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Wer soll die Grünen führen?

Urwahlforum in Hannover Wer soll die Grünen führen?

Unter dem Motto „Basis ist Boss“ wollen die Grünen ihre beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 zu wählen. In Hannover stellten sich die vier Bewerber am Sonnabendabend erstmals der Mitgliederschaft vor – und machten klar, dass sie nicht nur die Grünen für sich gewinnen wollen.

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Robert Habeck, Kathrin Göring-Eckardt, Anton Hofreiter und Cem Özdemir (v.l.) stellten sich in Hannover den Fragen der Basismitglieder.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Die gefährlichste Frage an diesem Sonnabendabend im Sprengel-Museum in Hannover kam aus dem Publikum an die vier Kandidaten: „Würden Sie einem Gesetz zustimmen, das den Fleischkonsum in Kitas oder in öffentlichen Kantinen reduzieren würde?“ Oh je, da schwingt viel mit: Der Wunsch der Grünen nach weniger Fleischkonsum und besserer Tierhaltung, aber auch das schlimme Bild von den Grünen als Verbotspartei, die den Menschen die schönen Dinge nicht mehr gönnen will. In diese Falle wollen aber die vier Spitzen-Grünen, an die die Frage gerichtet ist, nicht tappen. Und so antworten Parteichef Cem Özdemir, die beiden Bundestagsfraktionsvorsitzenden Kathrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sowie der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck mit einem klaren „Nein, aber..."

Rund eineinhalb Stunden lang stellten sich die vier Spitzengrünen am Sonnabendabend den Fragen von rund 300 Basis-Mitgliedern in Hannover. Es war das erste von insgesamt zehn Urwahlforen, in denen die vier deutschlandweit um Stimmen der Basis werben wollen, damit diese dann zwei von ihnen im Januar zu Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl kürt. Als einzige Frau im Bewerberfeld ist Göring-Eckardt schon gesetzt, die drei Männer buhlen um den zweiten Platz.

Der Außenseiter zwischen den Bundespolitikern ist der Landesminister Habeck, der sich aber in der Runde nicht verstecken will: „Wir müssen versuchen, über unser eigenes enges Milieu hinaus zu werben“, sagt er mit leichtem norddeutschen Dialekt. Dann könne man auch größer sein als die üblichen zehn Prozent. „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Grüne nicht so sehr mit Grünen reden, sondern mit Menschen draußen in der Gesellschaft“, meint auch Özdemir.

Die Haltung spielt auch bei der Antwort auf die Frage nach dem Fleischkonsum eine Rolle: Ein Verbot oder eine erzwungene Reduzierung wolle sie nicht, meint Göring-Eckardt: „Ich weiß, dass dieses supergesunde Essen beschissen schmecken kann.“ Sie würde eher auf Anreize setzen, um den Speiseplan in den Kitas zu ändern. Hofreiter will das Problem von der anderen Seite angehen: „Wir schreiben nicht den Leuten vor, was sie zu tun haben, sondern wir schaffen Wahlfreiheit und sorgen dafür, dass die Tiere anders gehalten werden.“

Faire Tierhaltung ist ein Thema, mit dem die Bewerber bei diesem Forum leicht Punkte sammeln können. Zuverlässig Applaus gibt es auch für eine klare Haltung in der Friedenspolitik, eine sozial gerechtere Steuerpolitik und der Kampf gegen den Klimawandel. „Wir sind die erste Generation, die bereits merkt, dass der Klimawandel bereits einsetzt und die letzte Generation, die noch etwas tun kann, damit er nicht völlig aus dem Ruder läuft“, sagt Hofreiter.

Als besonderen Coup sehen die Spitzengrünen einen Bundesratsbeschluss, der die EU auffordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ab dem Jahr 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Das sei zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik, meint Özdemir, der es auch als Erfolg feiert, dass Daimler-Chef Dieter Zetzsche auf dem nächsten Grünen-Parteitag eine Rede halten soll. Dafür allerdings gibt es in Hannover wenig Applaus.

Ein Teil der Diskussion dreht sich dann um die Frage, welche Fehler der letzten Bundestagswahl die vier vermeiden wollen. Göring-Eckardt und Habeck wollen auf keinen Fall wieder mit einem Steuermodell in den Bundestagswahlkampf ziehen – Steuerpolitik sei „ein Mittel, kein Ziel“, meint Göring-Eckardt. Und alle wollen sich nicht wieder vor der Wahl auf eine Koalition festlegen, so wie 2013, als man klar für ein Bündnis mit der SPD warb.

Das Nein zu Koalitionsaussagen vor der Wahl kommt im Publikum gut an. „Das ist richtig. Ich habe mich kolossal geärgert beim letzten Mal“, meint ein Zuhörer nach der Diskussion. Er hält es auch für richtig, dass jetzt an Bündnisse mit SPD und Linken, an Rot-Rot-Grün gedacht wird. „Ich kenne viele Leute bei den Linken, mit denen ich mich bei wichtigen Punkten einig weiß – etwa bei der Friedenspolitik.“ Rot-Rot-Grün sei für ihn kein Schreckgespenst. „Für mich schon“, wirft seine Frau neben ihm ein.

Auch ein anderer Zuhörer will von einem Bündnis mit den Linken nichts wissen. Was dann? „Ich halte Schwarz-Grün für eine Option“, meint er. Ihn hätten deshalb Habeck und Özdemir am meisten überzeugt – sie könnten auch am ehesten den Anspruch erfüllen, über die Stammwählerschaft der Grünen hinaus Stimmen zu erlangen.

Das nächste Urwahlforum findet in Bayern statt, dass letzte im Januar in Berlin. Bis zum 13. Januar können die Grünen ihre Stimme abgeben - Anfang Februar soll dann feststehen, wer das Rennen gemacht hat.

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