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Front National geht bei Regionalwahlen leer aus

Frankreich Front National geht bei Regionalwahlen leer aus

Nach einem historischen Sieg bei der ersten Runde kann der rechtsextreme Front National keines der Regionalparlamente Frankreichs erobern – am besten positioniert sind Sarkozys Republikaner, während Hollandes Sozialisten einer allzu krachenden Niederlage entgingen.

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Geschlagen: Die Front National von Parteichefin Marine Le Pen.

Quelle: dpa

Paris. Am Ende wurde es nichts mit der „Marine-blauen Welle“, die über Frankreichs Landkarte hätten schwappen sollen, wenn es nach der Chefin des Front National gegangen wäre. Nach der ersten Runde der Regionalwahlen vor einer Woche hatte er noch mit knapp 28 Prozent an der Spitze gelegen und in sechs von 13 Regionen geführt. Doch beim zweiten Wahlgang gelang es Marine Le Pen nicht, diesen Vorsprung in einen Sieg in einer der vier Regionen umzumünzen, wo dieser als möglich galt.

"Konflikt zwischen Globalisierern und Patrioten"

Nichtsdestotrotz trat sie am Abend selbstbewusst vor ihre Anhänger, um den „unabwendbaren Aufstieg unserer nationalen Bewegung“ zu loben, die die Ergebnisse von 2012 auf lokaler Ebene überstiegen. Künftig herrsche in Frankreich nicht mehr Dualismus zwischen links und rechts, sondern zwischen „Globalisierern und Patrioten“ – gemeint war der Front National gegen alle anderen. Die Rechtspopulistin unterlag in der Region Nord-Pas-de-Calais, wo sie selbst als Spitzenkandidatin angetreten war, klar dem konservativen Ex-Minister Xavier Bertrand. Auch ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen scheiterte in der Mittelmeerregion Provence-Alpes-Côte d`Azur am konservativen Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi.

In beiden Regionen hatten die Sozialisten den Rückzug ihrer Bewerber angeordnet, um die Rivalen der gemäßigten Rechten siegen zu lassen und den Front National zu verhindern. Dieser Aufforderung verweigerte sich der sozialistische Kandidat im Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen, Jean-Pierre Masseret, da sie die Partei bis zu den nächsten Wahlen in sechs Jahren aus dem Regionalparlament verbannt. Trotzdem setzte sich der konservative Bewerber Philippe Richert gegen Florian Philippot, Parteivize des Front National, durch.

Sonntagabend stand fest, dass mindestens fünf Regionen an die Republikaner gehen und mindestens drei an die Sozialisten. Diese hatten bisher in allen Regionen außer dem Elsass und Korsika regiert, deren Zahl sich im Zuge einer Gebietsreform von 22 auf 13 verringert hat. Unsicher erschien noch der Ausgang in der Normandie, im Centre-Val de Loire und in der Hauptstadtregion Île-de-France.

Insgesamt setzten sich die Republikaner in der Allianz mit den Zentrumsparteien als stärkste Kraft durch. Dennoch blieben sie stark hinter den Erwartungen zurück. Eine Hauptschuld wird Oppositionsführer Nicolas Sarkozy gegeben, der einen aggressiven Wahlkampf geführt hatte, in dem er stark um die Wähler des Front National buhlte. Untersuchungen hatten ergeben, dass ein Viertel seiner Anhänger von 2012, wo er in der Präsidentschaftswahl François Hollande unterlag, inzwischen zur extremen Rechten umgeschwenkt sind. Sarkozy kündigte an, es sei an der Zeit „über die großen Fragen zu debattieren, die die Franzosen beängstigen, welche Antworten von uns erwarten“.

Trotzdem schwächt ihn das Ergebnis, wollte er sich mit der Wahl doch eigentlich in eine gute Ausgangslage für die Präsidentschaftswahlen bringen. Dasselbe gilt für Präsident Hollande, dessen Sozialisten die befürchtete Schlappe zumindest begrenzen konnten. Ihnen kamen seine verbesserten Beliebtheitswerte nach den Pariser Terroranschlägen zupass, bei denen er viele als kaltblütiger Krisenmanager überzeugt hatte. Auch Premierminister Manuel Valls erinnerte an die Attentate, die „genau vor einem Monat unsere Werte, unsere Demokratie, unsere Jugend, unsere Lebensweise“ trafen – aber man habe nicht nachgegeben und die Wahlen durchgeführt. Am zweiten Durchgang beteiligten sich mit fast 60 Prozent der Wähler deutlich mehr beteiligt als vor einer Woche – und das schadete offenbar dem Front National .

von Birgit Holzer

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