Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir rechnet mit AfD ab

Bundestagsdebatte über Deniz Yücel Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir rechnet mit AfD ab

Die AfD wollte den deutsch-türkischen Journalisten Yücel vom Bundestag für zwei umstrittene Texte maßregeln lassen. Doch einer nutzt die Debatte zu einem Gegenschlag. Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir hat in einer leidenschaftlichen Bundestagsrede mit der AfD abgerechnet.

Voriger Artikel
SPD-Mitgliederentscheid erreicht Quorum
Nächster Artikel
Wehrexperte fordert mehr Herz von von der Leyen

Özdemir nutzte die Debatte aber für eine Generalabrechnung mit den Rechtspopulisten.

Quelle: dpa

Berlin. Özdemir warf der AfD Rassismus sowie Verachtung des demokratischen Systems der Bundesrepublik vor. Die AfD sei „aus demselben faulen Holz geschnitzt“ wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der Journalisten verhaften lasse, sagte Özdemir in einer von der AfD beantragten Debatte über umstrittene alte Texte des aus türkischer Haft freigekommenen Journalisten Deniz Yücel.

Indirekt rückte Özdemir die AfD in die Nähe von Nazis. „In unserem Land, in der Bundesrepublik Deutschland gibt es keine Gleichschaltung, von der sie nachts träumen, bei uns gibt es Pressefreiheit.“ Eine Aschermittwochsveranstaltung der AfD, bei der seine Abschiebung gefordert worden sein soll, habe ihn eher an eine Sportpalastrede erinnert, rief er und empfahl den AfD-Abgeordneten, sich an das Ausstiegstelefon für Neonazis zu wenden. Im Berliner Sportpalast hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels 1943 seine berüchtigte Rede mit dem Aufruf zum „Totalen Krieg“ gehalten.

Die AfD hatte beantragt, den aus türkischer Haft freigelassenen „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel öffentlich zu maßregeln wegen zweier „taz“-Kolumnen aus den Jahren 2011 und 2012. Darin hatte Yücel dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht und den Geburtenrückgang in der Bundesrepublik als Beitrag zum „Deutschensterben“ bejubelt. Mit großer Mehrheit lehnte der Bundestag die AfD-Forderung ab.

Mehrere Redner der anderen Fraktionen ließen Kritik anklingen, wiesen aber darauf hin, dass es sich offensichtlich um satirische Texte gehandelt habe. AfD-Redner wollten das als Argument aber nicht gelten lassen. Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio nannte Yücel einen „Hassprediger“ und betonte: „Das Hohelied, das auf Herrn Yücel angestimmt wird, kann den Missklang seiner Äußerungen nicht übertönen.“

Özdemir nutzte die Debatte aber für eine Generalabrechnung mit den Rechtspopulisten. „Sie wollen bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht“, sagte der Grünen-Abgeordnete und fragte: „Wie kann jemand, der Deutschland, der unsere gemeinsame Heimat so verachtet, wie sie es tun, darüber bestimmen, wer Deutscher ist?“

„Ihr tobender Mob wollte mich am Aschermittwoch abschieben“

„Wenn sie ehrlich wären, dann würden Sie zugeben, dass sie dieses Land verachten“, rief Özdemir, der immer wieder von starkem Beifall, aber auch Zwischenrufen offensichtlich aus der AfD unterbrochen wurde. „Dieses Hohe Haus verachten sie genauso, wie sie die Werte der Aufklärung verachten.“ „Sie verachten alles, wofür dieses Land in der ganzen Welt geachtet wird und respektiert wird.“ Dazu gehöre die Erinnerungskultur ebenso wie die Vielfalt des Landes, dazu gehörten Bayern und Schwaben, aber auch Menschen mit Vorfahren aus Russland oder Anatolien, die stolz darauf seien, Bürger dieses Landes zu sein.

„Ihr tobender Mob wollte mich am Aschermittwoch abschieben. Das geht leichter, als sie sich dass vorstellen“, sagte Özdemir, der in Bad Urach geboren wurde, dessen Eltern aber aus der Türkei nach Deutschland gekommen waren. Denn demnächst fahre er wieder nach Bad Urach. „Da ist meine schwäbische Heimat, und die lass ich mir von Ihnen nicht kaputt machen“, rief er. „Dieses Deutschland ist stärker, als es ihr Hass jemals sein wird.“

Von RND/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Deutschland / Welt
Die besten Karikaturen im Januar

Die besten Karikaturen aus dem Januar 2018.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr