende Armutsrisiko zeige auch, wie absurd die von FDP-Chef Guido Westerwelle angeführte Kampagne gegen den Sozialstaat und seine Leistungen sei.

Die Berliner Wirtschaftsforscher sehen eine Anhebung staatlicher Unterstützungszahlungen dagegen skeptisch. „Höhere Hartz-IV-Sätze reduzieren zwar Einkommensdefizite“, erklärte Markus Grabka, einer der Autoren der DIW-Studie. „Sinnvoller erschienen aber Investitionen in Kinderbetreuung und in verbesserte Erwerbschancen für Alleinerziehende und Familien mit jungen Kindern.“

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. So hat es die Europäische Kommission festgelegt, die 2010 auch zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ausgerufen hat.

In Deutschland sind vor allem junge Erwachsene und Haushalte mit mehr als zwei Kindern betroffen: Unter den 19- bis 25-Jährigen lebte 2008 knapp ein Viertel unterhalb der Armutsschwelle, ergab die DIW-Studie.

Risiko steigt mit Kinderzahl

Massiv gestiegen sind auch die Finanznöte großer Familien. Für Familien mit drei Kindern liege das Armutsrisiko bereits bei knapp 22 Prozent, bei vier und mehr Kindern erreiche es 36 Prozent, erklärte der Ko-Autor der Studie, Joachim Frick. Dies sei ein beträchtlicher Zuwachs gegenüber 1998 - „und das, obwohl der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und das Elterngeld diese Entwicklung bereits entlastet haben“. Mit über 40 Prozent weisen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern nach wie vor die größten Armutsraten auf.

Weichenstellungen gegen Altersarmut gefordert

Relativ gut stehen der Studie zufolge dagegen die aktuell 46- bis 55-Jährigen da. Auch Menschen am Ende ihres Berufslebens oder zu Beginn des Ruhestands seien vergleichweise wenig betroffen. Erst nach dem 75. Lebensjahr steigt das Armutsrisiko wieder auf das Durchschnittsniveau, was die Forscher unter anderem auf den höheren Anteil von Witwen mit geringeren Alterseinkünften zurückführen.

Der Bundesverband der Deutschen Banken fordert von der Regierung Weichenstellungen gegen eine zu befürchtende wachsende Altersarmut. So sollte vor allem die kapitalgedeckte Altersvorsorge armutsfest gemacht gemacht werden, sagte Geschäftsführer Bernd Brabänder bei der Vorstellung der Studie „Risiko Altersarmut“ in Berlin. Eine Umverteilungspolitik sei hingegen „nicht das erste Mittel der Wahl“, fügte er hinzu.

Schon heute mache die gesetzliche Rente durchschnittlich kaum mehr als 60 Prozent des Gesamteinkommens der Rentnerhaushalte aus, und die Quote werde weiter sinken, sagte Brabänder. Die Gesetzliche Rentenversicherung mit ihrer demografisch bedingten Schieflage werde die Herausforderung Altersarmut voraussichtlich nicht bestehen. Deshalb sollte für alle Erwerbstätigen „ein Zugang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge geschaffen werden“.

ap

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