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Flüchtlingscamp von Idomeni soll geräumt werden

Provisorisches Lager Flüchtlingscamp von Idomeni soll geräumt werden

Noch immer halten sich etwa 9000 Flüchtlinge im provisorischen Flüchtlingscamp von Idomeni auf und hoffen auf die mazedonische Grenzöffnung. Jetzt soll das Lager geräumt werden.

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Das provisorische Flüchtlingslager im nordgriechischen Grenzort Idomeni soll geräumt werden.

Quelle: Kostas Tsironis/dpa

Athen. Das provisorische Flüchtlingslager im nordgriechischen Grenzort Idomeni soll geräumt werden. Sondereinheiten der griechischen Bereitschaftspolizei haben sich am Montag auf den Weg in den nordgriechischen Grenzort Idomeni gemacht. Sie sollen bei der Räumung des wilden Flüchtlingslagers an der mazedonischen Grenze helfen. Wie genau die Aktion vor sich gehen soll, war zunächst nicht bekannt. "Wir werden jedenfalls nicht die Kavallerie ins Lager galoppieren lassen oder eine Art Säuberungsaktion starten", sagte der Sprecher des griechischen Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, am Montag.

In griechischen Medien wurde spekuliert, ob Kyritsis mit zurückhaltenden Äußerungen nur dafür sorgen will, dass die Situation in Idomeni nicht eskaliert. In der Vergangenheit war es dort immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Lagerbewohnern und der Polizei gekommen. So versuchten Flüchtlinge und Migranten wiederholt, die Grenze zu stürmen. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, auf beiden Seiten wurden Menschen verletzt. Eine unrühmliche Rolle wurde dabei den politischen Aktivisten unter den freiwilligen Helfern zugeschrieben: Sie sollen die Menschen zu den Aktionen angestachelt haben.

Regierung gegen gewaltsame Räumung

Bisher hat sich die griechische Regierung dennoch stets gegen eine gewaltsame Räumung des Lagers ausgesprochen; es lebten viele Kinder und Frauen dort, Gewalt sei keine Option. Allerdings wird die Situation vor Ort zunehmend untragbar. Eine kleine Gruppe von Migranten hält seit mehr als zwei Monaten den für die griechische Wirtschaft wichtigen Bahnübergang besetzt.

Güterzüge können nicht passieren, griechische Unternehmen beklagen bereits Schäden in Millionenhöhe.

Bewohner beschweren sich über Diebstähle und Vandalismus

Zudem soll im Lager mittlerweile mit Drogen gehandelt werden; ein Eisenbahnwaggon sei zum Bordell umfunktioniert worden, dort prostituierten sich allein reisende Frauen, denen das Geld ausgegangen sei, berichten griechische Medien. Und die Bewohner von Idomeni selbst beschweren sich ebenfalls bitterlich: Immer öfter komme es in ihrem Dorf zu Diebstählen und Vandalismus.

Im Eiltempo werden derzeit verschiedene Aufnahmemöglichkeiten für die Flüchtlinge fertig gestellt. Die Regierung hat dafür Industriegebäude angemietet, auch ausrangierte Militärkasernen kommen zum Einsatz. Es sei bereits Platz für 6000 Menschen geschaffen worden, so Kyritsis. Bis zum Ende der Woche soll es 8000 Unterkunftsmöglichkeiten geben. Es werde in etwa zehn Tage dauern, bis die vielen tausend Menschen mit Bussen zu den neuen Bleiben gebracht worden seien.

Beginn der Räumungsaktion weiterhin offen

Offen bleibt jedoch, ob die Bewohner das Lager ohne Gegenwehr verlassen und wann die Aktion wirklich starten soll. Es wird erwartet, dass die Polizei das Camp vorher weiträumig absperrt und Journalisten, freiwillige Helfer und Schaulustige von dem Gelände schickt.

Zuletzt hatten starke Regenfälle das Flüchtlingslager in eine Matschlandschaft verwandelt.

Das wilde Flüchtlingslager von Idomeni

Noch vor gut einem Jahr war der kleine griechische Grenzort Idomeni bestenfalls unter Eisenbahnromantikern, Rucksacktouristen und ehemaligen Gastarbeitern bekannt. Kaum 200 Bewohner leben dort in unmittelbarer Nachbarschaft zur mazedonischen Grenze. Es gibt einen kleinen Bahnhof, der Güterverkehr von und nach Griechenland rattert über die Strecke.

Im Jahr 2015 jedoch wurde der Grenzübergang im Zuge der Flüchtlingskrise zum Startpunkt der sogenannten "Balkanroute": Wer es von Syrien und anderen Ländern zu den griechischen Inseln schaffte, reiste früher oder später über Idomeni entlang der Eisenbahnschienen weiter gen Norden.

Als Mazedonien seine Grenze im Februar dieses Jahres schloss, um den Flüchtlingszustrom zu stoppen, erlangte Idomeni schließlich traurige Berühmtheit. Quasi über Nacht sammelten sich fast 15 000 Flüchtlinge und Migranten an der Grenze an. Mitten im Nirgendwo entstand ein provisorisches, wildes Lager, ohne Toiletten, ohne medizinische Versorgung.

Bis heute harrt ein harter Kern aus Flüchtlingen und Migranten in der Zeltstadt von Idomeni unter schlechten Bedingungen aus. Die Menschen hoffen immer noch, die Grenze könne sich öffnen, und wollen deshalb nicht in staatliche Auffanglager umsiedeln. Obwohl mittlerweile viele Hilfsorganisationen vor Ort sind, verschlimmert sich die Situation. Unter anderem kursieren Berichte über Prostitution und Drogenhandel im Lager.

dpa/RND/are

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