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Erdkabel statt „Monstertrassen“?

Entscheidung bei Stromnetzen naht Erdkabel statt „Monstertrassen“?

Der Netzausbau gilt als Achillesferse der Energiewende. Ein Megaprojekt ist der Suedlink, gegen den in Niedersachsen und Bayern viele Bürger auf die Barrikaden gehen. Wirtschaftsminister Gabriel liebäugelt nun mit einem Vorrang für Erdkabel - das könnte richtig teuer werden.

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Sigmar Gabriel kann sich bei der 800 Kilometer langen „Hauptschlagader“ der Energiewende teure Erdkabel als „Regelfall“ vorstellen.

Quelle: dpa/Symbolbild

Berlin. Der bei der neuen Stromautobahn Suedlink federführende Netzbetreiber Tennet sieht bei einem Deal zwischen der Bundesregierung und Bayern den Zeitplan für das Milliardenprojekt in Gefahr. Auch gibt es Befürchtungen, dass der Wunsch der Politik nach mehr Erdkabeln zu einer Kostenexplosion beim Ausbau des Stromnetzes führen könnte.

Vor dem Energie-Spitzentreffen der drei Parteichefs der Koalition in der nächsten Woche sagte der Chef von Tennet Deutschland, Urban Keussen, am Donnerstag in Berlin: „Wichtig ist, dass es eine Lösung sein wird, die für Suedlink keinen Zeitverzug bedeutet.“

Super-Leitung Suedlink soll bis 2022 fertig sein

Die geplante Super-Leitung Suedlink soll Windstrom von der Nordsee in die Industriezenten im Süden und Südwesten bringen und bis 2022 fertig sein. Als Freileitung mit Masten würde das Projekt nach jetzigem Stand etwa zwei bis drei Milliarden Euro kosten. Die Kosten für den Leitungsbau müssen die Stromkunden über die Netzentgelte schultern.

Gabriel kann sich nun aber bei der 800 Kilometer langen „Hauptschlagader“ der Energiewende teure Erdkabel als „Regelfall“ vorstellen. Damit soll der Protest von Bürgern gegen hohe 380-Kilovolt-Strommasten („Monstertrassen“) minimiert und Bayern ins Boot geholt werden.

Nach Angaben der Netzbetreiber sind Erdkabel-Teilstücke aber drei- bis achtmal so teuer wie Freileitungen. Neue, günstigere Kabeltechnologien seien noch nicht ausreichend erprobt, heißt es. Auch müssten bei einem Vorrang für Erdkabel vermutlich alle Planungen und Verfahren zur Bürgerbeteiligung bei Suedlink neu aufgerollt werden.
Erdkabel werden meist auch nicht einfach vergraben. Gebraucht werden 25 bis 40 Meter breite Korridore. Außerdem müssen alle paar hundert Meter „Muffenhäuschen“ zur Wartung gebaut werden.

Grundsätzlich lobte Keussen das Kompromissangebot von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel an die bayerische Staatsregierung. „Jetzt erwarten wir, dass Bayern den Ball aufnimmt und es schnell eine politische Verständigung gibt.“

Am Mittwoch nächster Woche wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer, SPD-Chef Gabriel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) bei einem Treffen im Kanzleramt eine Lösung für den Ausbau der umstrittenen Leitungen von Nord nach Süd finden.

Die drei Parteichefs können dabei nicht am Reißbrett festlegen, wo welche Trasse genau verläuft oder teure Erdkabel eingesetzt werden sollen. Das ist Sache der zuständigen Behörden und der Übertragungsnetzbetreiber. Derzeit überarbeitet Tennet nach Kritik der Bundesnetzagentur seine Suedlink-Planungen.

Der Suedlink besteht aus zwei Gleichstrom-Leitungen zwischen Wilster bei Hamburg und Grafenrheinfeld in Bayern sowie zwischen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Großgartach in Baden-Württemberg.

Eine zweite geplante große Stromautobahn ist der Südost-Link, der von Wolmirstedt bei Magdeburg bis ins bayerische Meitingen verlaufen soll. Wie Gabriel erklärte, könnten dafür bestehende Trassen genutzt werden, die letzten Kilometer nach Bayern als Erdverkabelung verlegt werden. Das Verfahren zum genauen Trassenverlauf ist hier aber noch gar nicht eröffnet.

Von Tim Braune, dpa

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