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Deutschland / Welt Schwesig nimmt eine Auszeit von der Politik
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00:15 25.01.2016
Manuela Schwesig verabschiedet sich vorübergehend aus der Politik: Die 41-Jährige geht in den Mutterschutz. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
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Berlin

Die kluge Frau baut vor. Seit drei Stunden steht Manuela Schwesig nun schon vor der Kamera und dreht einen Video-Clip nach dem anderen: eine Botschaft zum Internationalen Frauentag. Ein Statement zum Google Impact Challenge.

Die fünf Clips werden wir erst in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Auf der Internet-Seite ihres Ministeriums, auf ihrer Facebook-Site und einige Schnipsel vermutlich auch in den Fernsehnachrichten. Dann, wenn die Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend im Baby-Urlaub ist und der Geburt ihres zweiten Kindes entgegensieht.

Geburt voraussichtlich im März

Am Sonntag geht Manuela Schwesig in den Mutterschutz. Nach ihrer Vorgängerin Kristina Schröder ist sie erst die zweite Bundesministerin, die während ihrer Amtszeit ein Kind erwartet. Zur Welt kommen soll ihre Tochter im März.

"Wo ich bin, ist oben", antwortet sie vor acht Jahren einem Journalisten auf die Frage, warum er in ihr Team wechseln soll. Zu diesem Zeitpunkt ist Manuela Schwesig Kommunalpolitikerin in der Mecklenburger Provinz, Fraktionschefin für eine Handvoll SPD-Genossen in der CDU-beherrschten Stadtvertretung.

Kritiker lächeln über die "Küsten-Barbie"

Ein typischer Schwesig-Spruch. Die Ministerin ist selbstbewusst.  Daran konnten auch die Spötter in der Hauptstadt nichts ändern. Manche degradierten die Ministerin bis heute zur „Quotenfrau“ oder lächeln über die "Küsten-Barbie". Volker Kauder nannte sie jüngst „Heulsuse“. Am Ende nützen ihre diese ausnahmslos von Männern angeklebten Etiketten mehr, als dass sie ihr schaden.

"Ich kenne dieses Gefühl aus der Schule", sagt Manuela Schwesig. Immer die Jüngste in der Klasse, habe sie von Anfang an darum kämpfen müssen, sich gegen die vermeintlich großen Jungs durchzusetzen und sich Respekt zu verschaffen.

Ihre Oma zog zehn Kinder groß

Von ihren beiden Vorbildern, der 2001 gestorbenen Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt und ihrer inzwischen 96-jährige Großmutter, hängen noch heute Zeichnungen und Bilder in ihrem Berliner Minister-Büro.

"Meine Oma hat in der Nähe von Cottbus zehn Kinder groß gezogen. Ich hoffe, dass ich ihre Robustheit geerbt habe. Den Willen, Dinge, die mir wichtig sind, konsequent zu Ende zu bringen, habe ich bestimmt von ihr. An Regine Hildebrandt bewundere ich bis heute ihr soziales Engagement", sagt Schwesig.

Sie hat viel auf ihrer Habenseite

Berlin, Bundesfamilienministerium, Dienstag dieser Woche, 10.30 Uhr: Manuela Schwesig gibt ihre letzte Pressekonferenz vor der Babypause. Kerzengerade sitzt  sie da, die Hände über dem Babybauch gefaltet. Es geht um Patenschaften für minderjährige Flüchtlingskinder und das Geld, das sie dafür von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) benötigt.

"Ich erwarte, dass mit mir über diese zehn Millionen Euro nicht diskutiert wird", sagt Schwesig. Und sie bekommt: Elterngeld Plus, Familienpflegezeit, Entlastung für Alleinerziehende, steigender Kinderzuschlag für Geringverdiener, mehr Kindergeld, höhere Kinderfreibeträge, steigender Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende, mehr Geld für Kitas – und die Frauenquote.

Applaus von Hillary Clinton

Als sie im vergangenen März vor den Vereinten Nationen in New York erklärt, dass Deutschland eine feste Quote für Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen etabliert, erntet sie Applaus von Hillary Clinton. Am nächsten Tag hat Schwesig es auf die Titelseite der New York Times geschafft.

Wohin führt dieser Weg noch?

In der Union ist sie wegen der Fülle ihrer Aktivitäten und ihrer Hartnäckigkeit gefürchtet. Vor der Babypause auch noch ein neues Gesetz zum Mutterschutz durchzubringen, dieses symbolträchtige Bild hat die CDU  mit aller Macht zu verhindern gewusst.

Irgendwann Kanzlerin?

In der SPD gewinnt sie dafür an Einfluss. Während Parteichef Sigmar Gabriel im Dezember auf dem Bundesparteitag in Berlin bei seiner Wiederwahl mit 74,3 Prozent abgewatscht wird, streicht Schwesig mit 92,2 Prozent ein. Das beste Ergebnis aller Stellvertreter, noch vor Hannelore Kraft und Olaf Scholz. Schwesig wird mit Fraktionschef Thomas Oppermann und Generalsekretärin Katarina Barley federführend das SPD-Programm für die Bundestagswahl im kommenden Jahr entwerfen – nicht Arbeitsministerin Andrea Nahles.

Am Montag, auf der Klausurtagung der SPD im brandenburgischen Nauen, sitzt Schwesig im schwarzen Kleid mit rotem Schal neben Gabriel. Es gibt Leute, die meinen, sie bereite sich auf ihre Rolle als Kanzlerin vor. Vielleicht löst sie erst mal Erwin Sellering als Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern ab.

Schwesig will solche Gerüchte "nicht näher kommentieren". Lange in der Babypause verschwinden wird sie jedenfalls nicht. Bereits am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, will sie wieder am Schreibtisch sitzen. "So wie sich das für eine ordentliche Sozialdemokratin gehört", sagt sie.

Von Jörg Köpke

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