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Es ist genug Heimat für alle da

Leitartikel Es ist genug Heimat für alle da

Das Wort Heimat hat wieder einmal die politische Debatte erreicht, zunächst als Kampfbegriff der AfD. Doch mit der Weltoffenheit Deutschlands öffnet sich auch die Bedeutung des Wortes. Heimat grenzt weder ab noch aus, Heimat ist gefühlte Gewissheit, meint Marina Kormbaki.

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Heimat, das ist auch der Rückzug ins Vertraute.
 

Quelle: dpa

Berlin.  Die Welt ist in Unruhe. Zwei unberechenbare Staatschefs drohen einander mit „völliger Vernichtung“. Stürme und Fluten lassen Landflächen binnen Stunden verschwinden. Millionen Arme sind unterwegs gen Norden, zu einem besseren Leben. Deutschland aber vertieft sich derweil in die Frage nach Sinn und Bedeutung des Wortes Heimat. So als müsste das jetzt sein.

„Unser Land, unsere Heimat“ – dass die AfD den Satz plakatiert, verwundert nicht. Nun aber reklamieren auch solche Kräfte den Heimatbegriff für sich, die der Deutschtümelei unverdächtig sind. „Wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ein Mann der SPD, in seiner Rede zum Tag der Einheit. „Für diese Heimat werden wir kämpfen“, kündigt die Grüne Katrin-Göring-Eckardt an. Und ihr Parteifreund Robert Habeck meint hier sogar eine Klammer für ein Regierungsbündnis aus Union, FDP und Grünen gefunden zu haben: „Politik muss eine Idee formulieren, eine Heimatidee.“

Heimweh bricht sich plötzlich Bahn. Aber nur auf den ersten Blick scheint das Bedürfnis nach Zugehörigkeit den großen Zeitläufen zu widersprechen. Nicht trotz, sondern wegen der Globalisierung, wegen all der Zumutungen, die sie im Politischen wie im Privaten mit sich bringt, erwacht in vielen Menschen der Wunsch nach Vertrautheit und Geborgenheit. In einer Welt der Krisen und der Kriege ist es nicht mehr so attraktiv, Weltbürger zu sein. Lieber zieht man sich auf das Vertraute zurück. Der Vorzug gilt dem Gemüse aus der Region, dem lokal gebrauten Bier, dem Urlaub an der Ostsee oder im Harz. Früher mit den Eltern war es dort ja auch ganz schön. Als der Sand von Prerow in den Zähnen knirschte. Als auf dem Wurmberg der Duft von Fichten in die Nase stieg. Heimat eben. Politik kann keine Heimat stiften. Aber sie muss dem tiefer liegenden Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verständlichkeit gerecht werden.

Dass jetzt hierzu der Begriff der Heimat bemüht wird, stört viele, vor allem Linke. Sie werfen den neuen Heimatverfechtern vor, mit muffigem Vokabular der AfD hinterherzulaufen. Aber Begriffe sind im Wandel, ebenso wie Gesellschaften. Die Deutschen haben sich der Welt zugewandt, sie haben sich geöffnet, und jetzt öffnet sich auch das Wort Heimat. Es ist eben nicht gleichbedeutend mit Nation, es grenzt weder ab noch aus. Es beschreibt die tief empfundene Zuneigung und das daraus erwachsende Verantwortungsgefühl für einen Kiez oder eine Region, für die Menschen dort und ihren Lebensstil. Da sind CSU und Grüne übrigens ganz nah beieinander. Heimat ist gefühlte Gewissheit. Für den Zusammenhalt im Land wäre es von großem Wert, wenn ausgerechnet das bunt zusammengewürfelte Jamaika-Bündnis möglichst vielen Bürgern diese Gewissheit vermitteln könnte.

Von Marina Kormbaki

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