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Entlastung für Gorleben: Bayern nimmt Castoren

Streit beigelegt Entlastung für Gorleben: Bayern nimmt Castoren

Im Streit um die Zwischenlagerung von Atommüll ist Entlastung für den Standort Gorleben im Wendland in Sicht: Bayern hat seinen Widerstand gegen die Aufnahme von Atommüll aus der Wiederaufbereitung im Ausland aufgegeben.

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In dem Streit geht es um 26 Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Müll.

Quelle: dpa (Archiv)

Hannover. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) zeigte sich über die Entscheidung am Dienstag erfreut. „Jetzt kann der Weg für eine Lastenteilung beim Atommüll frei gemacht werden“, sagte Wenzel. „Die Hartnäckigkeit Niedersachsens hat sich gelohnt“, sagte die SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Johanne Modder am Abend der HAZ.

Zuvor hatten Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine Einigung unterzeichnet. Seehofer erklärte, Bayern werde Mitverantwortung für die „sichere Lagerung und Zwischenlagerung von Relikten aus der Zeit der Atomenergie“ übernehmen. Bedingung Bayerns ist, dass auch in Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg Castoren gelagert werden. Seehofer nannte nun die Zwischenlagerung eine „gesamtstaatliche Aufgabe“. Bayern werde selbstverständlich Mitverantwortung übernehmen.

Streit um 26 Castorbehälter

In dem Streit geht es um 26 Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Müll aus Atomkraftwerken, die Deutschland nach der Wiederaufarbeitung aus Frankreich und Großbritannien zurücknehmen muss. Bisher wurden diese Behälter stets nach Gorleben gebracht, nun sollen sie an anderen Standorten zwischengelagert werden. Noch vor einem halben Jahr hatte die Landesregierung in München massiv gegen die Pläne Hendricks zur Zwischenlagerung von bis zu neun Castoren in Bayern protestiert und mit einem Scheitern der Energiewende innerhalb der großen Koalition gedroht. Hendricks Konzept sieht vor, dass fünf Castoren im baden-württembergischen Standortzwischenlager Philippsburg untergebracht werden. Hessen, Schleswig-Holstein und Bayern sollen jeweils sieben Castoren aus England lagern.

Atomkraftgegner aus Niedersachsen haben sichüberrascht über die Zusage Bayerns geäußert, einige Castor-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus ausländischen Wiederaufarbeitungsanlagen zwischenzulagern. Dass es Bundesumweltministern Barbara Hendricks (SPD) gelungen sei, den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) umzustimmen, sei „bemerkenswert“, sagte Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg am Dienstag.

Atom-Gegner: Ein Deal zu Lasten Gorlebens?

Die Anti-Atom-Lobby bleibt skeptisch. Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg witterte am Dienstag gar einen einen „Deal“ zuungunsten eines möglichen Endlagers in Gorleben. „Wir hätten gern gewusst, ob es eine Gegenleistung von Hendricks gibt“, sagte Ehmke. Ob aus der Geste Bayerns am Ende abzuleiten sei, dass Bayern sich auch für eine Endlagerung von Atommüll öffne, „wird man sehen“.
Auch die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ erklärte, mit der Einigung seien „noch längst noch nicht alle Probleme vom Tisch“. Spätestens seit dem Brunsbüttel-Urteil des schleswig-holsteinischen Oberverwaltungsgerichtes sei klar, dass die Castor-Zwischenlager nicht gegen Abstürze eines großen Airbus ausgelegt seien.
„Das Zwischenlager am AKW Isar hat sogar dünnere Wände und Decken als die Halle in Brunsbüttel“, sagte der Sprecher der Organisation, Jochen Stay. Eine weitere ungelöste Frage betreffe die Handhabung der Behälter, wenn einer der beiden Deckel undicht werde.     

Von Reimar Paul, Sigrun Stock
und Michael B. Berger

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