Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Ungarn plant auch Grenzzaun zu EU-Land Rumänien

Flüchtlingskrise auf dem Balkan Ungarn plant auch Grenzzaun zu EU-Land Rumänien

Nichts geht mehr: Die Grenze zwischen Ungarn und Serbien ist am Dienstag für Flüchtlinge komplett geschlossen worden. Der offizielle ungarische Hauptgrenzübergang wurde für Flüchtlinge gesperrt. Nun stehen 2000 Flüchtlinge auf serbischer Seite vor der unüberwindbaren Grenze. Einige sind in den Hungerstreik getreten.

Voriger Artikel
Keine Einigung auf Flüchtlingsquote
Nächster Artikel
EU-Zuwanderern darf Hartz IV verweigert werden

Das letzte Schlupfloch ist geschlossen: Ein mit Stacheldraht gespickter Güterwaggon versperrt die Gleise zwischen Serbien und Ungarn.

Quelle: dpa

Der Flüchtlingsandrang von Serbien nach Ungarn ist nicht gestoppt. Nachdem Ungarn am Montagabend das letzte Schlupfloch in seinem 175 Kilometer Grenzzaun bei Röszke geschlossen hatte, haben sich am Dienstagmorgen viele Flüchtlinge versammelt, die Einlass nach Ungarn begehrten. Nach inoffiziellen Informationen handle es sich um etwa 2000 Menschen. Sie versammelten sich an einem alten Grenzübergang an der Landstraße nach Röszke, die parallel zur Autobahn verläuft. Es habe Proteststimmung geherrscht. Ungarns Polizei war mit einem großen Aufgebot präsent.

Am Nachmittag wurde dann bekannt, das Ungarn auch an der Grenze zum EU-Nachbarland Rumänien einen Grenzzaun bauen. Als Grund gab Ungarns Außenminister Peter Szijjarto laut der staatlichen Nachrichtenagentur MTI an, dass sich Schlepper nach der Schließung der ungarisch-serbischen Grenze Ausweichrouten über Rumänien suchen könnten. Man habe das Außenministerium in der rumänischen Hauptstadt Bukarest bereits über den Beschluss informiert. Beginnen solle der Bau des Zauns am ungarisch-serbisch-rumänischen Dreiländereck. „In vernünftiger Länge“ solle der Zaun von dort zum nahen Maros-Fluss führen sowie noch einige Kilometer weiter in östliche Richtung. Genauere Angaben machte Szijjarto zunächst nicht. Der Minister hatte sich in Budapest anlässlich einer Pressekonferenz zusammen mit dem Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan bin Said als Mansur, geäußert. Er sei sich mit seinem Gast einig darin, dass die Flüchtlinge aus den islamischen Kriegsgebieten möglichst in der Nähe ihrer Heimatländer Hilfe bekommen sollten, sagte Szijjarto.

Aufgebrachte Flüchtlinge sind mittlerweile bei Röszke in einen Hungerstreik aus Protest gegen die Schließung des dortigen Durchgangs getreten. Einige der 200 bis 300 protestierenden Menschen in einer Transitzone trügen Schilder mit der Aufschrift "No water no food until open border", berichtete die ungarische Internet-Zeitung index.hu. Vorher hätten sie dort von ungarischer Seite erhaltenes Essen weggeworfen. Unter den Protestierenden seien auch Kinder.

Flüchtlinge sind vor der abgeriegelten ungarischen Grenze gestrandet.

Quelle: dpa

Am Dienstagmittag hat die ungarische Regierung den sogenannten Masseneinwanderungs-Krisenfall für die beiden südlichen Bezirke Bacs-Kiskun und Csongrad ausgerufen. Eine Ausrufung ermächtigt die Behörden etwa zu beschleunigten, faktisch rein formalen Asylverfahren.

Am Vorabend war das wegen einer Eisenbahnverbindung entstandene Loch im Grenzzaun durch einen mit Nato-Draht bewehrten Waggon geschlossen worden. Eine Diesellok schob den schweren Anhänger in die letzte Lücke des Zauns. Am Dienstagmorgen bemühten sich Arbeiter, auch die letzten Zentimeter des international umstrittenen Bollwerks rund um den Eisenbahnwaggon mit Stachel- und Maschendraht zu verschließen. Unklar blieb zunächst, wohin sich die Flüchtlinge wenden, die jetzt die Grenze bei Röszke nicht mehr überwinden können.

Der ungarische Botschafter in Deutschland, József Czukor, sagte dem Sender n-tv, die Flüchtlinge müssten sich in Zukunft an den Grenzübergängen anmelden und registrieren lassen. Wenn sie das täten, hätten sie "auch die Möglichkeit, in die EU einzureisen". Die Lasten sollten "gerecht" verteilt werden, forderte der Botschafter, bisher habe "Ungarn außerordentlich viel Last getragen".

Erste Verhaftungen an der Grenze

In der Nacht kam es sogleich zu ersten Zwischenfällen: Nach Inkrafttreten der verschärften Gesetze griff die ungarische Polizei nach Angaben der Regierung in Budapest 60 Flüchtlinge auf, als sie den Stacheldrahtzaun an der Grenze zerschnitten oder beschädigen. 45 Menschen wurden demnach direkt an der Grenze und 15 weitere im Landesinneren festgenommen.

Für die Flüchtlinge kann dies bei den neuen, scharfen Gesetzen in Ungarn schwere Konsequenzen haben: Illegaler Grenzübertritt gilt nun als Straftat, die mit Haft oder Abschiebung geahndet werden kann. Bisher war es nur eine Ordnungswidrigkeit. Bei illegalem Grenzübertritt drohen bis zu drei Jahre Haft. Kommt Sachbeschädigung hinzu, etwa das Durchschneiden des Grenzzauns, erhöht sich das mögliche Strafmaß auf fünf Jahre.

Ungarn macht Ernst: Nun ist die Grenze nach Serbien mit einem meterhohen Zaun und zahlreichen Schlingen Stacheldraht geschlossen, Soldaten patroullieren. Derweil sinnen die Flüchtlinge in Belgrad über alternative Wege in die EU nach.

Zur Bildergalerie

An der österreichisch-ungarischen Grenze entspannt sich dagegen die Lage: Knapp 2000 Flüchtlinge haben in der Nacht zum Dienstag von Ungarn aus die Grenze nach Österreich überquert. Die Lage habe sich beruhigt seit Montag, an dem rund 20.000 Menschen die Grenze zu Österreich passiert. Ungarns Regierung hatte eingeräumt, bis zum Inkrafttreten ihrer verschärften Regelungen zum Grenzübertritt systematisch Flüchtlinge an die Westgrenze transportiert zu haben.

dpa/afp/frs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Treffen zur Flüchtlingskrise
In Ungarn und Österreich sind Zehntausende Flüchtlinge unterwegs.

Ja zum Verteilen von Flüchtlingen - Nein zur Quote: Das ist das Ergebnis des EU-Krisentreffens vom Montagabend. Die Debatten der Innenminister werden im Oktober weitergehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Krisentreffen.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Die Wahl ist entschieden: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Auf unserer Themenseite finden Sie aktuelle Berichte, Analysen und Hintergrundinformationen zur Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. mehr

CDU-Parteitag in Hameln

Zum Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Hameln haben sich rund 450 Delegierte versammelt, um über einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 zu entscheiden. Sie nominierten einstimmig Bernd Althusmann.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.