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Dreikönigstreffen FDP rügt Dirk Niebel nach Rösler-Attacke

Die FDP hat kurzfristig mal einen neuen Buhmann. Minister Niebel bezieht für seinen Dreikönigsangriff auf Rösler Prügel. Am Rhein schwört Hoffnungsträger Lindner, er bleibe in Düsseldorf.

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Musste zum Dreikönigstreffen der FDP einiges einstecken: Philipp Rösler.

Quelle: dpa

Berlin/Düsseldorf. Für den von seinen Gegnern politisch schon totgesagten Philipp Rösler fing die Woche gut an. Nach dem für ihn eher bitteren Dreikönigsfest saß er in seinem Ministerium mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft zusammen. Es ging um den Euro, die neue Konjunkturprognose, die Strompreise. Vor der Presse dankte Industriepräsident Ulrich Grillo dann dem Wirtschaftsminister für seine gute Arbeit: „Das muss auch mal gesagt werden.“ Rösler schwieg und lächelte.

Ein anderer hatte am Sonntag auf der Dreikönigsbühne in der Stuttgarter Oper den Mund ziemlich voll genommen. Dirk Niebel rechnete in einem wohl kalkulierten Gefühlsausbruch mit Rösler ab und verlangte eine neue Spitzenmannschaft für die Bundestagswahl. Das ging vielen in der FDP-Führung zu weit. Niebel bezog am Montag kollektiv Prügel vom Partei-Establishment. „Ich verstehe nicht, was er sich von diesem Brutus-Gehabe verspricht“, meinte ein führender Liberaler.

Für Rösler keine schlechte Entwicklung. Zwar vergab er mit seiner wolkigen Stuttgarter Grundsatzrede zur „Flamme der Freiheit“ nach Auffassung vieler Spitzenleute die vielleicht letzte Chance, sein Verlierer-Image zu drehen. Niebels Attacken vor großem Publikum wurden jedoch als unwürdig bewertet. Röslers Gegner wollen dem Vernehmen nach dessen Abschied quasi „im gegenseitigen Einvernehmen“ erreichen - jedoch nicht mit einer Schlammschlacht oder einem kalten Putsch. Vieles hängt vom Ausgang der Landtagswahl in Niedersachsen am übernächsten Sonntag ab.

Rösler dürften in Stuttgart die subtilen Botschaften eines Rainer Brüderle indes nicht entgangen sein. Im Stil eines Parteichefs lobte der 67-jährige Fraktionschef generös alles und jeden. Besondere Beachtung wurde dem Hinweis auf Christian Lindner geschenkt, mit dem Brüderle für „unsere FDP“ kämpfen will.

Mit dem Slogan „Das ist meine FDP“ hatte Lindner in Nordrhein-Westfalen die Partei bei der Landtagswahl sensationell zu 8,6 Prozent geführt. War das Brüderles Offerte an Lindner zur Machtübernahme - oder gibt es gar schon eine Absprache zwischen beiden für eine Wahlkampf-Tandemlösung in der Nach-Rösler-Ära?

Lindner ließ sich bei seinem ersten Termin mit der Presse im neuen Jahr in Düsseldorf nichts entlocken. Er ist klug genug, sich nicht selbst als Bundesparteichef ins Spiel zu bringen und am Königsmord zu beteiligen.

„Ich verspüre keinerlei Druck“, antwortete er auf Fragen nach dem Ruf aus seiner Partei. „Abstrakte Personaldebatten zu führen, in Was-wäre-wenn-Szenarien zu denken, das liegt mir einfach nicht. Dazu fehlt mir jetzt die Fantasie“, kokettiert der Polit-Stratege, der derzeit kein Amt in der Bundespartei hat.

Tatsächlich steht er bei Parteifreunden und Wählern in NRW im Wort, die Wahlperiode im Düsseldorfer Landtag bis 2017 auch hier zu beenden. Er könne dieses Versprechen dauernd wiederholen, wenn gewünscht, bietet Lindner an. „Ich bin da ganz klar.“

Zwar war Lindner einer der ersten, die Rösler in der Partei den Rücken kehrten, als er ihm als Partei-General Ende 2011 von der Fahne ging. Doch er tat das ohne viele Worte und ohne schmutzige Wäsche zu waschen. Beim Wähler in NRW kam sein Kurs an.

Nach einem Wahlkampf nach dem Motto „Inhalte statt Klamauk“ konnte Lindner mit Glaubwürdigkeit punkten und machte die FDP-Fraktion im Landtag sogar stärker als zuvor. Und so gönnt er sich zwar einen Seitenhieb auf Rösler-Kritiker Niebel, lässt sich aber keine weiteren Kommentare zum spektakulären Dreikönigstreffen entlocken. „Ich werde noch etwas Zeit brauchen, alle Eindrücke unseres Dreikönigstreffens intellektuell zu verarbeiten. Das muss sich noch setzen bei mir.“

dpa

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